Rot-Grün-Rot: Juso-Chef Türmer glaubt an Regierungsfähigkeit

"Chance für Berlin":Juso-Chef glaubt an Regierungsfähigkeit von Rot-Grün-Rot

|

Der Chef der SPD-Nachwuchsorganisation, Philipp Türmer, sieht in einem möglichen rot-grün-roten Regierungsbündnis in Berlin eine Chance. Inhaltliche Kritik verfange nicht mehr.

Philipp Türmer, SPD (Vorsitzender der Jusos)

Juso-Chef Philipp Türmer wünscht sich einen "Politikwechsel" im Hinblick auf hohe Mieten in Berlin (Archivfoto).

Quelle: action press / HMB MedienUwe Koch

Trotz anderslautender Warnungen mancher SPD-Politiker sieht Juso-Chef Philipp Türmer in einer möglichen rot-grün-roten Landesregierung in Berlin eine Chance - und steht damit nach eigenen Aussagen nicht alleine da in seiner Partei. Im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF sagte Türmer:

Also ich kenne auch sehr viele in der Sozialdemokratie, die es befürworten, dass wir wieder progressive Bündnisse suchen.

Philipp Türmer, Juso-Chef

Vor allem hätten aber die Wählerinnen und Wähler in der Hauptstadt sehr deutlich gemacht, dass sie sich eine andere Koalition als die vergangene wünschten und keine Berliner Koalition unter Führung der CDU haben wollten, sagte Türmer. "Und wenn man Wählerinnen und Wähler ernst nimmt, dann muss man das jetzt auch mal versuchen."

Pressekonferenz zu Sondierungsgesprächen Berlin

Berlins SPD und Grüne entscheiden heute, ob sie Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Die mögliche rot-grün-rote Regierung sorgt bundesweit für Diskussionen.

19.10.2026 | 2:22 min

Türmer: Chance beim Thema Mieten und Wohnen

"Ich denke, die Berlinerinnen und Berliner haben recht klargemacht, dass sie sich einen Politikwechsel wünschen, dass sie sich insbesondere wünschen, dass was gegen die hohen Mieten unternommen wird in Berlin", sagte der Bundesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation. Sie vertrauten darauf, dass ein rot-grün-rotes Bündnis endlich etwas dagegen unternehme, dass sich viele Menschen Wohnen gar nicht mehr leisten könnten.

Und deswegen sehe ich da auch eine Chance für Berlin.

Philipp Türmer, Juso-Chef

Juso-Vorsitzender Türmer: Nach neuen Inhalten suchen

Im phoenix-Tagesgespräch äußerte sich Türmer zum Zustand der SPD, der Regierungskoalition und der Perspektive junger Menschen in Deutschland.

19.10.2026 | 8:18 min

Türmer wies insbesondere auch die Kritik an den Plänen zur Vergesellschaftung von Wohnraum zurück. Das von der sozialdemokratischen Bundesbauministerin Verena Hubertz angekündigte Gesetz gegen die Vergesellschaftung sei nach seiner Auffassung verfassungswidrig. "Ich glaube nicht, dass dieses Gesetz jemals kommt." Artikel 15 des Grundgesetzes garantiere den Bundesländern, dass sie Wohnraum vergesellschaften können, so Türmer. "Ich bin mir sicher, das wird der Bundesregierung auch noch auffallen." Die Vergesellschaftung von Wohnraum verfolge hehre Ziele.

Juso-Chef: Streitthemen mit Sondierungspapier "abgeräumt"

Auch andere Kritik an Rot-Grün-Rot verfange nicht mehr. So seien die umstrittenen Pläne der Linken zur Abschaffung des Verfassungsschutzes in Berlin und zu Kürzungen bei der Polizei im Sondierungspapier "abgeräumt". Wer hier jetzt noch kritisiere, verfolge andere Ziele. Insbesondere die Union attackiert die mögliche künftige Berliner Landesregierung, aber auch Sozialdemokraten wie der ehemalige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil äußern Zweifel an der Regierungsfähigkeit der Linken.

fiedler-regierung-koalition

Mehrere Bundestagsabgeordnete lehnen eine Berliner Koalition mit der Linken ab. SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler meint: „Solange diese strukturellen Antisemitismus-Themen nicht vom Tisch sind, kann die SPD keine Koalition eingehen.“

19.10.2026 | 4:22 min

20 SPD-Bundestagsabgeordnete wendeten sich Medienberichten zufolge in einer gemeinsamen Erklärung gegen eine mögliche Berliner Koalition mit der Linken. Sie begründeten dies unter anderem mit wiederkehrenden Antisemitismuskonflikten im Linken-Landesverband.

Sondierungen in Berlin abgeschlossen

Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl vor knapp einem Monat war die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition verlor ihre Mehrheit. An diesem Wochenende haben Linke, Grüne und SPD ihre Sondierungen erfolgreich abgeschlossen, nun müssen die Parteien über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden.

Die Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, verteidigte die Gespräche ihrer Partei mit der Linken in Berlin. Allerdings müsse die Berliner Linke nun entschieden die Vereinbarungen des Sondierungspapiers zur Bekämpfung von Antisemitismus und Clan-Kriminalität durchsetzen, sagte Dröge am Montag im Deutschlandfunk. Die Linkspartei müsse "das Antisemitismus-Problem in ihren eigenen Reihen lösen", denn ansonsten "können die Grünen irgendwann nur noch mit der SPD koalieren".

Werner Graf (Grüne), Elif Eralp (Linke) und Steffen Krach (SPD).

Linke, Grüne und SPD empfehlen Koalitionsverhandlungen, die Parteigremien müssen noch zustimmen. Teil der Einigung: die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne.

17.10.2026 | 2:31 min

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.


Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 19.10.2026 ab 05:30 Uhr.

Mehr zur Regierungsbildung in Berlin

  1. Scarlett Sternberg
    Newsletter

    Update am Morgen:"Ächtung" in Berlin, Machtfrage im Bund?

    von Scarlett Sternberg

  2. Felix Banaszak (Bündnis 90/Die Grünen) (Archiv)

    Sondierungen in Berlin:Rot-Grün-Rot: Banaszak fordert klare Absprachen

    mit Video2:31

  3.  Markus Söder (CSU, M), Ministerpräsident des Landes Bayern, spricht während des Deutschlandtags der Jungen Union (JU) beim Gruppenfoto mit den JU-Delegierten aus Bayern.

    Finanzsanktionen gegen Berlin?:Söder schießt scharf gegen Linke bei "Deutschlandtag"

    mit Video1:35

  4. Steffen Krach, Co-Vorsitzender der Berliner SPD, Elif Eralp, Fraktionsvorsitzende der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, und Werner Graf von den Grünen treffen am 17. Oktober 2026 zu einer Pressekonferenz ein.

    Einigung auch bei der Vergesellschaftung:Berlin: Linke, Grüne und SPD stellen Sondierungspapier vor

    mit Video2:31