Midterms und die Wirtschaft: Durchwachsene Reaktionen

Durchwachsene Reaktionen:Zölle, KI, Öl, Börse: Die Midterms und die Wirtschaft

|

Aufatmen in der Wirtschaft nach dem Wahlerfolg der US-Demokraten? Die Reaktionen fallen gemischt aus. Ein Blick auf Zölle, KI, Ölpreise und die Börse.

ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann ist zu sehen.

Der Ausgang der US-Midterms hat auch auf die Kursbewegungen an den Börsen Einfluss. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet über die Reaktionen.

04.11.2026 | 1:10 min

Bei den Zwischenwahlen in den USA haben die Republikaner von Präsident Donald Trump ein Debakel erlebt. Was bedeutet der Erfolg der Demokraten für die Wirtschaftspolitik? Das sagen Ökonomen:

Zölle und Handel

Trumps Zölle setzen den Handelspartnern zu - aus deutscher Sicht sollte man die Erwartungen jetzt aber nicht zu hoch schrauben, meint ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann. Die hohen Zölle werden die deutsche Wirtschaft weiterhin bremsen. Dass Trump seine Zollpolitik ändern werde, daran glauben viele Beobachter nicht. Denn die könne er weiterhin weitgehend am Kongress vorbei gestalten.

"Deutsche Unternehmen sollten damit rechnen, dass die Richtung der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis Januar 2029 bestehen bleibt", schreibt auch das Institut der deutschen Wirtschaft.

c

Trump nutze jetzt die Außenpolitik, um in der Diskussion zu bleiben, so Politikwissenschaftler Prof. Christian Lammert. Die Berechenbarkeit seiner Außenpolitik würde damit noch weiter schwinden.

04.11.2026 | 17:31 min

Mehr noch: Mit unbequemen Mehrheitsverhältnissen zu Hause könnte sich Trump mehr auf die Außenpolitik konzentrieren, vermutet Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. "Zölle und Handelskonflikte könnten wieder stärker in den Vordergrund rücken." IW-Direktor Michael Hüther erwartet: Innenpolitisch stünden den USA unruhige Zeiten bevor. "Politische Unsicherheit beim wichtigsten Handelspartner Deutschlands wird den transatlantischen Handel belasten."

Hinzu kommt: Abschottung sei keine Besonderheit der Trump-Regierung, erklärt ZEW-Präsident Achim Wambach. "In der Handelspolitik gegenüber China sowie bei politischen Maßnahmen zum Schutz der heimischen Industrie besteht in Washington parteiübergreifend ein weitgehender Konsens."

Ulf Röller im Interview

In den allermeisten europäischen Hauptstädten würde man sich sehr über Trumps Niederlage bei den Midterms freuen, so ZDF-Korrespondent Ulf Röller aus Brüssel.

04.11.2026 | 3:21 min

Ölpreise

Die gestiegenen Lebenshaltungskosten spielten bei der Wahl eine entscheidende Rolle. Mit dem von Trump angezettelten Iran-Krieg sind die Spritpreise stark gestiegen - zum Ärger vieler US-Wähler. Berenberg-Ökonom Schmieding erwartet zunehmenden Druck auf Trump seitens der eigenen Republikaner, "die Benzinpreise durch eine Lösung der Iran-Frage wieder auf ein normales Niveau zu bringen".

Am Mittwoch zumindest gaben die Ölpreise leicht nach. Die Risiken einer "Lieferunterbrechung an der Straße von Hormus sind jedoch nicht verschwunden", meint Priyanka Sachdeva, Chefanalystin bei Phillip Nova.

04.11.2026, USA, Las Vegas: Der demokratische Gouverneurskandidat und Generalstaatsanwalt von Nevada, Aaron Ford (links), begrüßt seine Anhänger nach einer Rede bei einer Wahlnachtveranstaltung in Las Vegas

Bei den Zwischenwahlen gibt es sowohl im Abgeordnetenhaus als auch im Senat eine Mehrheit für die Demokraten. Dabei konnten die Demokraten auch traditionelle Hochburgen der Republikaner übernehmen.

04.11.2026 | 1:45 min

Künstliche Intelligenz

Nach dem Erfolg der Demokraten rechnen Börsianer mit einer stärkeren Regulierung im KI-Sektor und mehr Gegenwind bei den nötigen Rechenzentren. Die riesigen Anlagen stehen zunehmend in der Kritik, weil sie viel Energie und Wasser benötigen - selbst Republikaner verhängten Moratorien für den Bau. Mit Gouverneuren der Demokraten wie Gina Hinojosa in Texas können sich die Konzerne auf einen härteren Kurs einstellen.

