Jahresbericht des Bündnisses:Rutte sieht "echtes Umdenken" innerhalb der Nato
von Isabelle Schaefers, Brüssel
Ein neues Kapitel sei für die Nato im letzten Jahr angebrochen - so der Nato-Generalsekretär. Es ist wohl kein Zufall, dass das zusammenfällt mit dem Amtsantritt von Donald Trump.
Der Nato-Jahresbericht 2025 zeigt deutlich höhere Verteidigungsausgaben in Europa und Kanada. Zweifel an US-Hilfen für die Ukraine weist Generalsekretär Rutte zurück.
26.03.2026 | 1:43 minEinmal im Jahr gibt der Nato-Generalsekretär einen Überblick über den Zustand des Verteidigungsbündnisses. Das Jahr 2025 war ein bewegtes für die Nato: Donald Trump kam ins Amt und macht Druck auf die Nato-Verbündeten, mehr für Verteidigung auszugeben. Vor allem auf die Europäer.
Beim Nato-Gipfel in Den Haag im Juni einigte man sich dann gar darauf, bis 2035 fünf Prozent des BIP zu investieren.
Verteidigungsausgaben steigen deutlich
Nato-Generalsekretär Mark Rutte stellt das heute als neue Stärke des Bündnisses dar:
Zu lange haben sich die europäischen Verbündeten und Kanada zu sehr auf die militärische Macht der USA verlassen.
Mark Rutte, Nato-Generalsekretär
"Wir haben nicht genügend Verantwortung für unsere eigene Sicherheit übernommen. Doch es hat nun ein echtes Umdenken stattgefunden."
Die Zahlen bestätigen das. Europa und Kanada haben in den letzten Jahren ihre Verteidigungsausgaben deutlich gesteigert: 2025 um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegen alle Nato-Länder mittlerweile über dem Zwei-Prozent-Ziel. Und viele auch darüber - Deutschland etwa bei 2,39 Prozent.
Das neu vereinbarte Fünf-Prozent-Ziel bis 2035 ist für die meisten Nato-Länder noch in weiter Ferne.
Laut Nato-Generalsekretär Rutte erfüllen nun alle Nato-Staaten das Zwei-Prozent-Ziel bei den Verteidigungsausgaben. Beim anstehenden Nato-Gipfel soll das Ziel jedoch erhöht werden.
18.06.2025 | 0:26 minNeues Konflikt-Thema: Iran-Krieg
Doch das heißt nicht, dass der US-Präsident nun zufrieden mit der Nato ist. Längst hat er neue Kritik an den Verbündeten gefunden: die Nicht-Beteiligung der Europäer am Iran-Krieg.
Seinen Unmut bekräftigt er heute in einem Truth Social-Post: "Die Nato-Staaten haben absolut nichts getan, um uns bei der verrückten Nation Iran zu helfen, die jetzt militärisch zerschlagen ist."
Die USA brauchen die Nato nicht - aber wir werden diesen wichtigen Moment in der Geschichte niemals vergessen!
Donald Trump, US-Präsident
Der Nato-Generalsekretär versucht zu vermitteln: "Die USA konnten sich nicht mit ihren Verbündeten abstimmen, weil sie die Operation geheim halten wollten. Das hat aber auch den Nachteil, dass die Europäer Zeit brauchen, um sich zu organisieren."
Doch es geht nicht nur um Zeit, die Europäer in der Nato haben längst klar gemacht: Trumps Krieg ist nicht ihr Krieg.
US-Präsident Donald Trump fordert die Nato auf, sich an einem internationalen Militäreinsatz zur Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen.
16.03.2026 | 1:46 minNato bleibt instabil
Dieser neue Konflikt zwischen Trump und den Nato-Verbündeten ist ein erneuter Beleg - wenn es den denn gebraucht hätte: Die Europäer müssen auch weiter befürchten, dass die Nato nicht zuverlässig hält, dass sie im Zweifel ohne Schutz der USA dastehen.
Auch deshalb rüsten fast alle Länder weiter auf - wie die Zahlen zeigen. Doch das heißt eben nicht, dass das Bündnis stabiler geworden ist.
Isabelle Schäfers ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Brüssel.
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