Waffenruhe im Ukraine-Krieg: Wer profitieren würde

US-Initiative :Waffenruhe in Ukraine: Wer würde profitieren?

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Eine Waffenruhe könnte der Ukraine helfen oder Russland in die Hände spielen. Warum Moskau nur taktisch agiert und wie Trump in Putins Kalkül passt, erklärt Militärexperte Gressel.

Die jüngste Initiative für eine 30-tägige Waffenruhe in der Ukraine wirft die zentrale Frage auf: Wem würde sie tatsächlich nützen? Während die USA diesen Vorschlag unterbreitet haben und die Ukraine zugestimmt hat, bleibt die russische Position taktisch vage.

Kremlchef Wladimir Putin hat sich zwar offiziell offen gezeigt, doch seine Bedingungen lassen Zweifel an einer ernsthaften Bereitschaft zur Deeskalation aufkommen. Denn: Die russischen Bedingungen für eine Waffenruhe bleiben "unverändert und maximalistisch", erklärt Militärexperte Gustav Gressel im ZDF.

So fordere Moskau weiterhin die Entmilitarisierung der Ukraine, den Rückzug aus besetzten Gebieten und die Beschränkung außenpolitischer Beziehungen. Zudem stelle Russland Bedingungen an die Nato und die EU, etwa die Beendigung von Kooperationen mit osteuropäischen Staaten.

Putins taktisches Kalkül

Diese Forderungen seien für die Ukraine inakzeptabel, und Russland zeige keine Bereitschaft, sie zu modifizieren.

Das zeigt im Grunde, dass Russland von seinen Maximalforderungen keine Haaresbreite runtergegangen ist.

Gustav Gressel, Militärexperte

Erst wenn der militärische, wirtschaftliche oder diplomatische Druck auf Moskau wachse, sei ein Abrücken der Maximalforderungen denkbar, so Gressel.

Das Fehlen weiterer Zusagen zu US-Militärhilfen und der russlandfreundliche Kurs Donald Trumps spiele Moskau dabei in die Karten. So kalkuliere die russische Führung, dass die Ukraine durch den ausbleibenden Nachschub aus den USA geschwächt und Europa nicht in der Lage sein werde, die Lücke zu füllen.

Die Russen setzen ihre Positionen jetzt geschickt ein, um Zeit zu gewinnen und um militärisch einfach Fakten zu schaffen.

Gustav Gressel, Militärexperte

Putin spielt auf Zeit - und um die Gunst Donald Trumps

Auch ZDF-Korrespondent Armin Coerper sieht den Zeitgewinn als Grund für Putins zögerliches Handeln. Putin habe überhaupt nur vage "Ja" zu einer Waffenruhe gesagt, um Donald Trump nicht vor den Kopf zu stoßen - und ihm im Glauben zu lassen, dass Moskau an einer Deeskalation interessiert sei.

Putin wolle, dass Trump seinen aktuellen Kurs hinsichtlich der Ukraine und Russland beibehalte. Dass dieses Kalkül Putins bisher aufgehe, verdeutlichten die letzten Äußerungen des US-Präsidenten, dass er nach dem Treffen mit einem US-Sondergesandten aus dem Kreml vielversprechende Signale wahrgenommen habe.

Man sehe ja auch, so Miliärexperte Gressel, dass Russland "an die USA verschiedene Angebote richte wie wirtschaftliche und Kooperationen im Energiebereich, um "genau diese Stimmungslage eben auszunutzen".

Um eben genau in diese Lücke hineinzustoßen und Zeit zu gewinnen, bis man diesen Krieg militärisch entscheidet.

Gustav Gressel, Militärexperte

Wer hätte mehr von einer Waffenruhe in der Ukraine?

Sollte tatsächlich die Entscheidung für eine Waffenruhe fallen, stellt sich die Frage, ob sie letztenendes der Ukraine oder Russland mehr nützt. Laut dem Militärexperten hängt dies von den Rahmenbedingungen ab.

  • Eine Waffenruhe könne der Ukraine helfen, falls sie diese Zeit zur Reorganisation ihrer Truppen nutze und wenn Luft- und Maritimpatrouillen, wie von Großbritannien vorgeschlagen, verwirklicht würden.

  • Sollte eine Waffenruhe jedoch mit einem Stopp westlicher Waffenlieferungen und weiteren Gebietsaufgaben - wie jetzt in Kursk - einhergehen, würde "sie natürlich eindeutig Russland helfen", so Gressel. So würde auf "diplomatischen Wegen Gebietsgewinne abgesichert werden und besserere Ausgangsbedingungen für ein Weiterführen der Kämpfe geschaffen werden", so Gressel.

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Alica Jung, zusammengefasst hat es Christian Harz, Redakteur im Auslandsstudio Washington D.C..

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