Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück

Persönliche Gründe, aber auch Kritik an CDU:Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück

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Bärbel Bas zieht sich als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück. Sie begründete den Schritt mit dem Tod ihrer Stieftochter, aber auch mit Angriffen aus der Union.

Bärbel Bas am 08.05.2109 in Berlin

Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück. Als Gründe nennt sie die Trauer um ihre verstorbene Stieftochter und öffentliche Angriffe, auch aus der Union.

12.10.2026 | 0:27 min

Die Arbeitsministerin und SPD-Chefin Bärbel Bas hat ihren sofortigen Rücktritt von beiden Ämtern angekündigt. "Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben", teilte die 58-Jährige mit.

Bas kritisiert "öffentliche Angriffe" vom Koalitionspartner

Bas begründete den Schritt mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Angriffen auf sich, auch aus den Reihen des Koalitionspartners, der Union. In dem von der SPD-Spitze verbreiteten Schreiben am Montagmorgen schrieb Bas:

Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten.

Bärbel Bas, Arbeitsministerin und SPD-Chefin

Diese Zeit wolle sie sich ausreichend nehmen, teilte die 58-Jährige mit. Bas nannte zugleich als einen weiteren Grund für ihren Rücktritt öffentliche Angriffe "auch aus den Reihen des Koalitionspartners". Diese seien in einer für sie schwierigen Zeit zuletzt "weiter forciert" worden.

Politiker aus der Union hatten Bas zuletzt scharf dafür kritisiert, dass sie Gesetzentwürfe zu geplanten Reformvorhaben zum Beispiel in der Rente nicht schnell genug vorlege. Sie hatten ihr vorgeworfen, die Reformen zu verschleppen und zu blockieren.

ZDF-Hauptstadtkorrespondent Lars Bohnsack berichtet live aus Berlin.

Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück. Korrespondent Lars Bohnsack erklärt die Hintergründe und spricht über Alexander Schweitzer als designierten Nachfolger im Ministeramt.

12.10.2026 | 6:15 min

Bas bleibt Bundestagsabgeordnete

In ihrer Mitteilung bedankte sich Bas für die Unterstützung im Arbeitsministerium. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten eine starke Hausleitung verdient, "die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt", erklärte sie. Auch der SPD-Spitze sprach sie Dank aus. Abgeordnete im Bundestag werde sie bleiben, erklärte Bas.

Bärbel Bas: Stellungnahme auf Instagram

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Bärbel Bas ist seit 2009 Bundestagsabgeordnete der SPD. Die gelernte Sozialversicherungsfachangestellte und Personalmanagement-Ökonomin war von 2013 bis 2019 Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, anschließend stellvertretende Fraktionsvorsitzende und von 2021 bis 2025 Bundestagspräsidentin. Seit Mai 2025 war sie Bundesministerin für Arbeit und Soziales, seit Juni 2025 gemeinsam mit Lars Klingbeil SPD-Vorsitzende.

Quelle: KNA


Klingbeil kündigt Neuwahlen der SPD-Spitze an

SPD-Co-Chef Lars Klingbeil bedauerte die Entscheidung von Bas. Er sei über "diesen Schritt sehr traurig", zugleich könne er ihn persönlich "zu 100 Prozent nachvollziehen". Er sei Bärbel Bas dankbar für das, "was sie an der Spitze der Partei und an der Spitze unseres Landes geleistet hat". Die Angriffe gegen sie bezeichnete Klingbeil als  "unanständig". Immer mehr Hass und Hetze würde in die politische Auseinandersetzung einziehen und insbesondere Frauen in gehobenen Führungspostionen seien davon stark betroffen, so Klingbeil:  

Das ist nicht akzeptabel, und das darf in unserer Gesellschaft nicht akzeptabel sein.

Lars Klingbeil, SPD-Co-Chef

Dem SPD-Präsidium habe er den früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer (SPD) als neuen Bundesarbeits- und Sozialminister vorgeschlagen, sagte Klingbeil. Darüber habe er am Morgen auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) informiert. Schweitzer sei "auf dem Berliner Parkett kein Unbekannter", betonte der SPD-Chef. Er bringe Erfahrung als Arbeits- und Sozialminister und als Ministerpräsident mit.

Klingbeil kündigte zudem an, dass ein Bundesparteitag "um den Jahreswechsel" herum über die künftige SPD-Führung entscheiden werde. Dabei werde "die gesamte Führungsriege der SPD dann zur Wahl anstehen", sagte der verbliebene SPD-Co-Vorsitzende. An der Doppelspitze beim SPD-Vorsitz will Klingbeil nach eigenen Worten festhalten. Ob er selbst noch einmal antritt, teilte er nicht mit.

Durch den Rückzug von Arbeitsministerin Bärbel Bas und den geplanten Ersatz durch Alexander Schweitzer (beide SPD) sinkt die Frauenquote im Bundeskabinett. Von 18 Kabinettsmitgliedern werden künftig nur noch 7 Frauen sein. Die SPD, die die Spitze von sieben Ministerien stellt, hat dann noch drei Frauen im Kabinett: Justizministerin Stefanie Hubig, Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan und Bundesbauministerin Verena Hubertz.

Nach der Entscheidung, nun Schweitzer zum Arbeitsminister zu berufen, kommt aus der Partei Kritik. "Wir erwarten, dass die Nachbesetzung des Ministeriums mit einer Frau erfolgt", sagten die Vorsitzenden der SPD Frauen, Carmen Wegge und Ulrike Häfner, der "Rheinischen Post".

Quelle: epd


Weiterer Schlag für schwarz-rote Koalition

Der Rücktritt von Bas ist ein weiterer Schlag für die schwarz-rote Koalition. SPD und CDU hatten in den vergangenen Monaten deutlich an Zustimmung verloren und bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland schwere Niederlagen erlitten.

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Das CDU-Präsidium befindet sich gerade in einer zweitägigen Klausur, Kanzler Friedrich Merz hat für Montag ohnehin eine Pressekonferenz geplant. Auf der Plattform X dankte er Bas für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ihre Entscheidung verdiene Respekt.

Persönliche Gründe und Kritik an Union
:Die Rücktrittserklärung von Bärbel Bas im Wortlaut

Bärbel Bas tritt als SPD-Co-Vorsitzende und Bundesarbeitsministerin zurück. Sie nennt vor allem persönliche Gründe, kritisiert aber auch die Union - ihre Erklärung im Wortlaut.
Berlin: Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, kommt zum SPD-Bundesparteitag.
Quelle: dpa, Reuters, KNA
Über das Thema berichtet das ZDF in mehreren Sendungen, unter anderem bei ZDFheute live ab 11:40 Uhr.

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