Der Rat der Krieger in den USA:Trump und seine Berater: Fast nur Loyalisten und Chamäleons
von Andreas Singler
In den USA unter Donald Trump setzt ein kleiner Kreis von Beratern bedingungslos die Kriegsentscheidungen des Präsidenten um. Wer widerspricht, wird gefeuert oder geht freiwillig.
"Keine neuen Kriege!", verspricht Donald Trump im Wahlkampf - nicht zuletzt deshalb wird er gewählt. Doch die zweite Amtszeit des US-Präsidenten ist von militärischen Einsätzen geprägt.
02.11.2026 | 74:44 minVersprochen hatte Donald Trump, der 45. und 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, dass er ein Präsident des Friedens sein würde. "Erfolg bedeutet für uns nicht nur, Kriege zu gewinnen", erklärte er bei der Einführung in seine zweite Präsidentschaft noch am 20. Januar 2025. "Erfolg bedeutet auch, Kriege zu beenden und - vor allem - nicht in Kriege verwickelt zu werden."
Ich möchte als Friedensstifter und Versöhner in die Geschichte eingehen.
Donald Trump, US-Präsident, am 20. Januar 2025
USA unter Trump in neue Kriege verwickelt
Nur ein Jahr später hatten die USA einen wochenlangen Krieg gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in Somalia geführt, Venezuelas Diktator Nikolás Maduro entführt und zahlreiche angebliche Drogenboote vor den Küsten von Venezuela versenkt. Grönland wolle er notfalls auch mit militärischen Mitteln übernehmen. Damit drohte der US-Präsident erstmals auch eigenen Verbündeten. Und dann begann Trump offenbar planlos einen Krieg mit Iran.
Militärexperten sind entsetzt über die neue Qualität des Kriegerischen in der US-Regierung, die sich weder um den Rat von Experten noch um politische Debatten zu scheren scheint. "Sie haben die Schutzmechanismen abgeschafft, die es seit dem Zweiten Weltkrieg gab", konstatiert der ehemalige hochrangige Militärjurist Generalmajor Steven Lepper in der ZDFinfo-Dokumentation "Die Akte Trump - Wer hinter Amerikas Kriegen steckt". Und weiter: "Die derzeitige zivile Militärführung ist auf dem Weg in die Gesetzlosigkeit."
Da die Demokraten die Umfragen im Land anführen, können die Zwischenwahlen US-Präsident Trumps knappe Mehrheit in den Kongresskammern und damit seine restliche Regierungszeit stark beeinflussen.
27.10.2026 | 1:35 minTrumps Team besteht aus bedingungslosen Loyalisten
Möglich wurde das auch durch einen relativ überschaubaren Kreis an Gefolgsleuten und Beratern des Präsidenten. Er besteht zum einen aus bedingungslosen Loyalisten aus der MAGA-Bewegung (Make America Great Again).
Dazu zählt vor allem der Sicherheitsberater und stellvertretende Stabschef im Weißen Haus, Stephen Miller. Der vielleicht engste Vertraute des Präsidenten ist einer der ideologischen Vordenker der rechtspopulistischen MAGA-Bewegung. Er beriet Trump schon in dessen erster Amtszeit und war sein oberster Redenschreiber. Unter all den Loyalisten um Trump gilt er als der Hardliner, der die Kabinettsmitglieder auf Kurs hält.
Chicago, Los Angeles, Minneapolis: Razzien gegen Einwanderer lösen in den USA Proteste aus. ICE-Beamte schießen scharf. Reporter A.C. Thompson dokumentiert die umstrittenen Einsätze.
25.10.2026 | 44:27 minVerteidigungsminister Pete Hegseth ist dafür verantwortlich, dass auch das Militär auf Trump-Linie gebracht wird. Der frühere Irak-Kämpfer widmete sein Ressort kurz nach Amtsantritt zum Kriegsministerium um. Hegseth entließ vor allem jene Generäle und die ihm so verhassten Militärjuristen, denen Einsatzregeln und der Schutz von Zivilisten noch etwas bedeuteten.
