Netflix zieht sich zurück:Was die Übernahme von Warner für CNN bedeuten könnte
von Beatrice Steineke, Washington, D.C.
Netflix ist aus dem Bieterstreit um Warner Bros Discovery ausgestiegen und überlässt dem Rivalen Paramount das Feld. Damit könnte bald ein Trump-Vertrauter bei CNN das Sagen haben.
Im Bieterstreit um Warner Brothers zieht sich Netflix überraschend zurück. Damit rückt Paramount als Käufer näher - und mit ihm Tech-Milliardär Larry Ellison, dem auch CNN zufallen könnte.
27.02.2026 | 0:21 minKönnte bald ein Trump-Unterstützer das Sagen haben bei CNN? Nachdem der Streamingdienst Netflix aus dem Bieterkampf um die Streaming- und Studiosparte von Warner Bros Discovery ausgestiegen ist, wird das wahrscheinlicher.
Da Netflix sein Angebot für die Filmstudios und das Streaming-Geschäft von Warner Bros. nicht erhöhen will, bleibt nun Paramount Skydance alleine im Rennen. Hinter Paramount stecken mehrere Personen aus dem unmittelbaren Umfeld von US-Präsident Donald Trump - etwa David Ellison, CEO von Paramount, und Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn.
Paramount wird von Larry Ellisons Sohn, dem Filmproduzenten David Ellison geführt. Er will mit der Übernahme von Warner Bros. Discovery an Gewicht in Hollywood gewinnen. Paramount ist unter den kleineren Playern der Branche. Zu Warner gehören derweil unter anderem das DC-Superhelden-Universum mit Superman und Batman, Filmreihen wie "Harry Potter" sowie ein starkes Streaming-Geschäft auf Basis des Bezahlsenders HBO.
Paramount erklärte sich bereit, bei einem Scheitern des Deals sieben Milliarden Dollar zu zahlen. Große Teile vom Kaufpreis werden von Larry Ellison persönlich garantiert. Der 81-jährige Tech-Mogul kann sich das leisten: Sein Vermögen wird aktuell vom Finanzdienst Bloomberg auf gut 200 Milliarden Dollar geschätzt.
Quelle: dpa
Seit Jahren unterstützt die Ellison-Familie den US-Präsidenten. Trump ließ keinen Zweifel daran, dass er Paramount Skydance favorisiere, den in seinen Augen zu kritischen Nachrichtensender CNN zu übernehmen.
Ich werde an der Entscheidung beteiligt sein.
Donald Trump, US-Präsident, am 6.12.2025
Jetzt doch Paramount Skydance?
Der Deal war eigentlich schon beschlossen: Warner Bros Discovery hatte sich für das Angebot von Netflix mit knapp 83 Milliarden Dollar entschieden. Doch Paramount Skydance legte nach - mehrfach - und bot am Ende rund 111 Milliarden Dollar.
Bei dem Preis, der erforderlich wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, ist das Geschäft jedoch finanziell nicht mehr attraktiv.
Erklärung von Netflix
Erst im August 2025 hatte die Ellison-Familie Paramount und damit auch den US-Sender CBS übernommen. Brisant: Die Zustimmung der staatlichen Medienaufsicht kam nach der Kündigung des Late-Night-Hosts Stephen Colbert.
Der Mitgründer des Software-Konzerns Oracle, Larry Ellison, steht an der Spitze der Familie. Laut dem Finanzdienst Bloomberg belegt er aktuell Platz 6 der Milliardär-Rangliste mit einem geschätzten Vermögen von 203 Milliarden Dollar.
Auch bei der Übernahme von TikTok in den USA durch ein amerikanisches Konsortium war Ellison Hauptinvestor.
Nach CBS und TikTok nun auch CNN? Es würde zu einer "deutlichen Verschiebung zugunsten eines pro‑Trump‑Kurses in der medienpolitischen Landschaft beitragen", so Medienwissenschaftler Rodney Benson gegenüber ZDFheute.
Sie sollen Trump versprochen haben, redaktionelle Änderungen bei CNN vorzunehmen, um den Sender Trump gegenüber sympathischer zu machen.
Rodney Benson, Medienwissenschaftler, New York University
Eine Übernahme von Warner Bros. würde den Medienmarkt auch in Deutschland und Europa verändern, sagt US-Medienexperte Knüpfer. Etwa bei der Vergabe von Sport-Übertragungsrechten.
09.12.2025 | 12:39 minNach Übernahme: CBS-Nachrichten personell umgebaut
Unter der Führung von Paramount Skydance wurde die Nachrichtenredaktion bei CBS neu aufgestellt. Die neue Chefredakteurin Bari Weiss habe, so Medienwissenschaftler Benson, "enge Verbindungen zur Republikanischen Partei" und "MAGA-nahe" Ansichten. "Sie hat eine Reihe von Personal- und redaktionellen Entscheidungen getroffen, die bestenfalls eine vorsichtigere Herangehensweise an die Berichterstattung über die Trump-Regierung zeigen."
Auch Victor Pickard, Professor für Medienpolitik und politische Ökonomie an der Annenberg School for Communication in Philadelphia, erkennt bei CBS Anzeichen für eine redaktionelle Einmischung seitens der neuen Eigentümer. Der Sender habe sich, so Pickard gegenüber ZDFheute, seit der Übernahme durch die Ellison-Familie "dramatisch nach rechts verschoben".
Im Wettbieten um Warner Bros. gehe es auch um den Einfluss von Präsident Trump, sagt USA-Korrespondent David Sauer. Trump sagt offen, er werde an der Entscheidung beteiligt sein.
09.12.2025 | 8:49 minMedienwissenschaftler: Medienunternehmen als politische Spielzeuge
Jeff Bezos entließ gerade ein Drittel der Belegschaft bei der "Washington Post" - angeblich aus wirtschaftlichen Gründen. Bezos, Meta-Chef Mark Zuckerberg sowie X-Besitzer Elon Musk waren unter den Tech-Milliardären, die die ersten Reihen bei Trumps Amtseinführung füllten. Sie alle haben Verträge mit der US-Regierung.
Zusammenhänge seien oft schwierig nachzuweisen, so Pickard gegenüber ZDFheute. Ziemlich klar sei, dass enge Beziehungen zwischen Eigentümern von Medienunternehmen und der US-Regierung dazu führten, dass "redaktionelle Entscheidungen getroffen werden, um Trumps Agenda in einem positiven Licht darzustellen".
Wir sehen zunehmend, dass Medienressourcen von Milliardären als politische Spielzeuge genutzt werden, um ihre Klasseninteressen voranzutreiben.
Victor Pickard, US-Medienwissenschaftler
Ausgerechnet an dem Tag, als Netflix offiziell aus dem Bieterkampf aussteigt, war CEO Ted Sarandos im Weißen Haus zu Gast - ein Zufall? Trump habe er nicht getroffen. Muss er auch nicht. Der Präsident hatte mehrfach offen gesagt, welchen Bieter er unterstütze.
Eine Wettbewerbsprüfung steht noch an. Doch an der Zustimmung von staatlichen Behörden dürfte es in diesem Fall wohl kaum scheitern, geht es nach US-Präsident Trump.
Beatrice Steineke ist Korrespondentin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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