Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück

Aus persönlichen Gründen:Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück

|

Bärbel Bas zieht sich als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück. Sie begründete den Schritt mit dem Tod ihrer Stieftochter, aber auch mit Angriffen aus der Union.

Bärbel Bas am 08.05.2109 in Berlin

Die Arbeitsministerin und SPD-Chefin BärbelBas hat ihren sofortigen Rücktritt von beiden Ämtern angekündigt.

Quelle: picture alliance / photothek

Bärbel Bas tritt als Arbeitsministerin und als Parteichefin der SPD zurück. Sie begründete den Schritt in einer Mitteilung mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Angriffen auf sich, auch aus den Reihen des Koalitionspartners, der Union. In dem von der SPD-Spitze verbreiteten Schreiben am Montagmorgen schrieb Bas:

Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten.

Bärbel Bas, Arbeitsministerin und SPD-Chefin

Diese Zeit wolle sie sich ausreichend nehmen, teilte die 58-Jährige mit.

Bas kritisiert "öffentliche Angriffe" vom Koalitionspartner

Bas nannte zugleich als einen weiteren Grund für ihren Rücktritt öffentliche Angriffe "auch aus den Reihen des Koalitionspartners". Diese seien in einer für sie schwierigen Zeit zuletzt "weiter forciert" worden.

Politiker aus der Union hatten Bas zuletzt scharf dafür kritisiert, dass sie Gesetzentwürfe zu geplanten Reformvorhaben zum Beispiel in der Rente nicht schnell genug vorlege. Sie hatten ihr vorgeworfen, die Reformen zu verschleppen und zu blockieren.

Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben.

Bärbel Bas, Arbeitsministerin und SPD-Chefin

SPD-Co-Chef Lars Klingbeil sei bereits informiert, auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe sie gebeten, sie aus dem Amt zu entlassen.

In ihrer Mitteilung bedankte sich Bas für die Unterstützung im Arbeitsministerium. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten eine starke Hausleitung verdient, "die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt", erklärte sie. Auch der SPD-Spitze sprach sie Dank aus. Abgeordnete im Bundestag werde sie bleiben, erklärte Bas.

Bärbel Bas: Stellungnahme auf Instagram

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Instagram nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Instagram übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von Instagram informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

Datenschutzeinstellungen anpassen

Klingbeil und Miersch bedauern Rückzug von Bas

Klingbeil äußerte sich traurig über die Entscheidung von Bas. "Hinter den Ämtern sind wir alle nur Menschen", betonte er. Deshalb könne er den Schritt persönlich nachvollziehen. "Die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer waren unanständig. Sowas gehört sich nicht", betonte der Vizekanzler.

Klingbeil sagte seine Reise nach Indien ab, zu der er am späten Montagnachmittag aufbrechen wollte. Dies teilte sein Ministerium mit. Auch seine im Anschluss an Indien geplante Weiterreise zur Jahrestagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in Thailand liegt damit auf Eis.

Auch SPD-Fraktionschef Matthias Miersch betonte, dass Bas Haltung gezeigt habe, auch wenn es unbequem wurde. "Aber die Kraft ist endlich."

Seit 2009 im Bundestag

Bärbel Bas ist seit 2009 Bundestagsabgeordnete der SPD. Die gelernte Sozialversicherungsfachangestellte und Personalmanagement-Ökonomin war von 2013 bis 2019 Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, anschließend stellvertretende Fraktionsvorsitzende und von 2021 bis 2025 Bundestagspräsidentin.

Seit Mai 2025 war sie Bundesministerin für Arbeit und Soziales, seit Juni 2025 gemeinsam mit Lars Klingbeil SPD-Vorsitzende.

"Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute wende ich mich mit einer sehr persönlichen Nachricht an Euch.

Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen. Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden. Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben. Deshalb habe ich meinen Co-Vorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert, dass ich mein Amt als Parteivorsitzende mit dem heutigen Tag niederlege. Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler gebeten, mich aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.

Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums jetzt eine starke Hausleitung verdient haben, die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt. Am Ende meiner Zeit als Ministerin möchte ich vor allem eines sagen: Danke für die Unterstützung, die ich im gesamten Haus erfahren habe.

Gleiches gilt für meine Partei. Die SPD wird die richtigen Schlüsse aus den zurückliegenden Wahlen ziehen und wieder eine politische Kraft werden, die unser Land in eine gute Zukunft führt. Die Weichen dafür sind u. a. mit dem Konvent und dem Grundsatzprogrammprozess gestellt. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Lars Klingbeil und Matthias Miersch für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit und bei Euch allen in Partei und Fraktion für die Unterstützung bedanken. Heute endet für mich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte. Denn was bleibt, sind nicht die Ämter, die wir getragen haben, sondern Spuren, die wir in den Herzen der Menschen hinterlassen. Danke, dass ich ein Stück dieses Weges mit Euch gehen durfte. Nicht jeder Schritt war einfach. Nicht jede Entscheidung war leicht. Und sicherlich ist nicht alles gelungen. Aber eines war für mich immer klar: Es lohnt sich, für das einzustehen, woran wir glauben.

Im Deutschen Bundestag werde ich weiterhin die Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises Duisburg vertreten und hoffe sehr, bald wieder mit voller Kraft meine Arbeit erfüllen zu können.

Glück auf und Freundschaft, Eure Bärbel Bas"


Quelle: dpa, Reuters, KNA
Über das Thema berichtet ZDFheute Xpress am 12.10.2026 um 08:30 Uhr.

Mehr zu Bärbel Bas

  1. Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, spricht im Bundestag

  2. Abschlussstatement der SPD
    Analyse

    Bärbel Bas: "Schöne Grüße an die Union":SPD: Versuch einer Abgrenzung in der Koalition

    von Britta Spiekermann
    mit Video2:55

  3. Bärbel Bas und Lars Klingbeil bei der Pressekonferenz zu den Ergebnissen des Koalitionsausschlusses im Garten des Bundeskanzleramts. (Archiv)
    Analyse

    Bas und Klingbeil am Ende?:Sozialdemokraten im Überlebenskampf: "Wäre die SPD nicht da…"

    von Britta Spiekermann
    mit Video5:29

  4. Bärbel Bas von der SPD - sie soll neue Co-Vorsitzende der Partei werden.

    Themenseite:Bärbel Bas