Wahl des neuen UN-Generalsekretärs:Testabstimmung im UN-Sicherheitsrat über Guterres-Nachfolge
Bei einer zweiten Probeabstimmung zur Nachfolge von UN-Generalsekretär Guterres liegt eine Diplomatin aus Guyana vorn, berichten Insider. Das Rennen um den UN-Posten bleibt offen.
Die Suche nach einem neuen UN-Generalsekretär sorgt für Streit: Annalena Baerbocks Ruf nach einer Frau an der UN-Spitze stößt bei den USA und Russland auf Kritik.
21.08.2026 | 1:41 minBei der Suche nach einem neuen UN-Generalsekretär hat sich die Diplomatin Carolyn Rodrigues Birkett aus Guyana in einer zweiten informellen Abstimmung knapp an die Spitze gesetzt. Das berichten informierte Kreise den Nachrichtenagenturen Reuters und dpa.
Bei der Testabstimmung über die Nachfolge von Generalsekretär António Guterres lag Birkett vor der früheren Vizepräsidentin Costa Ricas, Rebeca Grynspan, und dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, hieß es. Grynspan und Grossi hätten beide sieben Stimmen in der geheimen Wahl im UN-Sicherheitsrat erhalten.
Annalena Baerbock will die UN-Generalversammlung mehr in die Auswahl des nächsten Generalsekretärs einbinden. Kritik kommt von den USA und Russland – ZDFheute live analysiert.
21.08.2026 | 13:20 minAcht Kandidaten sind derzeit im Rennen
Die 52-jährige Birkett, die früher Außenministerin Guyanas war und für die Welternährungsorganisation gearbeitet hat, erhielt demnach aber auch drei Gegenstimmen, Grynspan vier und Grossi sechs. Die ecuadorianische Diplomatin Ivonne Baki, die erst in dieser Woche in das Rennen eingestiegen war und öffentlich auf ihre Freundschaft mit US-Präsident Donald Trump verwiesen hatte, erhielt keine einzige Ja-Stimme.
- Carolyn Rodrigues Birkett (nominiert durch Guyana): UN-Botschafterin Guyanas, zuvor unter anderem Außenministerin und Ministerin für Angelegenheiten der indigenen Völker Guyanas
- Rafael Mariano Grossi (nominiert durch Argentinien, unterstützt von Italien und Paraguay): Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
- Macky Sall (nominiert durch Burundi): ehemaliger Präsident des Senegal und ehemaliger Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU), zuvor Premierminister und Präsident der Nationalversammlung
- Rebeca Grynspan Mayufis (nominiert durch Costa Rica): Generalsekretärin der UN-Handels- und Entwicklungsorganisation UNCTAD, zuvor stellvertretende Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms und Vizepräsidentin Costa Ricas
- Michelle Bachelet Jeria (nominiert durch Chile, Brasilien und Mexiko): frühere Präsidentin Chiles und ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte
- María Fernanda Espinosa Garcés (nominiert durch Antigua und Barbuda): ehemalige Präsidentin der UN-Generalversammlung, zuvor ecuadorianische Außen- und Verteidigungsministerin
- Olara Otunnu (nominiert durch Uganda): ehemaliger UN-Untergeneralsekretär und Sonderbeauftragter für Kinder und bewaffnete Konflikte, zuvor Ständiger Vertreter Ugandas bei den UN und Außenminister
- Ivonne A-Baki (nominiert durch Tonga): ehemalige ecuadorianische Botschafterin in den USA, Frankreich und Katar, zuvor Präsidentin des Andenparlaments und Ministerin für Industrie und Produktivität
Quellen: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. und United Nations
Derzeit stehen acht Kandidaten im Rennen um den Posten. Es können weitere Nominierungen durch UN-Mitgliedsländer hinzukommen. In einer ersten Abstimmung hatte Grynspan Insidern zufolge noch vorn gelegen.
Es war eine herbe Schlappe: Deutschland hat den nicht ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat nicht bekommen. Der Grund: Deutschland wird Überheblichkeit, Arroganz und Doppelmoral vorgeworfen.
07.06.2026 | 3:58 minSo funktionieren die Testabstimmungen
Bei den Probeabstimmungen können die 15 Länder im Sicherheitsrat auf geheimen Stimmzetteln angeben, ob sie einen Kandidaten "ermutigen", "entmutigen" oder "keine Meinung" zu ihm haben. Wie viele Abstimmungen es geben wird, ist ungewiss. Bei der ersten Wahl von Guterres zum Generalsekretär der Vereinten Nationen im Jahr 2016 gab es insgesamt sechs geheime Testabstimmungen.
- Nominierung: Staaten schlagen Kandidatinnen und Kandidaten vor.
- Sicherheitsrat empfiehlt zuerst: Die 15 Mitglieder beraten und stimmen in Testabstimmungen über eine Empfehlung ab.
- Vetorecht der ständigen Mitglieder: USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien können Bewerber blockieren.
- Empfehlung an die Generalversammlung: Nur ein vom Sicherheitsrat empfohlener Kandidat kommt weiter.
- Bestätigung durch die UN-Generalversammlung: Die 193 Mitgliedstaaten stimmen über die Empfehlung des Sicherheitsrats ab. Dies gilt meist als Formsache.
- Amtszeit: Üblicherweise fünf Jahre, eine Wiederwahl ist möglich.
(Quelle: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.)
Die fünf ständigen Mitglieder - China, Frankreich, Russland, Großbritannien und die USA - können Kandidaten mit einem Veto verhindern. In den ersten Runden sind die Stimmzettel identisch, um das allgemeine Stimmungsbild zu erfassen. In einer späteren Phase nutzen die fünf ständigen Mitglieder farblich abweichende Zettel. So wird ersichtlich, ob ein Kandidat von einer dieser Vetomächte abgelehnt wird.
Ex-UN-Botschafter Heusgen kritisiert die Bundesregierung nach der UN-Niederlage: “Wenn wir das Völkerrecht relativieren, dürfen wir uns nicht wundern”, so Heusgen im ZDFheute live-Interview.
03.06.2026 | 9:52 minStimmungsbild kann sich noch verändern
Anschließend wird der vom Sicherheitsrat empfohlene Kandidat von der UN-Generalversammlung ernannt. Die Probeabstimmungen im Sicherheitsrat dienen dazu, schrittweise einen Kandidaten oder eine Kandidatin herauszufiltern, der oder die eine Mehrheit erhält. Das Abstimmungsverhalten kann sich währenddessen stets verändern.
Guterres wird das Amt des UN-Generalsekretärs zum Jahresende nach zwei fünfjährigen Amtszeiten abgeben. Der künftige UN-Chef steht vor der Aufgabe, eine krisengeplagte Organisation mit sinkendem Ansehen zu reformieren, deren Verwaltung Kritikern zufolge zu teuer und aufgebläht ist.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum UN-Sicherheitsrat
Vorwürfe der USA und Russlands:Heusgen: Hinter Kritik an Baerbock steckt ein "alter Streit"
mit Video13:20- FAQ
Abstimmung bei den Vereinten Nationen:Was bedeutet Deutschlands gescheiterte UN-Bewerbung?
mit Video1:49 - Interview
Deutschlands gescheiterte UN-Bewerbung:Ex-Botschafter Heusgen: "Das ist schon eine Klatsche"
mit Video9:52