Social-Media-Sucht: Plattformen "bekommen richtig Stress"

Interview

Urteile gegen Google und Meta:Social-Media-Sucht: Plattformen "bekommen richtig Stress"

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Wer hat Schuld an Social-Media-Sucht? Ein Urteil macht Plattformen mitverantwortlich. Welche Folgen hat das für die Konzerne? Ein Medienforscher ordnet ein.

Google- und Meta-Chefs vor einem Smartphone

Die Plattformbetreiber stehen vor wegweisenden Umbrüchen. Urteile über Schadenszahlungen in Millionenhöhe erschüttern die Branche. ZDFheute live zu den Folgen für die Konzerne.

26.03.2026 | 9:56 min

Niederlage für Zuckerberg und Pichai: In den USA hat eine Geschworenenjury in Los Angeles Google und Meta zu Schadenersatzzahlungen verurteilt. Geklagt hatte eine junge Frau, die die Konzerne für ihre Social-Media-Sucht verantwortlich macht.

Ein Gericht gibt der Klägerin nun Recht und verurteilt die Konzerne zu Zahlungen von insgesamt sechs Millionen US-Dollar. Konkret ging es dabei um die Plattformen Youtube und Instagram. Beide Plattformbetreiber wollen in Berufung gehen. Kurz zuvor hatten Geschworene im US-Bundesstaat New Mexico Meta bereits zu einer Geldstrafe von 375 Millionen Dollar verurteilt, weil das Unternehmen nach Überzeugung einer US-Jury wider besseres Wissen nicht genug für den Schutz junger Nutzer getan hat.

Doch wie gravierend ist das jetzige Urteil? Was könnte sich dadurch auf den Plattformen ändern? Darüber hat Christian Hoch bei ZDFheute live mit Medienforscher Matthias Kettemann gesprochen.

Sehen Sie hier das Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Eine Frau hält ein Smartphone, auf dessen Display verschiedene Social Media Apps angezeigt werden. (zu dpa: «Belangloses in Serie – Scrollen Kinder sich um den Verstand?»)

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Was bedeutet das Urteil für Meta, Google & Co.?

Die Urteile seien ein "Warnschuss" für die Branche, sagt Medienrechtsexperte Matthias Kettemann. Mark Zuckerberg, Chef von Meta, oder Sundar Pichai, CEO von Google, seien bisher "unantastbar" gewesen, weil das amerikanische Rechtssystem eine Klausel beinhalte, die die Plattformen von ihren Folgen "immunisiert" habe, sagt Kettemann.

Mit dem Urteil zeige sich: Wenn die Plattformen junge Menschen süchtig machen, müssen sie auch für die Folgen eintreten. Es sei ein sogenanntes "Leiturteil", viele weitere könnten sich anschließen.

Die Plattformen bekommen jetzt richtig Stress.

Matthias Kettemann, Leibniz-Institut für Medienforschung

Der Schadensersatz, den die Unternehmen jetzt zahlen müssten, würde ihnen aber nicht wehtun, so Medienrechtsexperte Kettemann. "Das zahlen sie aus der Portokasse." Mit dem Urteil könne aber noch mehr einhergehen, sagt Kettemann und sieht Parallelen zum Kampf gegen zu viel Tabakkonsum: "Das hat auch mit einzelnen Verfahren angefangen und hat dann zu einem gesellschaftlichen Wandel geführt", sagt der Medienrechtsexperte.

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Ist das der "Marlboro-Moment"?

Mit einem "Marlboro-Moment" sei aber nicht zu rechnen, erklärt Kettemann. Der "Marlboro-Moment" spielt auf eine Milliardenstrafe für die Tabakindustrie in den 90er-Jahren an. Damals hat die Tabakindustrie über Gesundheitsgefahren hinweggetäuscht und wurde verurteilt. Die Folge: Warnhinweise auf den Verpackungen, ein Jugendschutz und ein Werbeverbot.

Soziale Medien seien jedoch nicht genauso gefährlich wie Zigaretten oder Alkohol, so Kettemann. Trotzdem sieht der Medienrechtsexperte die Plattformen jetzt in der Verantwortung.

Was hat das Urteil für Konsequenzen?

Die Plattformen müssten jetzt endlich nachziehen, sagt Medienrechtsexperte Kettemann. Dabei gehe es nicht um einzelne Inhalte, sondern um die Art und Weise, wie diese dargestellt würden.

Fotomontage: Mark Zuckerberg und ein anderer Mann mit Brille vor der US-Flagge. Außerdem die Logos von Facebook, X, Instagram, Youtube, Tiktok und Whatsapp. Auf der linken Bildhälfte das gelbe auslandsjournal-a.

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Die EU-Kommission hätte dazu schon konkrete Vorschläge zu einem kinderfreundlichen Design gemacht, so Kettemann. Beispielsweise könnten Elemente wie Zeitlimits oder Warnhinweise stärker in den Vordergrund rücken. Nutzer könnten etwa nach längerer Nutzung Hinweise erhalten, "jetzt bist du schon ziemlich lange online, mach mal was anderes".

Auch Funktionen wie das "endlose Scrollen" könnten eingeschränkt werden, sodass nach einer bestimmten Anzahl konsumierter Inhalte bewusst Pausen eingelegt werden.

Das Interview führte Christian Hoch bei ZDFheute live. Zusammengefasst haben es Caroline Kleine-Besten, Paul Herweh und Paula Colberg.

Über das Thema berichtete ZDFheute live in folgendem Beitrag: "Social-Media-Sucht durch Google und Meta?" am 26.03.2026 ab 10:58 Uhr.

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