Ukraine: Was ein Reporter in vier Jahren Krieg erlebt

Was ein Reporter im Ukraine-Krieg erlebt:Krieg wird Alltag: Wenn Kinder Drohnensurren imitieren

von Martin Kraushaar

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Drohnen bringen den Tod aus der Luft, Frontlinien lösen sich auf und Zivilisten geraten ins Visier: Was ein Reporter in vier Jahren Ukraine-Krieg erlebt - eine persönliche Bilanz.

Ukraine, Reporter, Arndt Ginzel

Mangels großer Waffen setzt die Ukraine zunächst auf kleine, billige FPV-Fluggeräte, doch Russland holt schnell auf. Der Krieg mit Drohnen wird immer mehr zum Wettlauf - unter Beschuss zum Alltag.

19.02.2026 | 22:36 min

Der Ukraine-Krieg begann für ZDF-Reporter Arndt Ginzel nicht erst am 24. Februar 2022: Zwei Tage vor der russischen Invasion gerät Ginzel nahe Mariupol unter Beschuss. Es ist der Moment, in dem aus Recherche plötzlich Überleben wird. "Das war das erste Mal, dass ich wirklich das Gefühl eines Ausgeliefertseins und Todesängste hatte", beschreibt Ginzel die dramatische Situation. Es ist ein Gefühl, das ihn in den folgenden vier Jahren immer wieder begleiten wird.

Krieg in der Ukraine: Der Tod kommt aus der Luft

Was als konventioneller Krieg mit Panzern und Artillerie beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Drohnenkrieg. Bereits 2022 setzt die Ukraine kleine Kameradrohnen, sogenannte First-Person-View-Drohnen (FPV), ein, um russische Stellungen aufzuklären und Artilleriefeuer zu lenken. "Das war der Ausgangspunkt eines Drohnenkrieges, den es bis dahin nicht gab", erklärt Ginzel, der seit 2014 über den Ukraine-Konflikt berichtet.

Doch Russland holt bei der Produktion günstiger, bewaffneter FPV-Drohnen schnell auf. 2024 muss Ginzel das selbst auf dramatische Weise erfahren. Bei einer Evakuierungsmission, die er als Reporter begleitet, wird ein freiwilliger Helfer durch eine russische FPV-Drohne getötet.

Das Verrückte ist, mit welcher Selbstverständlichkeit und mit welcher Routine der Tod in dieser Gesellschaft angekommen ist - und bei einem selbst auch, wenn man nur lange genug dort ist.

Arndt Ginzel, ZDF-Reporter

Ein vom Pressedienst der 93. Separaten Mechanisierten Brigade „Kholodnyi Yar“ der ukrainischen Streitkräfte zur Verfügung gestelltes Foto zeigt den Ort des russischen Beschusses eines Wohngebiets in der Stadt Kramatorsk in der Region Donezk, Ukraine, am 8. Februar 2026 während der anhaltenden russischen Invasion. Russische Truppen drangen am 24. Februar 2022 in ukrainisches Gebiet ein und lösten damit einen Konflikt aus, der Zerstörung und eine humanitäre Krise zur Folge hatte.

Am 24. Februar jährt sich der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zum vierten Mal. Trotz vieler Vermittlungsversuche ist kein Ende des Krieges in Sicht.

22.02.2026 | 2:49 min

Die Front existiert nicht mehr als klar erkennbare Linie. "Es gibt ja viele, die sprechen heute regelrecht von einer Auflösung der Frontlinie. Diese Todeszone dehnt sich auf bis zu 20 Kilometer aus", erklärt Ginzel. Selbst vermeintlich sichere Städte gerieten in Reichweite der Drohnen.

Cherson: "Kriegsverbrechen von russischen Drohnenpiloten"

Besonders erschütternd sind Ginzels Recherchen in Cherson. Berichte, wonach russische Drohnen gezielt Zivilisten angreifen, hat er überprüft. "Unsere Zuschauer können schon von uns erwarten, dass wir den Versuch starten, das auch zu verifizieren." Was er vor Ort dokumentiert, bestätigt schlimmste Befürchtungen.

In der südukrainischen Stadt werden reihenweise Kriegsverbrechen von russischen Drohnenpiloten begangen.

Arndt Ginzel, ZDF-Reporter

Auch die Vereinten Nationen sprechen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Im Krankenhaus von Cherson trifft der Reporter auf Opfer und Leidtragende dieser Angriffe. Eine Krankenschwester, seit 30 Jahren im Dienst, wird während ihrer Arbeit durch einen Drohneneinschlag schwer verletzt. Kinder imitieren im Spiel das Surren der Drohnen. Der Krieg hat sich in ihre Geräuschkulisse eingebrannt.

zerstörtes Haus

Im südukrainischen Cherson wird von Russland nicht nur mit Artillerie und Raketen geschossen: Seit mindestens anderthalb Jahren ist noch eine Gefahr hinzugekommen: Drohnen, die gezielt Menschen jagen.

29.10.2025 | 1:51 min

Not als Innovationstreiber

Der Drohnenkrieg ist zugleich ein Wettlauf der Innovationen. Russland setzt auf glasfasergesteuerte Drohnen, die mit Störsendern nicht abzuwehren sind. Die Ukraine entwickelt Abwehrsysteme und eigene unbemannte Systeme zu Land, zu Luft und zu Wasser. "Krieg ist ein Innovationstreiber", sagt Ginzel.

Reporter an der Front: Warum immer wieder zurück?

Was treibt einen Reporter an, immer wieder dorthin zurückzukehren, wo Drohnen am Himmel kreisen und jede Fahrt tödlich enden kann? Ginzel antwortet nüchtern: "Ich gehe schon davon aus, dass ich damit die Leute erreiche, dass sich etwas bewegen kann, dass Leute aus erster Hand erfahren können, was dort passiert, dass ich für diese Leute eine verlässliche Quelle bin."

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Und mit Blick auf die historische Einordnung des Krieges sagt er: "Man sollte nie vergessen, dass es ein Angriffskrieg ist, der völkerrechtswidrig ist. Russland hat die Ukraine angegriffen. Das ist das Fundament, auf dem man stehen sollte, wenn man zurückblickt."

Vier Jahre nach Kriegsbeginn ist für ihn klar: Der Ukraine-Krieg hat nicht nur Städte und Leben zerstört. Er hat die Art der Kriegsführung verändert - und Europa in eine neue sicherheitspolitische Realität gezwungen. Seine Reportagen dokumentieren nicht nur Frontverläufe. Sie dokumentieren, wie sich ein Krieg in den Alltag frisst - und wie der Tod aus der Luft zur Normalität wird.

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:Krieg im Drohnenfeuer

Kamikaze-Drohnen verändern den Ukrainekrieg am Himmel, im Wasser und an Land: Klassische Fronten gibt es kaum noch, Alltag und Flucht werden zur Gefahr – der Beginn einer neuen Ära von Kriegsführung.
Montage: FPV-Drohne vor brennendem Auto und zerstörtem Haus im Hintergrund

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Über dieses Thema berichtete ZDF frontal in dem Beitrag "Krieg im Drohnenfeuer - Unter Beschuss" am 19.02.2026 um 06:00 Uhr.

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