Oleschky: Vermittler erklärt Waffenruhe und geplante Evakuierung

Interview

Ukrainischer Verhandlungsführer erklärt:Frontstadt Oleschky: Wie die Evakuierung funktionieren soll

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Wie können Zivilisten die eingeschlossene Stadt Oleschky verlassen? Verhandlungsführer Dmytro Lubinets erklärt die Vereinbarung und die geplante Kontrolle der Waffenruhe.

Rauch steigt in Wohngebieten in der Stadt Oleschky auf. (Archiv)

Archibild der eingeschlossenen und von Minen umgebenen Stadt Oleschky in der Ukraine. (Archiv)

Quelle: dpa / Ukrainian 34th Separate Marine B

Dmytro Lubinets ist Menschenrechts-Ombudsmann des ukrainischen Parlaments und hat die Verhandlungen über einen lokalen Waffenstillstand und die Evakuierung der eingeschlossenen Stadt Oleschky geführt. ZDFheute hat mit ihm über den Waffenstillstand und die Bedeutung für den weiteren Kriegsverlauf gesprochen.

ZDFheute: Ab wann und vor allem bis wann gilt der ausgehandelte Waffenstillstand?

Dmytro Lubinets: Der Waffenstillstand tritt am 27. Oktober um 3 Uhr morgens Kiewer Zeit in Kraft und gilt für mehrere Tage, um diese humanitäre Mission, die Evakuierung, abzuschließen. Es geht um die Räumung von Minen auf dem Weg nach Oleschky.

Lieferungen humanitärer Hilfe in die Stadt Oleschky, darunter Lebensmittel, Wasser, Medikamente sowie technische Ausrüstung für das dortige Krankenhaus, müssen geliefert werden. Und schließlich sieht die Vereinbarung vor, dass Zivilisten die Möglichkeit erhalten, die Stadt Oleschky ungehindert zu verlassen - also den Transport und die Evakuierung der Zivilbevölkerung.

Zerstörte Autos sind auf einer Autobahn nahe der von Russland besetzten Stadt Oleschky in der Region Cherson in der Ukraine zu sehen. (Archiv)

Für die von Russland besetzte Stadt Oleschky im Süden der Ukraine ist eine befristete Waffenruhe angekündigt worden. Zunächst hatten die USA berichtet, First Lady Melania Trump habe sie vermittelt.

23.10.2026 | 1:39 min

ZDFheute: Wie soll die Vereinbarung umgesetzt werden? Wer kontrolliert die Vorgänge vor Ort?

Lubinets: Der neue Ansatz dieser Vereinbarung besteht darin, einen Kontrollmechanismus zu etablieren. Das Hauptproblem ist das fehlende Vertrauen zwischen der Ukraine und Russland. Als Vertreter der Ukraine frage ich mich: Wie kann ich darauf vertrauen, dass Russland sich tatsächlich an die Vereinbarung hält? Dasselbe gilt natürlich auch aus russischer Sicht.

Entscheidend ist daher, dass die Vereinigten Staaten - konkret Melania Trump - eine spezielle Gruppe aus US-Bürgern ins Leben gerufen haben. Diese Gruppe soll einen Kontrollmechanismus unterstützen, der sicherstellt, dass beide Seiten - die Ukraine und Russland - ihre Verpflichtungen erfüllen.

Karte Oleschky

Quelle: ZDF

ZDFheute: Sie sprechen fehlendes Vertrauen an. Wir wissen von Angehörigen, dass vor allem "pro-ukrainische" Menschen ihre Haltung während der russischen Okkupation versteckt haben. Können Sie diesen Menschen garantieren, dass sie unversehrt in die Ukraine kommen?

Lubinets: Ja, ich kann garantieren, dass jede Person, die in die Ukraine reisen möchte, diese Möglichkeit auch erhalten wird. Das war einer der schwierigen Punkte, die wir mit der russischen Seite erörtert haben. Und wir haben - so glaube ich zumindest - einen neuen Mechanismus gefunden, um diesen Prozess zu kontrollieren. Sie werden es sehen. Ich kann zwar im Moment noch keine Einzelheiten nennen, aber Sie werden es sehen - da bin ich mir absolut sicher.

Dmytro Lubinets ist Jurist und seit 2010 Abgeordneter im ukrainischen Parlament. Er gehört der Oppositionspartei "Europäische Solidarität" an und wurde mit 250 Stimmen zum vierten Ombudsmann für Menschenrechte der Ukraine gewählt.

Aufgewachsen ist er im jetzt russisch besetzten Teil des Donbass. Er studierte an der Nationalen Universität in Donezk. Zu seinen Aufgaben gehört auch der Austausch von Kriegsgefangenen zwischen der Ukraine und Russland. Zuletzt tauschten die Ukraine und Russland am vergangenen Samstag Kriegsgefangene aus.

Quelle: ZDF


ZDFheute: In den USA ist Wahlkampf und Trump ist massiv unter Druck. Es heißt, vom Weißen Haus ausgewählte US-Journalisten werden zugelassen. Russland wird die humanitäre Mission propagandistisch ausschlachten, obwohl Russland die Situation in Oleschky herbeigeführt hat, weil es die Stadt nicht versorgt, sondern von Versorgung abgeschnitten hat. Droht eine PR-Show in Oleschky?

Lubinets: Wissen Sie, für mich - als jemand, der die Ukraine vertritt - ist, ehrlich gesagt, das Überleben unseres Volkes die wichtigste Frage. Ich bin bereit, alles zu tun. Wenn jemand das für PR-Zwecke nutzen will - meinetwegen. Ich habe den ersten Hilferuf von Ukrainern aus Oleschky Ende Februar 2026 erhalten. Über all diese Monate hinweg haben wir - die Ukrainer - versucht, gemeinsam mit der Russischen Föderation Lösungen zu finden und neue Verhandlungskanäle zu etablieren.

Wir haben versucht, diese Mission mithilfe verschiedenster potenzieller Vermittler und Partner auf den Weg zu bringen - jedoch ohne Erfolg. Jetzt ist es so weit.

Und für mich geht es hier nicht um PR; für mich geht es um das Überleben unseres Volkes.

Dmytro Lubinets, Menschenrechts-Ombudsmann des ukrainischen Parlaments

S-Präsident Donald Trump (Mitte) spricht mit Reportern, als er das Weiße Haus verlässt, um zu einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa zu reisen, in Washington, DC, USA, am 22. Oktober 2026.

Laut US-Präsident Trump hat Elon Musk den Zugang der Ukraine zum Satelliten-Netzwerk Starlink wiederhergestellt. Das Militär braucht ihn für Kommunikation und Drohnen im Krieg gegen Russland.

23.10.2026 | 0:25 min

ZDFheute: Wenn der Waffenstillstand in und die Evakuierung von Oleschky gelingen sollten, bleibt es dann am Ende nicht doch ein lokaler Erfolg?

Lubinets: Ich gehe davon aus, dass wir diesen neuen Ansatz, den wir hier etabliert haben, nicht nur für die humanitäre Mission in Oleschky nutzen werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit der russischen Seite und den Vereinigten Staaten einen ähnlichen Mechanismus auch in anderen Frontstädten anwenden können - um Zivilisten zu unterstützen und ihr Überleben zu sichern, die sich derzeit in einer ebenso schrecklichen Lage befinden wie die Menschen in Oleschky.

ZDFheute: Wir danken für Ihre Zeit.

Das Interview führte Dara Hassanzadeh in Odessa, Ukraine

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Liveblog
Quelle: ZDF
Über die Lage in Oleschky berichtete heute am 23.10.2026 ab 19 Uhr.

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