Mecklenburg-Vorpommern vor Landtagswahl:Schlappe für AfD bei Bürgermeisterwahlen
von Anja Kapinos
Mecklenburg-Vorpommern wählt im September einen neuen Landtag. Die AfD liegt in Umfragen bisher klar vorn. Bei Bürgermeisterwahlen ist sie nun in drei von vier Kommunen chancenlos.
Bei der kommenden Landtagswahl im September will die AfD in Mecklenburg-Vorpommern zum ersten Mal stärkste Kraft werden.
11.04.2026 | 1:33 minIn Schwerin, Anklam und Ueckermünde klappt es nicht mit einem Startschuss für die "Blaue Wende 2026", dem AfD-Slogan vor der Landtagswahl. In der Landeshauptstadt Schwerin liegen CDU und SPD im ersten Wahl-Durchgang für das Amt des Bürgermeisters vorn.
Sebastian Ehlers (CDU) fährt mit 34,2 Prozent die meisten Stimmen ein. SPD-Kandidatin Mandy Pfeifer zieht mit 27,9 Prozent knapp an Petra Federau (AfD, 26,3 Prozent) vorbei. Somit verfehlt die AfD anders als bei der letzten Wahl in Schwerin die Stichwahl ums Oberbürgermeisteramt.
Schwerin: Schwierige Zusammenarbeit von AfD und SPD
Der bisherige Amtsinhaber Rico Badenschier (SPD) war zurückgetreten, unter anderem aus Frust über die schwierige Zusammenarbeit mit der Stadtvertretung, in der die AfD die meisten Sitze innehat. Der Posten könnte nun für die SPD nach fast zehn Jahren verloren gehen.
Nach den Niederlagen bei den letzten beiden Landtagswahlen im Südwesten kämpft die SPD bei den nächsten Wahlen im September gegen den Abwärtstrend. Doch kann sie ihr Profil schärfen?
28.03.2026 | 4:22 minTrotzdem verbucht die SPD den aktuellen Einzug in die Stichwahl als Erfolg. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kurz nach dem Wahl-Ergebnis: "Ich glaube, dass der heutige Abend zeigt: Das, was sich die AfD erhofft, dass sie hier einfach durchmarschiert, funktioniert nicht".
AfD-Landeschef Enrico Schult deutet die Niederlage seiner Schweriner Landtags-Kollegin Federau um: "Persönlich sind ich und die ganze AfD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern darüber erleichtert, dass wir unsere geschätzte Fraktionskollegin Petra Federau im Landtag behalten." Schult weiter:
Frau Federau verpasste die Stichwahl nur hauchdünn hinter der Regierungspartei SPD und hat damit für uns in Schwerin einen wichtigen Achtungserfolg erzielt.
Enrico Schult, AfD-Landeschef Mecklenburg-Vorpommern
Bei ihrer Klausurtagung in Cottbus fordert die AfD-Fraktion eine Senkung der Energiesteuer sowie die Streichung der CO2-Abgabe auf Kraftstoffe - als Reaktion auf die gestiegenen Spritpreise.
12.04.2026 | 0:26 minAuch in der Hansestadt Wismar kann die AfD die SPD nicht schlagen. Hier trat der SPD-Amtsinhaber aus Altersgründen nicht mehr an. Die SPD schickte Frank Junge ins Rennen. Er liegt nach dem ersten Wahlgang mit 42,1 Prozent deutlich vorn. Der langjährige Bundestagsabgeordnete hat damit bei der Stichwahl sehr gute Chancen, gegen Polit-Neuling Manuela Medrow von der AfD zu gewinnen. Sie kam auf 20,5 Prozent.
SPD hofft auf Bürgermeisteramt in Wismar
Ein möglicher Sieg in der Werft-Stadt Wismar, der Einzug in die Stichwahl von Schwerin - wichtige Signale für die Partei von Ministerpräsidentin Schwesig. Die SPD braucht bei der Landtagswahl in Mecklenburg jede Stimme, um im Herbst an der Regierung zu bleiben. Hier ist sie traditionell stärker als im Landesteil Vorpommern. Wolfgang Muno, Politikwissenschaftler an der Universität Rostock, analysiert:
Es ist für die SPD zentral, in Wismar und Schwerin gut abzuschneiden. Hier stellt die SPD bisher die Amtsinhaber. Und insbesondere Wismar ist eine SPD-Hochburg. Wenn die SPD hier verliert, dann würde sie in ihrem eigenen Haus verlieren.
Wolfgang Muno, Politikwissenschaftler an der Uni Rostock
In zwei weiteren Kommunen in Vorpommern ist die AfD bei den Bürgermeisterwahlen chancenlos. In Anklam, einer Kleinstadt im Ostsee-Hinterland, gewinnt der langjährige parteilose Amtsinhaber Michael Galander (Initiativen für Anklam) die Wahl mit überwältigender Mehrheit (72,13 Prozent) gegen Herausforderer Dr. Jörg Valentin (AfD, 27,9 Prozent).
Im Herbst 2026 wird der nächste Landtag in Schwerin gewählt. Laut Umfragen wäre die AfD klar stärkste Kraft. Die SPD würde sich hingegen halbieren. Noch ist allerdings nichts entschieden.
22.11.2025 | 3:48 minUnd in Ueckermünde liegt AfD-Kandidat Hartmut Baranowski mit 10,6 Prozent abgeschlagen auf Platz vier. Die AfD war hier als einzige bekannte Partei angetreten. Nun machen die Einzelbewerber Karsten Berndt (33,8 Prozent) und Tino Spiegelberg (20,9 Prozent) das Rennen in der Stichwahl am 26. April unter sich aus.
Politologe Muno ordnet die AfD im Nordosten als rechtsextrem ein. Für ihn zeigen die aktuellen Ergebnisse: Bei starken Gegenkandidaten hat die Partei in Regionen, wo sie in den letzten Jahren bei Kommunal- und Bundestagswahlen vorn lag, weniger Chancen - wenn es Wahlen sind, die auf die Person fokussieren. Auch Ministerpräsidentin Schwesig dürfte laut Muno bei der Landtagswahl mit der Fokussierung "Ich oder die AfD" versuchen, Boden gut zu machen.
Anja Kapinos ist Reporterin im ZDF-Studio in Schwerin.
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