Wie Künstliche Intelligenz am Beckenrand Leben retten soll

Freibäder rüsten technisch auf :Wie Künstliche Intelligenz am Beckenrand Leben retten soll

Malin Ihlau, Redakteurin im ZDF-Landesstudio Niedersachsen.

von Malin Ihlau

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Immer wieder ertrinken Menschen in Seen und Flüssen, oft an unbewachten Badestellen. In Schwimmbädern gehört eine Badeaufsicht hingegen dazu. Das übernimmt neuerdings auch die KI.

Freibad in Witten, aufgenommen am 20.06.2026

Freibäder in NRW reagieren auf Badeunfälle: Kinder kommen teils nur mit Begleitung oder Schwimmabzeichen ins Wasser. Parallel hilft KI, Notfälle schneller zu entdecken.

19.06.2026 | 2:37 min

Badewetter, hohe Temperaturen und viel Sonne treiben viele Menschen nicht nur in die Freibäder, sondern auch an Seen und Flüsse. Immer wieder passieren dabei tödliche Unfälle - zuletzt in Biblis und Heddesheim.

Zahlen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zeigen eine alarmierende Entwicklung: Zwar sank die Gesamtzahl der Ertrunkenen im Jahr 2025 leicht auf 393 (nach 411 Toten im Jahr 2024), unter ihnen waren aber mehr jüngere Menschen. So war der Anteil der 11- bis 30-Jährigen mit 73 Personen deutlich höher als noch 2024 (51 Tote in der Altersgruppe).

Ein Vertreter der DLRG blickt auf einen Badesee, auf dem sich ein Boot zur Lebensrettung befindet.

Immer wieder gibt es tödliche Badeunfälle. Die DLRG warnt vor Kreislaufschocks durch kaltes Wasser und vor Risiken durch Alkohol.

30.06.2025 | 1:49 min

Viele junge Männer unter Badetoten

Auffällig dabei: Bis auf eine Ausnahme handelte es sich ausschließlich um männliche Jugendliche und junge Männer. Laut DLRG-Präsidentin Ute Vogt sind in diesen Gruppen "Übermut und Selbstüberschätzung" weit verbreitet. Gleichzeitig verschärfe der eklatante Mangel an Personal und Schwimmkursen an Schulen die Lage massiv. Auch Jan Lange vom DLRG-Landesverband Niedersachsen nennt ähnliche Gründe für die hohen Zahlen.

Viele Kinder verlassen die Grundschule, ohne sicher schwimmen zu können. Erste Schwimmbadbetreiber ziehen deshalb drastische Konsequenzen: Ins Westfalenbad in Hagen dürfen unter 14-Jährige nur dann ohne erwachsene Begleiter, wenn sie mindestens das Bronze-Schwimmabzeichen haben. Die Devise im Ruhrgebiet lautet unmissverständlich: kein Schwimmpass, kein Einlass.

KI kann Bademeistern unter die Arme greifen

Doch während in NRW strengere Regeln an den Kassen greifen, suchen andere Kommunen für den Beckenrand angesichts von Personalmangel nach technischen Lösungen, um Menschen in Not schnell zu erkennen.

Im niedersächsischen Freibad Adendorf etwa läuft dazu ein zukunftsweisendes Projekt: 19 Kameras an Masten erfassen jede Fläche und jeden Winkel des Beckens. Künstliche Intelligenz analysiert permanent die Bewegungen im Wasser und konzentriert sich gezielt auf die Aktivität von Armen und Beinen.

Da Ertrinkende oft geräuschlos untergehen, schlägt das System Alarm, sobald sich ein Badegast für 15 Sekunden nicht mehr bewegt. In diesem Fall vibriert die Smartwatch des diensthabenden Bademeisters und zeigt ein reales Live-Bild der Gefahrensituation an.

Person unter Wasser

Mittels KI konnte ein Mädchen im Vitusbad in Everswinkel vor dem Ertrinken gerettet werden. Dabei wurden Kameras eingesetzt, die die Badegäste überwachen und Bewegungsabläufe Ertrinkender erkennen.

15.05.2025 | 2:02 min

Personalmangel in vielen Schwimmbädern macht KI-Einsatz nötig

Rund 140.000 Euro hat die Installation gekostet. "Eine lohnende Investition, wenn Bademeister fehlen", erklärt Matthias Gierke, der für die technische Einrichtung zuständig ist. Schätzungen zufolge fehlen rund 3.000 Fachangestellte für Bäderbetriebe. Auch Bademeister Roman Zuther bestätigt den Nutzen: Einen Ernstfall habe es im Freibad bei Lüneburg bereits gegeben, bei dem die Technik zuverlässig half.

Weltweit ist das System der israelischen Firma Lynxight in mehr als 1.000 Schwimmbecken im Einsatz, die meisten davon in europäischen Ländern. Die Überwachungstechnik arbeitet mit hohen Sicherheitsstandards. Die Bilddaten werden laut Betreiber ausschließlich in Echtzeit auf einem lokalen Server direkt vor Ort im Freibad verarbeitet.

Die Videobilder der Badegäste werden demnach weder im Internet noch auf externen Cloud-Servern dauerhaft gespeichert. Ein Abfließen von sensiblen Bildern an die Öffentlichkeit sei technisch ausgeschlossen. Auch das Badpersonal habe keinen dauerhaften Zugriff auf die Videostreams. Die Bilddaten werden nur im konkreten Moment eines Alarms und ausschließlich zur Lebensrettung auf der Smartwatch sichtbar.

Zwei Personen mit DLRG-Ausrüstung stehen vor einem Badesee

Profi-Tipps vom Rettungsschwimmer.

01.07.2025 | 2:09 min

Die meisten Badetoten gibt es in Binnengewässern

Dennoch betonen Experten, dass die Technik die menschliche Aufsicht niemals ganz ersetzen kann. Zum Beispiel auch Eltern, die auf kleine Nichtschwimmer aufpassen.

Und auch wenn die KI-Unterstützung im Schwimmbad helfen kann - an unbewachten Badestellen an Seen oder Flüssen sind die Menschen auf sich gestellt. Neun von zehn tödlichen Unfällen passieren in öffentlich zugänglichen Gewässern, nicht im Schwimmbad.

"Chapeau", Zwergspitz Kurzhaar, wartet am Ufer auf sein Herrchen

Drei bei Biblis vermisste Männer sind tot aus dem Rhein geborgen worden. Einsatzkräfte fanden sie mehrere Kilometer entfernt. Auch in Heddesheim gab es einen tödlichen Badeunfall.

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Über das Thema berichtete das heute journal am 19.06.2026 ab 22:45 Uhr.

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