Iran und Afghanistan:Verdealt Trump die Menschenrechte?
von Christian Hauser
Donald Trump feiert die Iran-Verhandlungen als Erfolg, die EU verhandelt mit den Taliban. Sollten Demokratien Deals mit Diktaturen machen? Die Debatte im auslandsjournal-Podcast.
Trump nennt die Iran-Gespräche einen Erfolg. Warum Demokratien mit autoritären Regimen verhandeln - und was das für Menschenrechte, Freiheit und Stabilität bedeutet.
25.06.2026 | 64:34 minDie erste Gesprächsrunde in der Schweiz zwischen den USA und Iran zur Beendigung ihres Konflikts ist beendet. Donald Trump sieht in der dort erzielten Rahmenvereinbarung einen großen Erfolg.
Doch was zählen die von der westlichen Welt oft hochgehaltenen moralischen Werte noch, wenn Wirtschaftsbeziehungen und geopolitische Stabilität höher im Kurs stehen als Menschenrechte, Freiheit und Sicherheit?
ZDF-Korrespondentin Eigendorf: Menschen in Iran sind Verlierer
Für die Internationale Sonderkorrespondentin des ZDF, Katrin Eigendorf, ist klar: "Das große Opfer dieser Vereinbarung ist die iranische Bevölkerung." Ihrer Ansicht nach geht es nur noch darum, praktikable Deals durchzuziehen.
Das iranische Regime hat noch nie irgendwelche humanitären Ziele verfolgt.
Katrin Eigendorf, ZDF-Sonderkorrespondentin
Der Studioleiter des ZDF in Washington, Elmar Theveßen, unterstreicht diese Einschätzung. "Uns wird hier etwas als Erfolg verkauft, während offen bleibt, inwieweit das iranische Volk, das von einem terroristischen Regime unterdrückt wird, eine Chance auf eine bessere Zukunft hat." Diesem Regime würden Milliarden in den Rachen geworfen, mit denen es weiterhin die Bevölkerung unterdrücken und drangsalieren könne, so Theveßen.
Trotz der Verhandlungen mit den USA drohe Iran bereits mit neuen Angriffen, sagt ZDF-Korrespondent Andreas Stamm. Zudem gebe es konträre Aussagen beider Seiten zum iranischen Atomprogramm.
22.06.2026 | 1:54 minDie Kritik richtet sich aber nicht nur an die USA. Auch Europa, das sich selbst als Verteidiger von Menschenrechten und demokratischen Werten sieht, steht im Fokus.
Für Ulf Röller, den Leiter des ZDF-Studios in Brüssel, stellt sich die Frage, ob die Europäer diesem Anspruch gerecht werden. "Wenn Trump als moralische Instanz ausfällt, will Europa der Ort der Wertestabilität sein." Auf dem jüngst in Frankreich abgehaltenen G7-Gipfel hätten die Europäer zu diesem Thema aber "wahnsinnig geschwiegen", so Röller.
Der US-Präsident war bei den G7 so kooperativ wie lange nicht. Das nutzten die anderen für ein recht kluges Tauschgeschäft: Lob für den Iran-Deal gegen Hilfe für die Ukraine.
17.06.2026 | 1:33 minDas Afghanistan-Dilemma
Im Podcast "Der Trump Effekt" diskutieren die drei Korrespondenten auch über die Beziehung zwischen Europa und einem weiteren autoritären Land: Afghanistan. Auch hier stellt sich die Frage, wie Verhandlungen mit Terrorregimen zu bewerten sind.
Für Katrin Eigendorf ist klar, dass Europa nicht an Gesprächen mit den Taliban vorbeikommen wird. "Sich einfach umzudrehen und zu sagen, wir haben damit nichts zu tun, weil das ein Terrorregime ist - ich bin mir nicht sicher, ob das die richtige Politik ist", so die ZDF-Korrespondentin, die gerade erst von einer Drehreise aus Afghanistan zurückgekehrt ist.
In Bezug auf Verhandlungen mit Terrorregimen analysiert Ulf Röller: "Wir machen es ja nicht aus Sympathie oder weil wir die so toll finden, sondern weil wir sie brauchen, um unser Wirtschaftsmodell und unsere Lebensweise aufrechtzuerhalten." Gleichzeitig räumt er ein:
Das ist absurd. Wir lassen uns mit Diktatoren ein, damit wir unsere Demokratie stärken.
Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios in Brüssel
Die EU hat Taliban-Vertreter nach Brüssel eingeladen, um über Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber zu verhandeln. Dies sei keine Anerkennung der Regierung in Kabul, so ein EU-Sprecher.
23.06.2026 | 0:26 minWirtschaftsbeziehungen übertrumpfen diplomatische Anerkennung
Katrin Eigendorf macht zudem klar, dass diplomatische Anerkennung in der internationalen Politik verstärkt an Bedeutung verliere und stattdessen wirtschaftliche und pragmatische Beziehungen in den Vordergrund träten.
Afghanistan strebe internationale Beziehungen an, so die ZDF-Korrespondentin. Zwar werde das Taliban-Regime bislang nur von Russland anerkannt, doch sei das heute nicht mehr so entscheidend. Als Beispiel führt sie China an: "Die Chinesen erkennen dieses Regime nicht an und machen dort dennoch gute Geschäfte."
Zukunft von Wertepolitik und Demokratie
Internationale Regeln, Institutionen und Bündnisse sieht Elmar Theveßen nach wie vor als wichtig an. Sie seien "viel besser" als das Recht des Stärkeren.
Ulf Röller analysiert, dass aktuelle Krisen nicht aus Diktaturen kämen. "Sondern die Krise tickt bei uns, bei den Demokraten." Er kommt zu dem Schluss:
Demokratien sterben, wenn keine Demokraten mehr an die Demokratie glauben.
Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios in Brüssel
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Christian Hauser ist Redakteur der ZDF-Sendung auslandsjournal.
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