Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:AfD-Rekordergebnis bei maximaler Polarisierung im Land
von Forschungsgruppe Wahlen
Bei großer Unzufriedenheit und heftigster Polarisierung basiert der AfD-Sieg auch auf Überzeugung. Das Szenario AfD-Regierung führt vielfach zu Ängsten und Pessimismus.








Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bricht die CDU zweistellig ein, die AfD erzielt ein Rekordergebnis und wird im zweiten Bundesland stärkste Partei. Neben Linke und SPD schaffen es die Grünen klar in den Landtag.
AfD-Sieg: Unzufriedenheit, Überzeugung und maximale Polarisierung
In einem politisch extrem polarisierten Bundesland basiert der AfD-Erfolg auf einem Mix aus allgemeiner Unzufriedenheit, AfD-Wertschätzung und inhaltlicher Überzeugung. Im AfD-Lager oft begleitet vom Gefühl der Benachteiligung und maximaler Distanz zu allen anderen politischen Akteuren, punktet die AfD mit ungewöhnlich viel Kompetenzzuspruch.
Alice Weidel (AfD) sieht ein historisches Ergebnis für ihre Partei. Der Landesverband sei völlig unabhängig in der Frage, wie er nun mit dem Wahlergebnis umgehe.
06.09.2026 | 2:50 minJenseits ihrer Anhängerschaft erwartet allerdings kaum jemand von der AfD faktisch bessere Politik. Würde die AfD regieren, wären 48 Prozent der Sachsen-Anhalter beängstigt, darunter 78 Prozent all derjenigen Bürger, die jetzt nicht AfD wählen wollten.
Politik in Bund und Land: Kritische Grundstimmung
Überlagert war die Wahl in Sachsen-Anhalt von einer selten kritischen Grundstimmung: Erstmals in einem Flächenland wird die Arbeit aller parlamentarischen Kräfte negativ bewertet (+5/-5-Skala Regierung: CDU minus 0,7; SPD minus 1,1; FDP minus 1,6; Opposition: AfD minus 1,1; Linke minus 1,2; Grüne minus 1,7). Mit Ausnahme der AfD, die in Sachsen-Anhalt weit weniger kritisch gesehen wird als in anderen Bundesländern, haben alle Landesparteien heftige Imageverluste.
Noch schlechter werden die Bundesparteien bewertet. Für die Bundesregierung (minus 2,2), Vizekanzler Lars Klingbeil (minus 1,7) und - allen voran - Bundeskanzler Friedrich Merz (minus 2,7) gibt es miserable Noten. Nach Ansicht von 83 Prozent aller Befragten "kümmern sich die da oben nicht um die Probleme der einfachen Bürger".
Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) spricht nach der ersten Prognose von einem "sehr schwierigen Ergebnis". Der Reformkurs im Bund sei eine Herausforderung, man müsse Menschen mehr mitnehmen.
06.09.2026 | 4:10 minThemen: Viel AfD-Parteikompetenz
Bei einer Wahl, bei der für die Mehrheit die Landespolitik wichtiger war (ausschlaggebend war die Politik im Land: 55 Prozent; im Bund: 37 Prozent), setzen zur Lösung der Probleme ungewöhnlich viele Befragte auf die AfD. Bei den Top-Themen "Wirtschaft" und "Schule/Bildung" liegt die AfD bei den Parteikompetenzen erstmals vor der CDU.
Bei "Flüchtlinge/Asyl" lässt die AfD alle anderen Parteien weit hinter sich - in einem Bundesland, in dem im AfD-Lager 92 Prozent (alle anderen: 53 Prozent) "bei uns zu viele Flüchtlinge" beklagen und 78 Prozent (alle anderen: 47 Prozent) "zu viel Rücksicht der Politik auf gesellschaftliche Minderheiten". Dass "Russland eine große Gefahr für den Westen" ist, meinen im AfD-Lager dagegen nur 27 Prozent, aber 69 Prozent aller anderen Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt.










