Kein Verlass auf Trumps USA?:Europa auf der Suche nach neuen Partnern
von Luis Schwenk
Trumps Politik macht Europas Abhängigkeit von den USA deutlich. Wie viel Einfluss haben die Europäer noch? Und wo entstehen neue Chancen? Die Debatte im auslandsjournal-Podcast.
Wie verändert Trumps Politik die Weltordnung? Welche Folgen haben Handels- und Energiekrisen für Deutschland und Europa? Die Debatte im auslandsjournal-Podcast "Der Trump Effekt".
15.09.2026 | 57:36 minVor wenigen Tagen noch sprach Friedrich Merz beim Arktisgipfel in der nordfinnischen Stadt Rovaniemi von einem gefährdeten europäischen Frieden. Auch Deutschland müsse sich in der Arktis stärker einbringen. Die Arktis wird zunehmend zur Bühne der Weltmächte: China, Russland und die USA versuchen ihre Präsenz in der Region auszubauen.
Wie gelingt es Europa, den Weltmächten Paroli zu bieten? In der aktuellen Folge des auslandsjournal-Podcasts "Der Trump-Effekt" gehen die ZDF-Korrespondenten Katrin Eigendorf, Elmar Theveßen und Ulf Röller der Frage nach, was Trumps Präsidentschaft für Deutschland und Europa bedeutet.
Trumps Politik mit wirtschaftlichen Folgen
Die wirtschaftlichen Folgen von Trumps Präsidentschaft seien schon jetzt verheerend und auch in Europa spürbar, sagt Elmar Theveßen, ZDF-Studioleiter in Washington. Neben außergewöhnlich hohen Benzin- und Ölpreisen seien auch die strategischen Ölreserven auf dem niedrigsten Stand seit 1982. Ein Trend mit möglicherweise weitreichenden Folgen, denn schon jetzt droht eine der größten Treibstoffkrisen der letzten Jahrzehnte. Schuld an dieser Entwicklung sei vor allem Trumps Politik, so Theveßen.
Donald Trump sorgt dafür, dass wir alle zusammen schwach in der Krise sind.
Elmar Theveßen, ZDF-Studioleiter Washington
Ulf Röller, ZDF-Studioleiter in Brüssel, warnt ebenfalls vor den Auswirkungen des Iran-Krieges und der Politik Trumps: "Es wird vielleicht sogar noch weniger Öl durch die Meeresstraßen fließen als bisher der Fall war." Dabei sei es vor allem ein Gefühl der Hilflosigkeit und Wut, das viele in Anbetracht von Trumps Außenpolitik verspürten: "Der Deutsche oder auch der Europäer kann an der Situation nur sehr, sehr bedingt etwas ändern."
Trump behauptet, im Krieg gegen Iran sei die Straße von Hormus offen und will sie zu US-Territorium machen. Iran widerspricht. ZDFheute live analysierte, wie es weitergehen könnte.
19.08.2026 | 40:23 minDoch Trump selbst sieht sich in all dem kaum als den Schuldigen und machte jüngst den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für hohe Dieselpreise verantwortlich. Für die internationale Sonderkorrespondentin des ZDF, Katrin Eigendorf, ist klar: Trump setze auf eine Strategie der "maximalen Verunsicherung". Auch in den USA sei diese Verunsicherung vor allem an hohen Zinssätzen spürbar, so Eigendorf.
Wenn die Wirtschaft eins nicht braucht, ist es Verunsicherung.
Katrin Eigendorf, internationale Sonderkorrespondentin des ZDF
Arktis als schicksalhafte Region
Ulf Röller sieht in der unruhigen Weltlage aber auch eine Chance: "Es zeigt die Gefahr, die entsteht, wenn man zu abhängig ist in vielen Bereichen." Europas Blick richte sich auf der Suche nach neuen Handelspartnern nun auch auf die Arktis und damit auf eine Region, die schicksalhaft sei, so Röller.
Im Machtkampf um die Arktis müsse Europa gemeinsame Sicherheitspolitik machen, um präsenter zu werden, ohne US-Präsident Trump zu provozieren. ZDF-Korrespondent Ulf Röller über den Arktis-Gipfel.
14.09.2026 | 11:24 minGrönland beherbergt große Vorkommen an kritischen Rohstoffen, welche für eine Vielzahl an Zukunftstechnologien benötigt werden. Europas verstärktes Engagement im von Trump bedrohten Grönland sei deshalb ein klares Signal gegen eine Abhängigkeit von Trumps Amerika.
Es wartet jetzt keiner mehr, dass Trump oder Amerika, der große Bruder, uns hilft.
Ulf Röller, ZDF-Studioleiter Brüssel
Kanada: Wichtiger Verbündeter bei Energie
Diese Einschätzung scheint auch Kanadas Premierminister Mark Carney zu teilen, der am Donnerstag vor dem Europäischen Parlament in Straßburg sprechen wird.
Um die Auswirkungen der US-Zölle abzufedern, wirbt Kanadas Premierminister Carney um internationale Investoren. US-Präsident Trump hatte auf bestimmte kanadische Waren Zölle verhängt.
15.09.2026 | 0:23 minElmar Theveßen sieht in Kanada einen Partner für die Europäische Union mit weitreichenden Kooperationsmöglichkeiten. Vor allem im Bereich Energie sei Kanada ein wichtiger Verbündeter, so habe die EU ein Interesse an einem Zugang zu kanadischem Gas, welches eine Abhängigkeit von anderen Energielieferanten verringern würde. Theveßen sieht in einer tieferen Partnerschaft aber auch Vorteile für Kanada: "Kanada würde natürlich gerne mit in den europäischen Binnenmarkt."
Für Ulf Röller ginge es bei einem möglichen Abkommen ebenfalls darum, Zugang zu kanadischen Rohstoffen zu bekommen, die Röller als "Gamechanger" sieht.
Auch Katrin Eigendorf sieht in einem Abkommen mit Kanada einen "kleinen Meilenstein" für Europa. Ausschlaggebend sei, dass eine Vertiefung der Partnerschaft mit Kanada auf der Weltbühne so präsentiert werde, dass sie Trump klar signalisiere: Es können auch beide Seiten gewinnen.
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