Wahl zum UN-Generalsekretär: Suche nach Chef für den Weltfrieden

Wahl zum UN-Generalsekreatär:Gesucht: Ein Chef für den Weltfrieden

von Armin Coerper

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Im September soll der Sicherheitsrat über die Nachfolge von UN-Generalsekretär Guterres entscheiden. Gestern Abend haben sich sechs Kandidaten zu einer Fragerunde präsentiert.

UN

Sechs Kandidaten bewerben sich um den Spitzenposten bei den Vereinten Nationen. Sie zeigen, welche Erfahrung und Ideen sie für den Job mitbringen. Im September fällt die Entscheidung.

24.07.2026 | 2:41 min

Es gibt Jobs, die will auf den ersten Blick jeder haben. Dienstort: New York. Ein schickes Hochhaus in Midtown Manhattan, gleich am East River gelegen. Das Profil - internationaler geht es wohl nicht: Generalsekretär der Vereinten Nationen. Chef über den Weltfrieden. Mit Personal über den Planeten verteilt.

UN-Kandidaten werben mit Krisenerfahrung

Doch auf den zweiten Blick drängt sich einem die Frage auf: Wer will das eigentlich machen? Denn: Was gibt es da zu gewinnen? Sechs Damen und Herren haben gestern gesagt: Ich will. Und sich bei einem Townhall Meeting in New York den Fragen von UN-Diplomaten gestellt.

Der Weg an die Spitze der Vereinten Nationen:

  • Nominierung: Staaten schlagen Kandidatinnen und Kandidaten vor.
  • Sicherheitsrat empfiehlt zuerst: Die 15 Mitglieder beraten und stimmen über eine Empfehlung ab.
  • Vetorecht der ständigen Mitglieder: USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien können Bewerber blockieren.
  • Empfehlung an die Generalversammlung: Nur ein vom Sicherheitsrat empfohlener Kandidat kommt weiter.
  • Bestätigung durch die UN-Generalversammlung: Die 193 Mitgliedstaaten stimmen über die Empfehlung des Sicherheitsrats ab. Dies gilt meist als Formsache.
  • Amtszeit: Üblicherweise fünf Jahre, eine Wiederwahl ist möglich.

(Quelle: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.)

Auffällig: Die Kandidaten reden viel von Dialog und Konsens. Rafael Grossi, der Chef der Internationalen Atomenergie-Behörde betont seine Erfahrung im Ukraine-Krieg. Weil er immer wieder das umkämpfte Atomkraftwerk Saporischja besucht und beschützt hat. "Meiner Organisation ist es gelungen, im ukrainischen Atomkraftwerk Saporischja die einzige Präsenz einer multilateralen Einheit aufzubauen, um eine Nuklearkatastrophe im Krieg abzuwenden."

UN-Friedenstruppen im Libanon

Die Zahl der UN-Blauhelme war 2025 laut einem Bericht des Stockholmer Sipri-Instituts auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Gründe dafür seien mangelnde Finanzierung und politische Blockaden.

25.05.2026 | 0:23 min

Kritik an den Vetostaaten ist für die Bewerber riskant

Andere reden von Afghanistan, Gaza oder der Meerenge von Hormus. Jeder und jede will zeigen, dass die Konfliktzonen der Welt ihr Zuhause sind. Aber keiner wagt es, Putin, Trump oder den Chinesen Xi zu kritisieren. Stattdessen spricht man von Dialog und Kompromiss. "Ein Luxus, den sich ein UN Generalsekretär nicht leisten kann, ist, es nicht zu versuchen", sagt Carolyn Rodrigues-Birkett, die frühere Außenministerin von Guyana.

Das hat System: Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates - USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich - können jeden Kandidaten mit ihrem Veto verhindern. Mit denen darf man sich also nicht anlegen.

Erklärvideo, das den Sicherheitsrat mit seinen Zielen und Mitgliedern zeigt.