Spitzenkandidaten: Reizfigur Siegmund








Beim Ansehen der Spitzenkandidaten wird Regierungschef Sven Schulze (CDU) auf der +5/-5-Skala mit durchschnittlich 0,2 nur knapp positiv eingestuft. Ulrich Siegmund (AfD) erreicht im Schnitt minus 0,4, wobei der AfD-Mann für eine nie dagewesene Polarisierung sorgt: Aus dem eigenen Lager kommt eine Bestnote, ansonsten wird Siegmund sehr häufig maximal kritisch gesehen. Als Ministerpräsidenten wollen 46 Prozent aller Befragten Sven Schulze, 38 Prozent sind für Ulrich Siegmund, darunter aber fast nur die AfD-Anhänger selbst.
Wer wählte wen: AfD auf breiter Front stark








Auch wenn die AfD in Sachsen-Anhalt auf breiter Front zulegen kann, ist sie bei Männern nochmals erfolgreicher als bei Frauen (49 bzw. 39 Prozent). Bei allen unter 60-Jährigen schafft sie 49 Prozent, in der Generation 60plus wählen dagegen 36 Prozent AfD. Extrem stark ist die AfD im Detail bei den 44- bis 59-Männern (56 Prozent) sowie bei den unter 35-Jährigen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen (62 Prozent). Unter allen Befragten mit Hauptschulabschluss oder Mittlerer Reife (57 bzw. 53 Prozent) ist die AfD weitaus stärker als unter Sachsen-Anhaltern mit Abitur oder Hochschulabschluss (37 bzw. 23 Prozent).


Die CDU bricht in allen Altersgruppen stark ein. Bei den ab 60-Jährigen schafft sie noch 29 Prozent, bei den unter 30-Jährigen rangiert sie mit fünf Prozent nicht nur weit hinter der AfD (44 Prozent), sondern auch hinter Linke (16 Prozent), SPD (neun Prozent) und Grünen (13 Prozent). Unter Beamten erzielen die Grünen klar verbessert 14 Prozent, die AfD liegt bei Beamten mit 29 Prozent weit unter ihrem Gesamtergebnis.







Nächste Regierung: Lieber CDU- als AfD-geführt
Was die nächste Legislaturperiode betrifft, wird eine AfD-Alleinregierung mehrheitlich abgelehnt. Gegenüber einer Anti-AfD-Koalition aller anderen Parteien oder Minderheitsregierungen gibt es deutliche Vorbehalte. Vor die Wahl gestellt, sind 41 Prozent aller Befragten für eine AfD-geführte Regierung, 50 Prozent bevorzugen dann die CDU, darunter neben dem CDU-Lager auch 87 Prozent der Linken-, 97 Prozent der SPD- und 99 Prozent der Grünen-Anhänger. Höchst ambivalent werden die Folgen einer AfD-Regierung eingeschätzt: Während dies nach Ansicht von 88 Prozent der AfD-Anhänger für Sachsen-Anhalt gut wäre, befürchten 77 Prozent aller anderen Bürger negative Konsequenzen für ihr Bundesland, sollte dort zukünftig die AfD regieren.
Die Zahlen basieren auf einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.249 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt in der Woche vor der Wahl (telefonisch/online) und auf der Befragung von 18.384 Wähler/innen am Wahltag. (Quelle: Forschungsgruppe Wahlen)
Die Nachrichten kompakt zum Frühstück:ZDFheute Update am Morgen
Die wichtigsten Hintergründe, Themen und Analysen aus der Nacht werktags früh in Ihrem Postfach. Morgen früh zusätzlich mit allen Informationen zur Wahlnacht, exklusiv von unserer ZDFheute-Redaktion.Mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:Hochrechnung: AfD gewinnt mit großem Vorsprung vor CDU
von Carsten Hauptmeiermit Video1:53- Liveblog
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:So fällt die Hochrechnung aus
von Katrin Meyer, Nora Liebmann und Laura Ozdoba Live aus Magdeburg:ZDF-Wahlstudio: Wahl in Sachsen-Anhalt
mit Video- Thema
Nachrichten, Daten, Reaktionen:Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Alle Grafiken zur Wahl in Sachsen-Anhalt
- Grafiken
Landtagswahl in Karten:Sachsen-Anhalt: Alle Ergebnisse aus den Wahlkreisen
von L. Billmayer, R. Meyer, M. Ries, M. Zajonz - Grafiken
Kandidaten und Parteien:So werden Schulze, Siegmund und die Parteien bewertet
- Grafiken
Parteikompetenzen in Sachsen-Anhalt:Wichtige Wahlthemen - und wo die AfD punkten konnte
- Grafiken
Wahlverhalten in Sachsen-Anhalt:So haben Jung und Alt, Männer und Frauen gewählt
- Grafiken
Wählerwanderung in Sachsen-Anhalt:Woher kommen die Wähler der AfD?