Das bedeute nicht "zwangsläufig das Ende des langfristigen KI-Themas, aber es kann die Schwelle für Investitionen erhöhen", sagt Marktstratege Patrick Munnelly von der Tickmill Group. Auch Daniela Hathorn, Analystin bei capital.com, erklärt: Mehr Regulation könne "die Herausforderungen für einen Sektor vergrößern, der bereits mit Sorgen über hohe Bewertungen und Monetarisierung zu kämpfen hat".

04.11.2026, USA, Austin: Ein Anhänger hält eine Mütze mit einer amerikanischen Flagge für den demokratischen Senatskandidaten und texanischen Abgeordneten James Talarico hoch, bevor dieser bei einer Wahlnachtveranstaltung in Austin, Texas, eine Rede hält.

In Texas hat zum ersten Mal seit fast 40 Jahren ein Demokrat gewonnen – trotz einer mehr als 200 Millionen Dollar hohen Investition in die Wahlkampagne der Republikaner von Elon Musk.

04.11.2026 | 1:34 min

Börsen

An den Finanzmärkten gab der KI-Sektor entsprechend nach. An der New Yorker Börse zählten Aktien etwa von Sandisk, Marvell Technology oder Micron mit bis zu fünf Prozent zu den Verlierern. Selbst die Titel des KI-Chipriesen Nvidia verloren etwas mehr als ein Prozent.

Zu den Marktverlierern zählten auch die Aktien von Elon Musks Raumfahrt- und KI-Konzern SpaceX sowie des Elektroautobauers Tesla mit zeitweise mehr als fünf Prozent Verlust. Der reichste Mensch der Welt hatte fast eine halbe Milliarde Dollar gespendet, um die Republikaner zu unterstützen und den Bundesstaat Texas für sie zu sichern - die Heimat von Tesla und SpaceX. Dort wird er sich auf Gegenwind einstellen müssen. Experten erwarten auch, dass der neue Kongress die Geschäfte des Unternehmers genauer unter die Lupe nehmen wird.

ZDF-Korrespondent Armin Coerper ist zu sehen.

US-Demokrat Abdul El-Sayed hat die Wahl in Michigan gewonnen. ZDF-Korrespondent Armin Coerper berichtet über einen möglichen Linksruck innerhalb der US-Demokraten.

04.11.2026 | 1:04 min

Im Aufwind waren dagegen Aktien von Anbietern erneuerbarer Energien. In der Hoffnung auf eine veränderte Politik in den USA zog auch der deutsche Leitindex Dax um mehr als 2,2 Prozent in Richtung Allzeithoch an. In New York waren die Kursgewinne beim Dow Jones Industrial ausgeprägt - bei den Tech-Werten im Nasdaq 100 war die Reaktion hingegen durchwachsener.

Überinterpretieren sollten Anleger die ersten Börsenreaktionen nicht, erklärt Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. In den vergangenen 75 Jahren habe es in den 100 Tagen nach den Midterms immer ein Plus gegeben - "und zwar ein kräftiges". Ein klares Muster zur Börsenentwicklung in Jahren mit einem geteilten Kongress oder einem Kongress gegen die Partei des US-Präsidenten gebe es aber nicht.

Quelle: Reuters, dpa, AP, ZDF
Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 04.11.2026 ab 17 Uhr.

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen

Jetzt aktivierenMehr erfahren

Mehr zu den Midterms

  1. Das US-Kapitol in Washington, DC.

    Nachrichten | Thema:Midterms in den USA


  2. Frau mit Hut und Sonnebrille bei einer Demo in den USA hält ein Schild mit der Aufschrift: no wall, no ban, no cages, no trump

    Politik | auslandsjournal:Amerikas umstrittene Abschiebungen

    von Jutta Sonnewald
    Video6:35

  3. Zwei Hände halten Dollar-Scheine, links auslandsjournal-Logo: gelbes a

    Politik | auslandsjournal:Teurer leben in New York

    von Armin Coerper
    Video6:47

  4. Demonstrant*innen vor dem Weißen Haus in Washington halten Schilder mit der Aufschrift "protect medicaid"

    Politik | auslandsjournal:USA: Wenn der Arztbesuch arm macht

    von Heike Slansky
    Video6:09

  5. Eine Karte der USA mit farbigen Punkten über dem Kapitol
    Grafiken

    Von Rot zu Blau:US-Repräsentantenhaus: Wie die Wahlbezirke gewählt haben

    von Luisa Billmayer, Moritz Zajonz
    mit Video0:16

  6. Umriss der USA mit den Logos der beiden Parteien Demokraten und Republikaner

  7. Anhänger des  Demokratischen Partei in Washington

    Nachrichten | ZDF spezial:Historischer Wahlerfolg

    von Jutta Sonnewald
    Video5:55

  8. Trump

    Nachrichten | ZDF spezial:Trumps Drohungen

    von Elmar Theveßen
    Video3:12

  9. Bundeskanzleramt in Berlin bei der Abenddämmerung

    Nachrichten | ZDF spezial:Warnung vor Erleichterung

    von Andreas Huppert
    Video2:39