Der UN-Sicherheitsrat soll für mehr Frieden auf der Welt sorgen. Doch die Vetorechte der ständigen Mitglieder bremsen die Schlagkraft der Vereinten Nationen oft aus. Ein grafischer Überblick.

31.05.2026 | 1:23 min

Guterres-Nachfolge: Eine Frau aus Lateinamerika möglich

"Es ist kein Zufall, dass es sich hier um vier Frauen und zwei Männer handelt, und dass fünf von ihnen aus dem lateinamerikanischen Raum stammen", sagt Daniel Forti, UN-Experte bei der International Crisis Group. Denn turnusmäßig wäre nach dem Europäer Guterres ein Kandidat aus Lateinamerika an der Reihe. Das zeigen schon die Nominierungen.

Bislang sind sechs Bewerberinnen und Bewerber für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres offiziell nominiert. Weitere Kandidaturen sind noch möglich.
  • Rafael Mariano Grossi (nominiert durch Argentinien, unterstützt von Italien und Paraguay): Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
  • Macky Sall (nominiert durch Burundi): ehemaliger Präsident des Senegal und ehemaliger Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU), zuvor Premierminister und Präsident der Nationalversammlung
  • Rebeca Grynspan Mayufis (nominiert durch Costa Rica): Generalsekretärin der UN-Handels- und Entwicklungsorganisation UNCTAD, zuvor stellvertretende Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms und Vizepräsidentin Costa Ricas
  • Carolyn Rodrigues Birkett (nominiert durch Guyana): UN-Botschafterin Guyanas, zuvor unter anderem Außenministerin und Ministerin für Angelegenheiten der indigenen Völker Guyanas
  • Michelle Bachelet Jeria (nominiert durch Chile, Brasilien und Mexiko): frühere Präsidentin Chiles und ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte
  • María Fernanda Espinosa Garcés (nominiert durch Antigua und Barbuda): ehemalige Präsidentin der UN-Generalversammlung, zuvor ecuadorianische Außen- und Verteidigungsministerin

Quellen: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. und United Nations

Und dass viel dafür spricht, dass die UN nach gut 80 Jahren erstmals von einer Frau geführt werden. Doch am Ende kann es auch ganz anders kommen. Denn die Vetomächte können sich theoretisch auch auf einen ganz anderen Kandidaten verständigen. Einen nach ihrem Gusto.

Die gescheiterte Wahl für einen Sitz im UN-Sicherheitsrat ist ein herber Rückschlag für die deutsche Bundesregierung. Bundesaußenminister Wadephul will trotzdem im Amt bleiben.

Es war eine herbe Schlappe: Deutschland hat den nicht ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat nicht bekommen. Der Grund: Deutschland wird Überheblichkeit, Arroganz und Doppelmoral vorgeworfen.

07.06.2026 | 3:58 min

UN-Sicherheitsrat ist ohne Einigkeit Handlungsunfähig

Denn die Vetomächte, insbesondere USA, Russland und China, haben den Sicherheitsrat in eine Sackgasse geführt.

Die Vereinten Nationen können bei Fragen von Krieg und Frieden nur im Konsens der Vetomächte handeln.

Daniel Forti, UN-Experte bei der International Crisis Group

"Wenn die sich nicht einig sind oder wenn sogar einer von ihnen selbst in einen Krieg involviert ist oder sogar selbst das Völkerrecht verletzt, indem er die territoriale Integrität eines anderen Staates angreift, ist der Sicherheitsrat handlungsunfähig", so Forti.

So hat in Zeiten von Russlands Krieg gegen die Ukraine und Donald Trumps militärischer Auseinandersetzung mit Iran der Job am New Yorker East River deutlich an Glanz eingebüßt. Denn auch wenn alle Kandidaten ihre Erfahrung in der Debatte hervorheben und ihren unbedingten Willen zum Frieden: Den herzustellen ist eine Mammutaufgabe, der die Vereinten Nationen, in ihrer aktuellen Verfassung, wohl kaum gewachsen sein werden.

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Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 24.07.2026 ab 5:30 Uhr.

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