Union trifft sich: Countdown zum Schicksalstag für die Koalition

Analyse

Klausur des Unionsvorstandes:Countdown zum Schicksals-Mittwoch für die Koalition

Andrea Maurer

von Andrea Maurer

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Die Koalition steht vor entscheidenden Tagen. Heute trifft sich die Union, am Mittwoch dann sollen Haushalt und Krankenkassenreform ins Kabinett. Noch weiß niemand, ob das gelingt.

Ursula von der Leyen und Jens Spahn

In vielen Bereichen will die Bundesregierung dieses Jahr Reformen umsetzen. Doch über das „Wie?“ sind sich Union und SPD wohl alles andere als einig.

27.04.2026 | 3:31 min

48 Stunden vor der Kabinettsitzung, die auch über das Schicksal dieser Koalition entscheiden könnte, trifft sich der Unionsfraktionsvorstand in Berlin. Am Mittwoch sollen gleich zwei Mammutprojekte ins Kabinett: die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung und die Eckpunkte für den Haushalt 2027.

48 Stunden vorher scheint vieles noch nicht geeint. Es ist eine Mischung aus Endzeit und Zuversicht, die als Stimmung über dem Tagungsgelände liegt.

Finanzminister Lars Klingbeil (links) und Bundeskanzler Friedrich Merz am 18. April 2026 im deutschen Bundestag.

Die Bundesregierung hat versprochen, die Bürger zu entlasten und die Einkommensteuer zu reformieren. Doch nun sind die Kassen leer, die Haushaltslöcher riesig.

26.04.2026 | 4:09 min

Reformvorhaben von Schwarz-Rot müssen gelingen

Allen ist klar: Das muss klappen am Mittwoch. "Pressekonferenzen, so wichtig sie sind, Reden und Gastbeiträge alleine, die reichen nicht", sagt Unionsfraktionschef Jens Spahn dann auch am Mittag in Anspielung auf die vergangenen Wochen, in denen sich die Koalitionsspitzen vor allem gegeneinander positioniert hatten:

Wir müssen zu politischen Entscheidungen kommen.

Jens Spahn, CDU

Hinter den verschlossenen Türen der Klausur dürften die Worte noch deutlicher ausfallen. Allen ist klar: Sollte es nicht gelingen, die Krankenkassenreform und die Haushaltseckpunkte ins Kabinett zu bringen, wird es schwierig für die Koalition.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, CDU, im Berlin-direkt-Interview

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gibt sich nach dem Streit in der Koalition versöhnlich. "Streit in der Sache sei gut", sagt sie im ZDF, aber man müsse zu Lösungen kommen.

26.04.2026 | 4:52 min

Neuer Streit um Schulden

Erst am Wochenende hatte sich neuer Streit angedeutet. Am Samstag war die Union von einem Vorstoß des SPD-Fraktionschefs Matthias Miersch überrascht worden, die Schuldenbremse nochmal auszusetzen für den Fall, dass der Iran-Krieg mit seinen wirtschaftlichen Verwerfungen weiter andauert.

Im schlimmsten Fall müssten alle Optionen auf den Tisch, so Miersch in der "Osnabrücker Zeitung". Dazu könne auch zählen, eine Haushaltsnotlage auszurufen, also einen Überschreitensbeschluss zu fassen und womöglich neue Schulden aufzunehmen. Auf Sicht fahren, nennen sie das in der SPD.

Nicht wenige in der Union aber fassen Mierschs Äußerungen als Provokation auf, hatte sich die CDU doch erst auf ihrem Parteitag in Stuttgart im Februar gegen ein weiteres Aufweichen der Schuldenbremse ausgesprochen.

Herausforderung: "Zeit der Rekordschulden"

"Auf jede Krise mit noch mehr Schulden zu reagieren ist nicht sinnvoll", sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Steffen Bilger (CDU).

27.04.2026 | 4:53 min

Union erhöht Druck auf Lars Klingbeil

Mehr Schulden wird es mit der Union nicht geben, lautet die einhellige Reaktion in Partei und Fraktion. Und mancher fühlt sich an die Endzeit der Ampel erinnert: Am Streit über einen Überschreitensbeschluss war die Ampel-Regierung unter der Führung der SPD geplatzt.

Als Antwort hat die Union wiederum den Druck auf den SPD-Finanzminister erhöht. So sagte der Vorsitzende des mächtigen Parlamentskreises Mittelstand, Christian von Stetten, in der "Bild": "Die SPD-Verantwortlichen suchen jede Woche einen neuen Grund, um die Schulden erhöhen zu können. Das darf nicht passieren."

Der Finanzminister muss jetzt seinen Job machen und Kürzungsvorschläge vorlegen.

Christian von Stetten, CDU

Carsten Linnemann

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat sich hinter das Steuerkonzept einiger junger CDU-Abgeordneter gestellt. "Das sind richtig gute Vorschläge", sagt Linnemann im ZDF.

25.04.2026 | 2:23 min

Das ist der Fahrplan. Stand jetzt.

Knapp zwei Tage vor der entscheidenden Kabinettssitzung scheint die Koalition also noch im Forderungs- statt im Einigungsmodus. Dabei ist der Fahrplan straff, den die Fraktionsspitze in einem Entwurfspapier festgehalten hat, das ZDFheute vorliegt:

  • Die Verabschiedung der vorgelegten Reformvorschläge für die GKV-Finanzen im Bundeskabinett und abschließende Beratungen im Deutschen Bundestag bis Anfang Juli.

  • Aufstellung des Bundeshaushalts für 2027, verbunden mit einer Einkommensteuerreform, die niedrige und mittlere Einkommen entlastet und zum 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Eine Gegenfinanzierung muss vor allem durch weitere Einsparungen im Bundeshaushalt, etwa durch pauschale Kürzungen von Finanzhilfen, erbracht werden.

  • Im Juni folgen die Reformvorschläge der Rentenkommission, auf deren Grundlage die Reformgesetze zur Rente erarbeitet werden. Eine politische Einigung in der Koalition über die umzusetzenden Maßnahmen sollte bis zum Beginn der parlamentarischen Sommerpause erfolgen.

SGS-Schmiese-Hayali

"Die SPD fühlt sich berufen, auf die Palme zu gehen", so ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese in Berlin. Merz sei nicht vertragstreu bei Themen, die die SPD schmerzen.

21.04.2026 | 2:27 min

Am Abend kommt der Kanzler

Vom Mittwoch dieser Woche wird abhängen, ob der Fahrplan überhaupt bis zum Ende funktioniert. Gegen 18 Uhr kommt auch der Kanzler zur Fraktionsklausur. Eine Stunde ist für das Gespräch angesetzt, der Titel: "Wo steht Deutschland?"

Möglicherweise wird ein Schwerpunkt dieses Gesprächs aber auch auf der Frage liegen: "Wo steht diese Koalition?"

Andrea Maurer ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichtete das ZDF Morgenmagazin am 27.04.2026 ab 05:30 Uhr.

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