US-Justizministerin Bondi im Epstein-Kreuzverhör: So lief es

Abgeordnete befragen US-Justizministerin:Fünf Stunden Epstein-Kreuzverhör: Wie es für Pam Bondi lief

"ZDF in Rostock": Beatrice Steineke

von Beatrice Steineke, Washington, D.C.

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Demokraten werfen Justizministerin Bondi im Epstein-Fall Vertuschung vor. Sie verteidigt ihre Linie und nennt Donald Trump den transparentesten Präsidenten der US-Geschichte.

Attorney General Pam Bondi Testifies During House Judiciary Hearing On Capitol Hill

Vor dem Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses verteidigt Justizministerin Pam Bondi ihre Führung.

Quelle: AFP

"An die Epstein-Überlebenden, wer von ihnen möchte noch mit dem Justizministerium sprechen", auf die Frage des demokratischen Abgeordneten Dan Goldman heben alle zehn Frauen die Hand, die als Epstein-Überlebende nur ein paar Reihen hinter Pam Bondi sitzen.

Sieht so aus, als hätten Sie noch mehr Zeugen, mit denen Sie sprechen müssen, Justizministerin Bondi.

Dan Goldman, demokratischer Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus

Congress Bondi

Hinter US-Justizministerin Pam Bondi heben mehrere Epstein-Überlebende die Hand. Bis heute konnten sie nicht mit dem Ministerium über ihre Fälle sprechen.

Quelle: AP

Vor dem Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses muss Bondi Fragen zu ihrer Führung beantworten. Seit einem Jahr steht sie an der Spitze des US-Justizministeriums.

Die Abgeordneten sprechen immer wieder die Epstein-Überlebenden direkt an. Immer wieder signalisieren diese schweigend: Wir wollen unsere Geschichten gegenüber dem Ministerium aussagen.

Bondi wird nicht einen Blick auf die Frauen hinter ihr werfen - nicht in fünf Stunden Befragung.

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Justizministerin Bondi: Transparenteste Präsidentschaft in US-Geschichte

In der teils hitzigen Diskussion steht ein Thema klar im Mittelpunkt: die Epstein-Akten. Der Druck auf Bondi wurde immer größer. Erst veröffentlichte ihr Ministerium mehr als drei Millionen Dokumente über einen Monat nach der Frist. Dann tauchten darin sensible Daten von Opfern auf, die so in der Öffentlichkeit und in ihrem Umfeld geoutet wurden.

Vor den Epstein-Überlebenden im Raum rief Bondi dazu auf, jegliche Hinweise an ihr Ministerium zu geben. Sensible Daten seien "versehentlich" veröffentlicht worden. Insgesamt verteidigte sie ihre Führung und US-Präsident Donald Trump.

Donald Trump ist der transparenteste Präsident in der Geschichte der Nation.

Pam Bondi, US-Justizministerin

Auf die Rückfrage einer Abgeordneten, ob Donald Trump die langjährige Vertraute von Epstein begnadigen sollte, antwortete Bondi: "Ghislaine Maxwell stirbt hoffentlich im Gefängnis." Zuletzt verweigerte Maxwell eine Aussage im Repräsentantenhaus und verlangte zuvor rechtliche Immunität.

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Demokraten werfen Bondi Vertuschung vor

Ein demokratischer Abgeordneter fragte, ob minderjährige Mädchen auf einer der Partys waren, die Donald Trump mit Epstein besuchte. Bondi antwortete: "Es gibt keine Beweise dafür, dass Donald Trump eine Straftat begangen hat. Das wissen alle."

Dann zeigte der Demokrat Ted Lieu ein Dokument aus den Epstein-Akten als Beweis. Darin gebe es Hinweise auf einen Zeugen. Er berichtet, eine Frau habe behauptet, von Trump vergewaltigt worden zu sein. Bondi sollte dringend diesen Zeugen finden.

Bis heute gibt es über 1.000 Opfer von Sexhandel, und sie [Pam Bondi] haben keine einzige Person zur Verantwortung gezogen.

Ted Lieu, demokratischer Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus

Bondi habe gerade unter Eid gelogen und sollte zurücktreten. Die Justizministerin kontert, das sei eine Lüge.

Weitere Demokraten bemängelten: Laut Epstein-Akten-Transparenz-Gesetz hätten alle Unterlagen nach 30 Tagen veröffentlicht werden müssen. Das Ministerium habe aber 75 Tage gebraucht, nur teilweise Unterlagen freigegeben und die Schwärzungen würden Täter und nicht Opfer schützen.

Ein Dokument mit einem E-Mail-Schriftwechsel von Jeffrey Epstein.

Informationen über mutmaßliche Opfer sollen gar nicht oder uneinheitlich geschwärzt worden sein. Jetzt sind die Gesichter und Namen von Opfern sexueller Misshandlung öffentlich einsehbar.

06.02.2026 | 0:22 min

Republikaner zeigen sich gespalten

Es gab Stimmen aus der Republikanischen Partei, die Bondi für ihre Arbeit, etwa die Bekämpfung von Kriminalitätszahlen, lobten. Zudem sei auch unter demokratischen Ex-Präsidenten wie Bill Clinton oder Barack Obama keine Aufklärung im Fall Epstein passiert.

Andere Republikaner äußerten offen Kritik:

Ich persönlich habe jegliches Vertrauen in unser Justizministerium verloren. Es ist ein System der Ungerechtigkeit.

Nancy Mace, republikanische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus

Abgeordnete Nancy Mace hatte das Epstein-Akten-Transparenz-Gesetz mit vorangetrieben - zusammen mit ihrem Parteikollegen Thomas Massie. Der Republikaner ist schon länger einer der lautesten Kritiker der aktuellen US-Regierung.

Zusammen mit anderen Abgeordneten habe er mehrere Namen von mutmaßlichen Epstein-Komplizen aufgedeckt. Sie seien in den Unterlagen unkenntlich gemacht. Bondi reagierte: Einige dieser Namen wurden nachträglich veröffentlicht und bezeichnete Massie als "gescheiterten Politiker" und "Heuchler".

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Bei der Deutschen Bank war Epstein Kunde. Die veröffentlichten Unterlagen zeigen nun: Die Bank hielt an ihm als Kunde fest - auch noch, als es interne Warnungen gab.

11.02.2026 | 2:36 min

Kongressmitglieder dürfen Epstein-Akten einsehen

US-Justizministerin Bondi antwortete oft nicht direkt auf die Fragen zu Epstein. Häufig versuchte sie auf ein angebliches Fehlverhalten der Fragenden abzulenken. Doch der Druck auf sie dürfte nicht weniger werden.

Die New York Times berechnete: Wenn 50 Reporter jeden Tag 500 Seiten der Epstein-Akten lesen würden, bräuchten sie vier Monate. Nach und nach sollen auch alle Mitglieder des US-Kongresses die ungeschwärzten Dokumente einsehen können. Neue Erkenntnisse kommen also in jedem Fall.

Beatrice Steineke ist Korrespondentin im ZDF-Studio Washington, D.C.

Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa am 11.02.2026 die heute-Sendung ab 19:00 Uhr, heute in Europa ab 16:00 Uhr, ZDFheute LIVE ab 20:30 Uhr sowie das ZDF-Mittagsmagazin am 09.02.2025 ab 12:00 Uhr und heute Xpress am 10.02.2026 um 09:35 Uhr.
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