Mit Patrouillen gegen Provokationen:Frankreichs Rolle an der Nato-Ostflanke
von Luis Jachmann, Rumänien
Unter französischer Führung überwacht die Nato den rumänischen Luftraum. Dient diese Mission als Blaupause für die Sicherung der Straße von Hormus?
Französische Kampfjets tragen in multinationalen NATO-Missionen dazu bei, den europäischen Luftraum zu sichern. Zuletzt wurde eine fremde Drohne über Lettland abgeschossen.
15.06.2026 | 2:06 minKnapp 250 Kilometer ist die rumänische Schwarzmeerküste lang. 250 Kilometer, die die Nato ganz genau überwacht. Kampfjets des transatlantischen Bündnisses patrouillieren unter französischer Leitung über diesem Abschnitt der Ostflanke regelmäßig. Ihre Aufgabe: unbekannte Flugobjekte aufspüren, verfolgen und mitunter abschießen. Frankreich stellt neben den Rafale-Kampfjets auch ein Tank- und Transportflugzeug (MRTT). An Bord stellt Pilot Colonel Cyril heraus:
Wir beweisen, dass wir fähig sind, den europäischen Luftraum vor potenziellen Aggressionen zu schützen.
Colonel Cyril, Pilot eines MRTT-Transportflugzeugs
Nato fängt fremde Drohnen ab
An diesem Nachmittag bleibt es über dem Schwarzen Meer ruhig. Über dem riesigen Binnenmeer zieht das Tankflugzeug fünf Stunden lang seine Kreise. Mehrmals docken Rafale-Jets in hoher Geschwindigkeit an. Vier, maximal fünf Minuten dauert jedes Manöver. Dann sind die Kampfflugzeuge wieder voll betankt.
170 Soldaten und fünf Eurofighter überwachen den Nato-Luftraum in Rumänien. Patrouillen, Wartung und Bereitschaft prägen den Einsatz - auch angesichts Drohnen-Zwischenfällen in der Region.
26.11.2025 | 13:08 minAn der Ostflanke, von Skandinavien bis zum Schwarzen Meer, haben sich die Vorfälle in den letzten Wochen gehäuft. Ein Besatzungsmitglied des Tankflugzeugs spricht von wachsenden Spannungen an der Ostflanke. Anfang Juni hatte ein französischer Rafale eine Drohne über Lettland abgeschossen. Nach dem Absturz einer Drohne in ein rumänisches Wohngebäude wurden mehrere Menschen verletzt. Und am Wochenende hat die schwedische Armee russische Kampfjets über der Ostsee abgefangen.
Macron: Europäische Souveränität stärken
Auch ein Awacs-Flugzeug kommt zum Tanken in 8.000 Metern Höhe. Das fliegende Radarsystem spielt bei der Überwachung des Luftraums eine entscheidende Rolle. Gemeinsam mit belgischen F16-Jets kontrolliert die Nato so die rumänische Küste und die internationalen Gewässer des Schwarzen Meeres.
Wir zeigen hier, dass wir solche Missionen als Europäer allein stemmen können, ohne amerikanische Unterstützung.
Colonel Cyril, Pilot eines MRTT-Transportflugzeugs
Die Herkunft der Drohne, die in Rumänien nahe der ukrainischen Grenze ein Wohnhaus getroffen hat, soll russisch sein. Das bekräftigte Rumäniens Staatspräsident Dan nach Untersuchungen.
01.06.2026 | 0:24 minAuch Griechenland und Bulgarien sind häufig Teil dieser Mission. Die Partnerländer innerhalb der Nato sind hier wechselnd. Die Amerikaner spielen nur eine Nebenrolle. Europa zeigt an der Ostflanke, was Frankreichs Präsident Emmanuel Macron immer wieder einfordert: mehr Souveränität bei der Verteidigung des Kontinents. Und das französische Engagement soll nicht an Europas Außengrenzen enden. Nach dem Abkommen zwischen den USA und Iran, das am Freitag unterzeichnet werden soll, hat Macron auch im Mittleren Osten Überwachungseinsätze in Aussicht gestellt:
Wir sind bereit. Innerhalb von zwei bis drei Tagen kann unser Flugzeugträger in der Straße von Hormus sein.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Sender TF1
Westliche Partner versprechen gemeinsame Überwachung
Frankreich solle zur Wiederaufnahme der freien Schifffahrt beitragen, so Macron: mit Fregatten, Flugzeugen und Minenräumung. Schon im Frühjahr hatte er Bundeskanzler Friedich Merz, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und den britischen Premier Keir Starmer nach Paris eingeladen, um auszuloten, wie Europa die Straße von Hormus sichern kann. Da war eine Einigung noch in weiter Ferne.
Jetzt bekräftigt Macron den Einsatz und sendet damit ein Signal in Richtung US-Präsident Donald Trump: Auf Europa ist Verlass. Europa übernimmt mit Frankreich an der Spitze in verschiedenen Krisenherden Verantwortung.
An der Nato-Ostflanke bereiten sich die westlichen Partner derweil auf neue Provokationen vor. Russland habe zwar die Zahl der Überwachungsflüge zurückgefahren, berichtet ein Besatzungsmitglied an Bord des Tankflugzeugs. Der Kreml sei derzeit an anderen Fronten ausgelastet, mutmaßt er. Doch von Entspannung könne keine Rede sein. Die Nato gibt sich wachsam - ob über dem Schwarzen Meer oder der Ostsee.