Lange zu Venezuela: Trump will "geopolitisches Signal" senden

Interview

US-Einsatz in Venezuela:Lange: Trump will "geopolitisches Signal" senden

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Die US-Militäraktion in Venezuela sorgt für Spannungen. Sicherheitsexperte Nico Lange erklärt, welche Signale Donald Trump damit an China, Russland und Europa sendet.

Schaltgespräch mit Nico Lange

Mit dem Angriff auf Venezuela wolle Trump zeigen, dass die westliche Hemisphäre unter seiner Kontrolle liege, so Politikwissenschaftler Lange.

03.01.2026 | 4:30 min

Der Politikwissenschaftler und Sicherheitsexperte Nico Lange sieht in der US-Aktion in Venezuela weit mehr als einen regionalen Eingriff. Es gehe um geopolitische Signale und die Rückkehr alter Denkmuster der USA.

Sehen Sie oben das Interview in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Lange ...

... zu den Gründen für den US-Einsatz

Nach Einschätzung von Lange will Donald Trump mit dem militärischen Vorgehen in Venezuela "ein geopolitisches Signal" senden, "an China, dessen Einfluss in Lateinamerika erheblich ist und den Trump zurückdrängen will sowie an Russland und an Iran, die Maduro unterstützt haben".

Er sagt, es gilt jetzt meine Doktrin, die "Donroe-Doktrin".

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Trump berufe sich damit auf die sogenannte Monroe-Doktrin, wonach die westliche Hemisphäre - Nord-, Mittel- und Südamerika - unter US-Einfluss stehe. Mit Donald Trump werde aus der "Monroe-Doktrin" nun also die "Donroe-Doktrin".

Die Monroe-Doktrin geht auf Präsident James Monroe (regierte 1817 bis 1825) zurück, wonach die USA in der Neuen Welt keinen Einfluss europäischer Mächte mehr dulden und den gesamten amerikanischen Doppelkontinent geopolitisch dominieren.

Quelle: dpa


Das stoße regional auf Widerstand, beobachtet Lange: "Das merkt man auch schon in Venezuela. Die sagen ja, wir wollen über unser Land, über unser Schicksal, unsere Demokratie selbst bestimmen."

Polizisten stehen vor dem Metropolitan Detention Center in New York Wache. Mehrere uniformierte Einsatzkräfte sichern den Eingang des Gefängnisses.

Nach seiner Gefangennahme bei einem US-Militäreinsatz ist der venezolanische Präsident Maduro in einer Haftanstalt in New York angekommen. Laut US-Medien soll er in Kürze vor Gericht erscheinen.

04.01.2026 | 0:23 min

... dazu, welche Rolle Venezuelas Ölreserven spielen

Ein zentrales Motiv sieht Lange in der Rohstoffpolitik: "Dass Öl zu Geopolitik dazugehört, ist klar und Trump hat ja schon seit Längerem einen Fokus auf die Kontrolle von Rohstoffen", sagt Lange.

Laut Lange könnte die US-Kontrolle über venezolanisches Öl sogar indirekt Auswirkungen auf Russland haben:

Die Kontrolle dieses Öls könnte dazu führen, dass die Preise noch weiter runtergehen und dass Putin Probleme haben wird, sein Finanzierungsmodell seines Krieges aufrechtzuerhalten.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Männer beobachten, wie Rauch von einem Dock aufsteigt, nachdem im Hafen von La Guaira, Venezuela, am Samstag, 3. Januar 2026, Explosionen zu hören waren.

Trump will wohl die Macht der USA in Amerika ausdehnen – doch das ist nicht der einzige Grund für den Angriff. Unklar ist derweil, wer Venezuela von nun an führt.

03.01.2026 | 3:21 min

... dazu, wie Russland auf den Einsatz blickt

Für Russland sei die Aktion ein empfindlicher Schlag. Russische Luftabwehrsysteme in Venezuela seien innerhalb von Minuten ausgeschaltet worden, erklärt Lange. Moskau habe noch im Oktober vergangenen Jahres eine zehnjährige strategische Partnerschaft mit Caracas geschlossen - "die ist wohl jetzt nichts mehr wert".

Die Grafik zeigt eine Karte von Venezuela und amerikanisches Militär vor der Küste


Nach Ansicht Langes fürchtet Wladimir Putin, dass der Sturz autoritärer Führer weltweit Schule machen könnte und das russische Konzept staatlicher Souveränität damit untergraben wird.

Schaltgespräch mit Elmar Theveßen

Trump wolle die neue Regierung in Venezuela handverlesen um dort anschließend gute Geschäfte zu machen, sagt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen aus Washington.

03.01.2026 | 1:21 min

... dazu, was das Geschehen für Europa bedeutet

Für Europa zieht Lange eine klare Lehre: Die US-Aktion verdeutliche, wie sehr internationale Politik wieder von Machtlogik geprägt sei. In einer Welt, in der Stärke über Einfluss entscheidet, stelle sich die Frage: "Sind wir in Europa eigentlich stark, handlungsfähig und handlungswillig? Sonst wird die Welt ohne uns gestaltet."

Selbst Äußerungen wie Trumps angeblicher Anspruch auf Grönland zeigten dieses Denken in Einflusszonen.

Mein Ratschlag wäre: Wir brauchen Macht und wir müssen in der Lage sein, uns durchzusetzen, stark zu sein. Das ist das, worauf es jetzt ankommt und das ist die Botschaft dieses Signals in Venezuela.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Das Interview führte Marietta Slomka. Zusammengefasst hat es David Metzmacher.

Über dieses Thema berichtet das ZDF heute journal am 03.01.2026 um 21:58 Uhr, sowie online vorab um 21:38 Uhr.

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