State of the Union:Wirtschaft, Migration, Nato: Trumps Aussagen im Faktencheck
von Katja Belousova und Nils Metzger
Donald Trump lobte bei seiner Ansprache an die Nation sich und seine Politik. Dabei waren nicht alle Aussagen des US-Präsidenten korrekt - ein Überblick.
In der Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident Trump eine Bilanz zu seiner bisherigen Politik abgegeben. Was hat er zur Wirtschaft, Migration und Iran gesagt? ZDFheute live analysiert.
25.02.2026 | 58:55 minInflation unter Biden so hoch wie nie?
Donald Trump sprach in seiner Rede davon, dass die Biden-Administration für die schlimmste Inflation in der Geschichte der USA verantwortlich gewesen sei.
Die Biden-Regierung und ihre Verbündeten im Kongress haben uns die schlimmste Inflation in der Geschichte unseres Landes beschert.
Donald Trump, US-Präsident
Diese Aussage ist falsch. Das verrät ein Blick auf den US-Verbraucherpreisindex, der herangezogen wird, um Inflation in den USA zu messen. Obwohl die Inflation in Joe Bidens Amtszeit zeitweise bei über neun Prozent lag, war das nicht die höchste Quote in der modernen US-Geschichte, wenn auch der höchste Wert seit 40 Jahren.
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So lag die Inflation im Jahr 1981 in der Spitze bei mehr als elf Prozent und 1980 sogar bei 14,8 Prozent. Ihren historisch höchsten Wert erreichte die Inflation im Jahr 1920 - damals lag sie in der Spitze bei über 23 Prozent.
Sich selbst lobte Trump, als er unter anderem ergänzte, dass die Kern-Inflation "in den letzten drei Monaten des Jahres 2025 nur noch 1,7 Prozent" betragen habe - damit gemeint ist die Inflation ohne Energie- oder Nahrungsmittelpreise. Diese Zahl deckt sich nicht mit den offiziellen Statistiken: Laut der US-Zentralbank lag diese Teuerungsrate im November und Dezember 2025 jeweils bei 2,6 Prozent - also etwa einen Prozentpunkt höher, als von Trump behauptet. Daten für Oktober 2025 gibt es aufgrund des damaligen US-Haushalts-Shutdowns nicht.
In seiner Rede hat sich der US-Präsident selbst gelobt und spricht von einer guten Wirtschaftslage der USA. Schuld an den hohen Lebenshaltungskosten seien die Demokraten, so Trump.
25.02.2026 | 1:40 minSo viele Amerikaner in Arbeit wie noch nie?
Heute arbeiten mehr Amerikaner als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes.
Donald Trump, US-Präsident
Diese Aussage braucht Kontext: In den USA arbeiten offiziellen Daten zufolge etwa 159 Millionen Menschen - das sind tatsächlich so viele wie noch nie. Das liegt aber vor allem daran, dass in den USA auch so viele Menschen leben wie noch nie.
Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt ist jedoch angespannt: Nachdem die Arbeitslosenquote nach der Corona-Pandemie wieder unter Präsident Biden auf einen Wert von 3,4 Prozent gesunken war, steigt sie seit Mitte 2023 wieder an - ein Trend, der sich auch in Trumps zweiter Amtszeit fortsetzt: Während die Quote im Januar 2025 noch bei 4,0 Prozent lag, betrug sie im Januar dieses Jahres 4,3 Prozent.
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Wie viel Sozialbetrug gab es in Minnesota?
In Minnesota [hat] die somalische Gemeinde eine geschätzte Summe von 19 Milliarden Dollar vom Steuerzahler geplündert. (…) Und wenn wir genug dieses Betrugs aufdecken können, dann werden wir über Nacht einen ausgeglichenen Haushalt haben.
Donald Trump, US-Präsident
Fälle von Sozialbetrug im Bundesstaat Minnesota sind seit Längerem ein zentrales Thema für Trump und rechte Medienaktivisten. Es ist auch eine Begründung für das harte Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE in der Hauptstadt Minneapolis.
Eine Reihe von Ermittlungen in den vergangenen Jahren haben Betrug im Betreuungs- und Gesundheitssektor aufgedeckt; Dutzende Personen wurden deswegen bereits verurteilt. Ein "New York Times"-Bericht vom November 2025 gab an, dass 78 der 86 zum damaligen Zeitpunkt angeklagten Personen einen somalischen Hintergrund hatten.
