Wenig Neues, dafür viel Eigenlob:Trumps Rede an die Nation: Drei Beobachtungen
von Katharina Schuster, Washington D.C.
Keine wirklich neuen Erkenntnisse, dafür viel Eigenlob: In einer Rede an die Nation äußert sich US-Präsident Trump zum weiteren Verlauf der US-Angriffe auf Iran.
In seiner Rede an die Nation fordert Trump Nato-Partner zur Sicherung der Straße von Hormus auf. Die Kriegsziele gegen den Iran sieht er als fast erreicht. Viele Fragen bleiben offen.
02.04.2026 | 2:07 min20 Minuten Redezeit zur besten Sendezeit, doch neue Erkenntnisse zum Krieg in Iran bleiben aus: In einer Ansprache im Weißen Haus wendet sich US-Präsident Donald Trump an die Nation.
Im Vorfeld hatten sich Beobachter Klarheit erhofft nach widersprüchlichen Aussagen des US-Präsidenten in der vergangenen Woche. Denn während er einerseits von einem möglichen Kriegsende in wenigen Wochen sprach, entsandte er gleichzeitig weitere Einheiten in die Region.
Was also bleibt von der Rede? Drei Beobachtungen.
"Hat Menschen im Land nicht abgeholt, die sich um massiv steigende Preise sorgen", so Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington zur Trump-Rede an die Nation. Die Rede enthalte "wenig Neues".
02.04.2026 | 3:12 min1. Trump inszeniert den Krieg als Erfolg
Erst maximale Härte, nun ein möglicher schneller Abzug: Schon im Vorfeld hatte Trump angekündigt, die USA könnten sich "ziemlich schnell" aus Iran zurückziehen. In seiner Ansprache knüpft der US‑Präsident daran an und betont, die Vereinigten Staaten stünden "kurz vor der Vollendung" ihrer Ziele.
Die US-Streitkräfte hätten in den vergangenen Wochen "schnelle, entschlossene und überwältigende Siege auf dem Schlachtfeld" verbucht, stellt Trump fest und stellt in Aussicht, dass die US-Armee Iran "in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen" werden.
Wir werden sie in die Steinzeit zurückversetzen, wo sie hingehören.
Donald Trump, US-Präsident
Er werde nie erlauben, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelange.
"Für die USA bedeutet das vor allem den Versuch, Stärke zu demonstrieren, ohne sich auf einen offenen Langzeiteinsatz festzulegen", erklärt US-Politikwissenschaftlerin Claudia Hofmann gegenüber ZDFheute.
Laut US-Präsident Trump sind die Hauptziele in Iran "nahezu erreicht", er spricht von "überwältigenden Siegen". Sehen Sie seine Ansprache im Original hier in voller Länge (Englisch).
02.04.2026 | 18:56 minFür Iran dürfte Trumps Rede den Druck weiter erhöhen. Und für die internationale Gemeinschaft bliebe vor allem eines: Unsicherheit. Die Politologin von der "American University" in Washington D.C. bilanziert:
Zwar signalisiert Trump Entschlossenheit, aber eine klare politische Exit‑Perspektive lässt seine Ansprache weiterhin nicht erkennen.
Claudia Hofmann, US-Politikwissenschaftlerin
Fazit hier: Politisch erklärt er den Erfolg, strategisch bleiben zentrale Fragen offen.
Die ausgebliebene verbale "Attacke" gegen die Nato habe in Brüssel für "Erleichterung" gesorgt, so Ulf Röller, ZDF-EU-Korrespondent zur Trump-Rede an die Nation. Dafür habe man ihn zuvor besänftigt.
02.04.2026 | 3:20 min2. Rede richtet sich mindestens genauso an das Inland wie an Iran
Einige Stunden vor seiner Ansprache hatte Trump während eines Osteressens im Weißen Haus über den innenpolitischen Druck gesprochen, den Militäreinsatz zu beenden. In privaten Äußerungen soll er gesagt haben: "Ich bin mir nicht sicher, ob die Menschen in den USA die Geduld für einen Krieg gegen Iran haben. [...] Sie wollen sehen, dass es endet."
