DLRG Zwischenbilanz 2026:Mehr Badetote: Welche Gründe es gibt und was helfen soll
von Jenifer Girke
Die Zahl der Badetoten in Deutschland ist gestiegen. Besonders betroffen sind junge Männer. Die DLRG fordert bessere Aufklärung und mehr Schwimmunterricht.
Trotz Aufklärung und Prävention gibt es in Deutschland mehr Badetote. Betroffen sind vor allem junge Männer unter 30 Jahren.
Quelle: dpaEs ist ein Sommer der Hitzewellen - der Sprung ins kühle Wasser, für viele ein Muss. Doch genau das kann gefährlich werden. Wie gefährlich, zeigt die Zwischenbilanz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).
Besonders die hohe Anzahl der Todesfälle im Monat Juni und das junge Alter vieler Opfer sind besorgniserregend.
So viele Badetote im Juni wie seit 2003 nicht mehr
Mindestens 261 Menschen kamen bundesweit in den ersten sieben Monaten dieses Jahres beim Baden ums Leben, das sind 15 Fälle mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Keine gute Bilanz, sagt DLRG-Präsidentin Ute Vogt:
Betrachten wir nur die bisherigen drei Bademonate, gab es über 30 Todesfälle mehr als vor einem Jahr. Insbesondere im Juni kam es zu einem dramatischen Anstieg an Unfällen.
Ute Vogt, DLRG-Präsidentin
Allein im Juni waren es mindestens 101 Badetote in Deutschland - mehr Fälle zählte die DLRG nur im Hitzesommer 2003. Rund 90 Prozent der Todesfälle ereigneten sich in frei zugänglichen Gewässern im Binnenland, vor allem in Seen und Flüssen.
Tödlicher Unfall im Badesee bei Karlsruhe und Personalmangel in Freibädern: Die DLRG warnt vor unbewachten Gewässern. Wie kann man sich und andere schützen?
24.06.2026 | 2:45 minDie meisten tödlichen Badeunfälle wurden mit 54 in Bayern gemeldet. NRW verzeichnet den stärksten Anstieg von 35 auf 50 Todesopfer. Auch in Berlin, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gab es einen Anstieg bei den Opferzahlen.
95 Prozent der jüngeren Opfer sind männlich
Was auffällt: Es sind immer mehr junge Menschen unter den Opfern, etwa jeder Dritte ist nicht älter als 30 Jahre alt. Bei den 11- bis 30-Jährigen lag der Anteil männlicher Opfer bei 95 Prozent, insgesamt sind etwa 85 Prozent der verunglückten Personen männlich.
Ein bekanntes Muster, so Vogt: "Infolge von leichtsinnigem Verhalten - oft in Verbindung mit Alkohol und anderen Drogen - kommt es unter Jungen und jungen Männern immer wieder zu Badeunfällen." Andere könnten nicht oder kaum schwimmen und würden sich völlig unnötig in Lebensgefahr begeben.
Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen, aber das Leben zu verlieren.
Ute Vogt, DLRG-Präsidentin
Bei älteren Schwimmern seien immer wieder gesundheitliche Vorerkrankungen ursächlich für Badeunfälle, aber auch Selbstüberschätzung und unzureichende Vorsicht, so die DLRG.
In Heddesheim bei Mannheim wurde ein 74-jähriger Mann tot aus dem Wasser geborgen. Zahlreiche Einsatzkräfte hatten die Person gesucht, die bereits als vermisst gemeldet worden war.
23.06.2026 | 0:56 minDLRG fordert gezielte Aufklärung
Der Appell: sich nicht selbst überschätzen und Regeln einhalten. Zum Beispiel:
- nur an bewachten Stellen baden
- niemals überhitzt ins Wasser gehen, sondern vorher abkühlen
- Strömungen meiden
- kein Baden unter Drogeneinfluss
- Kinder niemals aus den Augen lassen und auf Mitmenschen achten
- beim Wassersport wie Kajakfahren am besten eine Schwimmweste tragen
Was die DLRG von der Politik fordert: gezielte Aufklärung für verschiedene Bevölkerungsgruppen in mehreren Sprachen. Zahlreiche Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation WHO sensibilisieren ihre Bevölkerung über Aufklärungskampagnen. Solche Maßnahmen vermisse man in Deutschland bislang, so die DLRG in ihrer Zwischenbilanz.
Mehr Schwimmunterricht als Prävention
Ein weiteres Problem soll nun konkret angegangen werden: mangelnder Schwimmunterricht. Vogt sagt dazu:
Wir gehen davon aus, dass weiterhin die Mehrheit der Kinder die Grundschule verlässt, ohne ein Schwimmabzeichen abgelegt zu haben.
Ute Vogt, DLRG-Präsidentin
Knapp 400 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland ertrunken. Eine Petition fordert Schwimmkurse für Kinder, der Bundestag sieht die Länder in der Pflicht.
11.04.2026 | 0:22 minMit dem Modellprojekt "Deutschland lernt schwimmen" des Deutschen Bundestages will der Bund gemeinsam mit der DLRG und dem Deutschen Schwimm-Verband in den kommenden vier Jahren vor allem in strukturschwachen Regionen ansetzen.
Denn schwimmen zu können sei die beste Vorsorge - damit es weniger Badeunfälle und mehr Badespaß gibt.
Jenifer Girke ist Redakteurin und Reporterin im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.
Badeunfall vermeiden:Wie man Ertrinken erkennt und Menschen in Not richtig hilft
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