Vor dem Kongress lobt US-Präsident Donald Trump sich und seine Regierung. "Das ist das goldene Zeitalter von Amerika", sagt Trump. Darum ging es in seiner Rede an die Nation.
25.02.2026 | 1:40 minDie genaue Schadenssumme ist schwierig zu erfassen, nach Angaben lokaler US-Medien aber deutlich geringer als die von Trump genannte Summe. Die Zeitung "Minnesota Star Tribune" berichtete im Dezember unter Verweis auf Gerichtsakten, dass die bislang aufgedeckte Summe rund 218 Millionen Dollar betrage - aber noch weiter steigen könnte. Der damals zuständige Staatsanwalt Joseph Thompson schätzte den Umfang der Ermittlungen im Juli 2025 auf rund eine Milliarde Dollar, konnte diese Zahl aber nicht mit konkreten Belegen untermauern, wie der "Minnesota Star Tribune" berichtete.
Dass diese Summen ausreichen würden, um das Haushaltsdefizit der USA auszugleichen, ist nicht realistisch. 2025 lag die jährliche Neuverschuldung bei über 1.700 Milliarden Dollar. Die Staatsschulden sind in den vergangenen Jahren massiv angewachsen, insbesondere durch die Kosten der Corona-Pandemie. Statt diese Lücke zu schließen, dürfte Trumps Steuerpolitik etwa in Form des "Big Beautiful Bill" die Finanzierungslücke weiter vergrößern.
Wie ist Trumps Aussage zum Kampf gegen Insiderhandel zu bewerten?
Lasst uns sicherstellen, dass Kongressmitglieder nicht auf korrupte Art von Insider-Informationen profitieren können.
Donald Trump, US-Präsident
Dass Abgeordnete durch Aktiengeschäfte Geld verdienen, obwohl sie an der Regulation von Unternehmen direkt oder indirekt beteiligt sind und über nicht öffentliche Informationen vorab verfügen, wird seit vielen Jahren kritisiert.
Trump breche im Grunde ein Urteil des Supreme Courts durch seine neu angekündigten Zölle. Er weigere sich auch Zolleinnahmen zurückzuzahlen, so ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.
23.02.2026 | 2:30 minDer damalige US-Präsident Joe Biden äußerte im Dezember 2024 seine Unterstützung für ein solches Vorhaben. Gesetzesinitiativen für ein Verbot solcher Aktiengeschäfte wurden immer wieder von demokratischen und republikanischen Vertretern vorgeschlagen, erreichten aber nie eine Mehrheit. Auch aktuell läuft eine Gesetzesinitiative im Kongress, wobei um Detailfragen zu möglichen Regeln gestritten wird.
Dass ausgerechnet Trump nun eine Initiative gegen Bereicherung im Amt unterstützt, wird von vielen Beobachtern als Doppelstandard bewertet.
Bloomberg berichtete im Januar, dass das Vermögen der Trump-Familie im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit auf rund 6,8 Milliarden Dollar angestiegen sei. Der "New Yorker" schätzt das Vermögen auf rund vier Milliarden Dollar. Die den Demokraten nahestehende Denkfabrik Center for American Progress wirft Trump vor, seit der Wiederwahl 2024 mehr als 1,8 Milliarden Dollar an Geld und Geschenken angenommen zu haben. Der Großteil der Einkünfte stamme dabei aus Geschäften mit Kryptowährungen.
Business-Mann Trump ist auch als Präsident Geschäftsmann. Teilweise profitieren er und seine Familie, etwa bei Unterstützung der eigenen Krypto-Währung. Wie weit geht die Vermischung mit der Politik?
16.05.2025 | 2:05 minGing illegale Einwanderung "auf null" zurück?
In den vergangenen neun Monaten sind null illegale Einwanderer in den Vereinigten Staaten aufgenommen worden.
Donald Trump, US-Präsident
Hier bezieht sich Trump vermutlich auf Aussagen von Heimatschutzministerin Kristi Noem. "Der Januar 2026 markierte (…) den neunten Monat, in dem der Grenzschutz keinen einzigen illegalen Einwanderer ins Landesinnere entlassen hat", wird sie auf der Ministeriumsseite zitiert.
