USA blockieren Öl für Kuba - was das für die Kubaner bedeutet

Interview

Experte zu Trumps Ölblockade:Krise in Kuba: "Wenn es so weitergeht, werden Leute sterben"

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Weil kein Öl ins Land kommt, steckt Kuba in einer schweren Krise. Was die USA mit der Blockade erreichen wollen und wie die Menschen darunter leiden, erklärt Experte Bert Hoffmann.

US-Präsident Donald Trump vor einem Gebäude mit der Kuba-Flagge.

Kuba leidet unter einer Energiekrise - verschärft durch die US-Blockade von Öllieferungen. Was dahinter steckt - ZDFheute live mit Politikwissenschaftler Bert Hoffmann.

16.02.2026 | 17:02 min

Kuba befindet sich in einer schweren Energiekrise. Nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro haben die USA die Öllieferung von Venezuela nach Kuba einstellen lassen und zudem allen anderen Ländern verboten, Kuba Öl zu liefern.

Die Blockade trifft die Kubaner hart, in allen Lebensbereichen kämpfen sie mit Einschränkungen. Politikwissenschaftler Bert Hoffmann vom Giga-Institut in Hamburg spricht bei ZDFheute live von einer schweren Krise, die - wenn sich nichts ändert - Menschenleben kosten werde.

Sehen Sie das Interview oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Hoffmann zu ...

... der aktuellen Situation in Kuba

Die Lage sei dramatisch, sagt Hoffmann, der selbst vor kurzem vor Ort war. Das Öl, das Kuba noch hat, gehe zur Neige. "Das ist im Alltag jederzeit spürbar." Busse fahren nicht mehr, Betriebe sind geschlossen, der Strom wird noch häufiger als früher abgeschaltet, berichtet er.

Und vor allem ist die Perspektive so düster - es ist einfach völlig unklar, wann neues Öl ins Land kommt.

Bert Hoffmann, Politikwissenschaftler

Es sei eine sehr bedrohliche Situation und "kaum jemand im Land möchte sich vorstellen, wie das in zwei oder vier Wochen aussieht." Die Menschen seien resigniert, berichtet Hoffmann, sie verdrängen, was noch auf sie zukommt.

Ein Bicitaxi in einer Straße von Havanna.

Kuba kämpft mit einer massiven Treibstoffkrise. US-Präsident Trump hat die für den Karibikstaat lebenswichtigen Öl-Lieferungen aus Venezuela gestoppt.

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Für das Vorgehen der USA findet der Experte klare Worte: Das Verbot, Kuba Öl zu verkaufen, "das ist natürlich ein Skandal". Selbst Staaten, die bereit sind, Öl an Kuba zu liefern, dürfen das nicht tun.

"Das ist schon eine sehr, sehr zynische Politik, Energie zur Waffe zu machen", sagt Hoffmann. Ohne Benzin oder Diesel "kommt kein Lebensmittel vom Land in die Stadt, und da kommt kein Sauerstoff in die Krankenhäuser, dann werden, wenn das so weitergeht, tatsächlich Leute sterben".

... den Gründen der USA für ihr Handeln in Kuba

Die USA wollen, so Hoffmann, "dass die Verhältnisse unhaltbar werden, sodass die kubanische Regierung sich gezwungen sieht, zu verhandeln". Für die USA sei Kuba ein Symbol für die Demütigung, die sie während der kubanischen Revolution in den 1950er Jahren erfahren haben. Nun wolle man wieder eine Regierung in Havanna haben, die den USA genehmer ist.

Dabei stehe jedoch in den Sternen, wie es zu diesen Verhandlungen und auch einem für Kuba akzeptablen Ergebnis kommen soll. "Natürlich könnte Kuba ein paar Gefangene freilassen oder Investitionsmöglichkeiten schaffen", erklärt Hoffmann, im Gegenzug könnten die USA dann etwa mexikanische Öllieferungen nach Kuba erlauben.

Aber eine stabile Situation, in der wieder eine gewisse Normalität einkehre, sei für ihn im Moment schwer vorstellbar, sagt Hoffmann.

Menschen gehen am 8. Februar 2026 eine ruhige Straße in Havanna entlang.

Um in der Energiekrise Brennstoffe zu sparen, hat Kubas Regierung in allen staatlichen Betrieben eine Vier-Tage-Woche angeordnet. Außerdem wird etwa Benzin für Busse und Züge eingeschränkt.

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Mit einem militärischen Einsatz der USA in Kuba rechnet der Politikwissenschaftler allerdings erst einmal nicht. Das Vorgehen der USA in Venezuela, den Präsidenten zu entführen und Druck auf die verbleibende Regierung auszuüben, lasse sich nicht eins zu eins auf Kuba übertragen.

Zum einen sei die Führungsstruktur in Kuba eine ganz andere, zum anderen sei schwer vorstellbar, dass kubanischstämmige US-Amerikaner wie Außenminister Marco Rubio "sich damit abfinden, dass in Havanna weiterhin die revolutionären Streitkräfte an der Macht bleiben", so Hoffmann. Zu groß sei das Verlangen nach einer Revanche.

Gleichzeitig verhindere diese Haltung auch Verhandlungen, "die der Gegenseite ja immer auch einen Exit mit Gesichtswahrung geben muss", erklärt Hoffmann.

Insofern fürchte ich, haben wir noch eine schwierige Zeit vor uns (...) und das wird vor allem eine Zeit sein, in der die kubanische Bevölkerung viel leiden wird.

Bert Hoffmann

Kubaner in Havanna nehmen an einer Solidaritätskundgebung mit Venezuela teil, nachdem die USA Präsident Nicolas Maduro gefangen genommen und aus Venezuela ausgeflogen haben.

Mehrere lateinamerikanische Regierungen haben den US-Militäreinsatz in Venezuela kritisiert. In Kuba gingen Zehntausende gegen die gewaltsame Entmachtung von Präsident Maduro auf die Straße.

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... zu den internationalen Reaktionen auf die Ölblockade

Zwar gebe es eine allgemeine Verurteilung der Blockade, auch von den Vereinten Nationen, berichtet Hoffmann, aber das reiche nicht aus. "Diese Energiewaffe so einzusetzen gegen die Bevölkerung, um einen Regimewechsel zu erzielen (...), das ist einfach etwas, was wir so nicht hinnehmen können in der internationalen Politik."

Viele Länder hätten sich zurückhaltend geäußert. Man habe den Eindruck, "niemand will das nächste Opfer der Trump-Regierung sein." Daher bleibe Europa ruhig, wenn Trump gegen Lateinamerika vorgeht und Lateinamerika mische sich nicht ein, wenn Trump Ansprüche auf Grönland erhebt.

Dieses Teilen und Herrschen von Trump funktioniert erschreckend gut bislang.

Bert Hoffmann

So habe etwa selbst Mexiko Öllieferungen an Kuba auf Druck der USA gestrichen und stattdessen humanitäre Hilfsgüter geliefert. Man könne nur hoffen, so Hoffmann, dass man in den USA noch zu der Erkenntnis komme, "dass es auch im Interesse der USA ist, dass in Kuba Stabilität erhalten bleibt".

Das Interview führte Barbara Parente, zusammengefasst hat es Marie Ahlers.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 16.02.2026 um 20:23 Uhr.

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