Sehen Sie die Doku "Die Akte Trump - Wer hinter Amerikas Kriegen steckt" am 2. November 2026 um 20:15 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Die Chamäleons - Trump lieben lernen
Gleichzeitig ist Trump umgeben von Politikern, die einst erbitterte Gegner des US-Präsidenten waren und jetzt auf den großen Karrieresprung in der Zeit nach Trump hoffen. Sie wagen daher nicht zu widersprechen.
Einer, der Trump erst einmal lieben lernen musste, ist etwa Vizepräsident J.D. Vance, der in Trump früher die Gefahr sah, dass dieser zu "Amerikas Hitler" werden könnte oder ihn schlicht einen "Idioten" nannte. Vance ist eigentlich gegen Kriegseinsätze, weil er denkt, dass es nicht Aufgabe der USA sei, "den Europäern aus der Patsche zu helfen", und weil sie seiner radikalen und nationalistischen "America First" ("Amerika zuerst")-Ideologie widersprechen. Aber offenen Widerspruch wagt auch Vance nicht mehr.
Audi will ein Werk in den USA bauen. Das verkündet Audi-Chef Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump. Der Auftritt wird von Gewerkschaften scharf kritisiert.
26.10.2026 | 2:41 minDann ist da Marco Rubio, Außenminister und Chef des Nationalen Sicherheitsrates. Im Wahlkampf 2015/16 trat er als klassischer konservativer Vertreter der Republikanischen Partei an. "Wir müssen verhindern, dass ein Betrüger die Partei Ronald Reagans an sich reißt", warnte Rubio damals noch vor Trump.
2023 brachte Rubio dann allerdings mit "Decades of Decadence" ("Jahrzehnte der Dekadenz") ein Buch heraus, mit dem er eine 180-Grad-Wendung hinlegte und seinen Wechsel ins populistische Fach dokumentierte. "Wenn wir Amerika wieder wohlhabend, sicher und stark machen wollen, müssen wir Donald J. Trump wieder zu unserem Präsidenten wählen", rief er 2024 zur Wahl Trumps auf.
Amerika wird nicht durch die alte Republikanische Partei gerettet.
Marco Rubio, US-Außenminister und Chef des Nationalen Sicherheitsrates, im Jahr 2024
US-Präsident Trump kämpft um die Mehrheit im Kongress, die Demokraten um ihren Kurs. Die Midterms entscheiden über die Machtverteilung in Washington und den politischen Kurs Amerikas.
27.10.2026 | 29:38 minAussortiert oder freiwillig gegangen: "Die Erwachsenen im Raum"
Kaum noch auszumachen ist ein dritter Typus in Trumps Umfeld, den es in dessen erster Amtszeit noch gab. Diese Protagonisten werden häufig als "die Erwachsenen im Raum" bezeichnet. Laut Alexander Gray, Stabschef des Nationalen Sicherheitsrats in Trumps erster Amtszeit, hätten sie damals "die Agenda des Präsidenten aktiv behindert", etwa der ehemalige Außenminister Rex Tillerson oder Sicherheitsberater John Bolton.
"Man wollte nicht an ihm vorbeientscheiden - nur sicherstellen, dass er eine fundierte Entscheidung traf", beschreibt Ex-Berater Bolton die damalige Arbeit für Trump. "Das frustrierte ihn." Fiona Hill, ehemaliges Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat, sagt: "Die meiste Zeit versuchten wir, Schlimmeres zu verhindern. Wir fühlten uns oft wie die Feuerwehrleute und Ingenieure von Tschernobyl - mitten in der Katastrophe."
Welche Wegmarken waren prägend für Donald Trump auf seinem Weg zur Macht? Vom Immobilienmogul und Reality-TV-Star wird er zum US-Präsidenten und damit zum mächtigsten Mann der Welt.
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