Ein Reporter von "Business Insider" veröffentlichte später ein Video dieser Aussagen. Er hatte bemerkt, dass das Weiße Haus eine Aufnahme online gestellt hatte, diese jedoch wieder auf privat setzte. Zuvor konnte er das Video aber herunterladen. Eine Anfrage der AP, warum das Video entfernt wurde, blieb unbeantwortet.
Irans Präsident Peseschkian nennt den Krieg in einem offenen Brief absurd und kostspielig für die USA. Beobachter sehen darin den Versuch, Druck auf Washington für eine Waffenruhe zu erhöhen.
02.04.2026 | 0:24 minUS-Politikwissenschaftler Jack A. Goldstone betont gegenüber ZDFheute, Trump stehe innenpolitisch erheblich unter Druck. Umfragen zufolge lehne eine Mehrheit den Konflikt ab, Trumps Zustimmungswerte seien gesunken. Er suche offenbar einen politisch bequemen Ausweg - einen Moment, in dem er "Sieg erklärt und nach Hause geht".
Die Menschen in den USA litten vor allem unter gestiegenen Benzinpreisen. Die führt der US-Präsident auf iranische "Terror‑Angriffe" gegen Öltanker zurück und verspricht eine Entspannung, ohne einen Zeitrahmen zu nennen. Zugleich deutet er an, die USA könnten "wenn angemessen" auch Energie‑ und Ölziele angreifen.
Die Straße von Hormus werde sich nach Kriegsende "natürlich" wieder öffnen. Länder, die Öl über die Meerenge beziehen, fordert Trump erneut auf, "Mut" zu zeigen und die Passage selbst zu sichern: "Nehmt sie euch einfach, schützt sie, nutzt sie für euch selbst."
3. Kein Wort zur Nato
Zuvor hatte ein Bericht im "Wall Street Journal" für Unruhe gesorgt, wonach Trump im engsten Beraterkreis darüber nachgedacht haben soll, die USA aus der Nato herauszulösen. Im Gespräch mit der britischen Zeitung "The Telegraph" bezeichnet er die Militär-Allianz als "Papiertiger".
Zwar verbiete ein Gesetz von 2023 dem Präsidenten einen einseitigen Austritt ohne Zustimmung von zwei Dritteln des Senats, erklärt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen. Doch Beobachter halten es für möglich, dass Trump eine solche Einschränkung ignorieren könnte.
Anders als in Europa befürchtet, lässt Trump die Nato in seiner Rede jedoch unerwähnt. Vor seiner Ansprache im Weißen Haus war bekannt geworden, dass Nato-Generalsekretär Mark Rutte in der nächsten Woche für Gespräche nach Washington reisen wird.
Der Besuch sei seit längerer Zeit geplant gewesen, sagt seine Sprecherin Allison Hart der Nachrichtenagentur dpa. Für Rutte dürfte das Treffen mit Trump eine Gelegenheit sein, sich im bündnisinternen Streit um den Iran-Krieg um Entspannung zu bemühen.
Wegen der Haltung der europäischen Nato-Partner im Iran-Krieg hatte Präsident Trump zuvor erneut einen möglichen Austritt aus dem Bündnis angedeutet. Die Nato sei ein "Papiertiger".
01.04.2026 | 3:04 minAm Ende bleibt: Wenig Neues, dafür Eigenlob
Im Vorfeld hatten Beobachter auf konkrete Antworten gehofft. Vor allem darauf, "warum" und "wie lange" die USA den Einsatz in Iran fortführen wollen. Doch die Rede bietet am Ende wenig Neues: Trumps Botschaft bleibt weitgehend eine Wiederholung seiner bekannten Aussagen.
Kein klares Kriegsziel, keine Aussagen zu möglichen Bodentruppen, ebenso wenig wie ein nachvollziehbarer Plan, wie die Regierung aus dem Konflikt aussteigen will. Auch zur Nato äußert er sich nicht. Zurück bleibt lediglich die vage Aussicht, die militärischen Ziele könnten in zwei bis drei Wochen erreicht sein.
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