Dass der Grenzschutz keine festgenommenen Einwanderer in den USA freigelassen habe, heißt jedoch nicht automatisch, dass niemand illegal ins Land kam. Im Januar griffen Grenzbeamte mehr als 6.000 Menschen entlang der US-mexikanischen Grenze auf, wie Ministerin Noem selbst bekanntgab. Sie befinden sich entweder in Haftanstalten oder wurden bereits wieder deportiert.
Auch weiterhin kommt eine unbekannte Zahl illegaler Migranten unerkannt über die Grenze - wenn auch weniger als noch unter früheren Administrationen. Grund dafür sind eine Reihe von Maßnahmen, auch in Absprache mit Mexiko, die Menschen vom illegalen Grenzübertritt abhalten sollen. Einige davon waren bereits unter Joe Biden eingeführt worden.
- Welcher US-Präsident hatte die härtere Abschiebepolitik? Zahlen von Obama und Trump im Vergleich
Hinzu kommt, dass der Grenzschutz nicht alle Migrationsverfahren selbst bearbeitet. Etwa für die Prüfung eines Asylstatus werden Migranten häufig an andere US-Behörden überstellt - diese Fälle werden von Noems Aussage nicht erfasst. Trumps Aussage ist also etwas übertrieben, auch wenn die grundsätzliche Tendenz zu deutlich weniger illegaler Einwanderung stimmt.
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Nato-Staaten bei Fünf-Prozent-Ziel wegen Trump?
Die Nato-Staaten bezeichnete Trump in seiner Rede als "Freunde und Verbündete" und hob hervor, dass auf seine "dringende Bitte hin sie gerade zugestimmt haben, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die militärische Verteidigung auszugeben, anstatt der zwei Prozent, die sie bisher nicht gezahlt haben."
Diese Aussage Trumps hat einen wahren Kern, braucht aber Kontext.
Künftig sollen die Nato-Staaten mindestens einen Betrag in Höhe von 3,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investieren. Darauf verständigten sich die Mitgliedsländer beim Nato-Gipfeltreffen Ende Juni 2025. Hinzukommen sollen noch einmal 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Ausgaben - etwa Infrastruktur. Insgesamt soll so spätestens ab 2035 jährlich eine Quote von fünf Prozent erreicht werden. Zuvor lag das Ziel bei zwei Prozent.
Der von US-Präsident Trump angekündigte globale Zoll von 15 Prozent sorgt für Verunsicherung in der EU. Die will nun das Handelsabkommen mit den USA vorerst aussetzen.
23.02.2026 | 1:37 minDieser Beschluss ist einerseits Ergebnis von jahrelangem Druck der Trump-Administration auf die europäischen Verbündeten. Trump hatte mehrfach damit gedroht, den US-Beistand im Kriegsfall zurückzufahren, sollten die Staaten nicht mehr Geld in ihre Verteidigung stecken. Doch die Entscheidung fiel auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine, in dessen Folge einige Nato-Staaten aus eigenem Antrieb ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöhten.
Hinzu kommt: Nicht alle Nato-Staaten wollen die neue Zielvorgabe von fünf Prozent erfüllen. Spanien hat sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen und will maximal 2,1 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investieren.
Weitere Aussagen im Check:
Donald Trump erklärte am Dienstag, dass er in seiner Amtszeit bereits acht Kriege beendet habe. Er bezog sich dabei unter anderem auf das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und Gaza. Beendet hat er den Krieg damit nicht vollständig: Denn trotz Abkommens kommt es in Gaza weiterhin zu Kämpfen und Angriffen. Beide Seiten beschuldigen sich, die Waffenruhe zu brechen.
Und auch bei den anderen Kriegen, die Trump beendet haben will, ist die Lage komplexer. Einen Überblick bietet der Faktencheck:
Der US-Präsident thematisierte zudem den Konflikt mit Iran: Trump sagte in seiner Rede, "das US-Militär hat das iranische Atomwaffenprogramm mit einem Angriff auf iranischem Boden, bekannt als Operation Midnight Hammer, zerschlagen". Dabei ist umstritten, ob das iranische Atomwaffenprogramm durch den Angriff im Juni 2025 tatsächlich vollständig zerstört wurde.
Mehr dazu lesen Sie in der Analyse:
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