Nach Erfolg bei den Midterms-Wahlen:Können die Demokraten jetzt Trumps Krieg gegen Iran stoppen?
von Nils Metzger
Die Republikaner haben die Kontrolle über den US-Kongress klar verloren. Was heißt das für Donald Trumps Krieg gegen Iran? Können die Demokraten neue Angriffe jetzt stoppen?
Es ist ein großer Triumph für die Demokraten: In fünf traditionell republikanischen Staaten gewinnen sie die Senatssitze. Mit diesem „blauen Tsunami“, wie viele den Wahlerfolg nennen, strafen die Wähler vor allem Donald Trump ab.
04.11.2026 | 2:30 minDie Zwischenwahlen haben US-Präsident Donald Trump eine deutliche Niederlage gebracht. Es sei der "Anfang vom Ende" der Ära Trump, merkten im Anschluss viele Beobachter an.
Seine Republikaner kontrollieren nun nicht mehr wie zuvor beide Kammern im Kongress. Trump ist von nun an das, was Experten gemeinhin als "lame duck" (lahme Ente) bezeichnen: ein Präsident, dessen Macht für die Rest der Amtszeit deutlich eingeschränkt ist.
Was heißt das für Trumps umstrittenen Iran-Krieg? Zwar haben die Demokraten nun verschiedene Machtoptionen, um den Präsidenten politisch unter Druck zu setzen. Kurzfristig wird das an Trumps Möglichkeit für Angriffe auf Iran aber wenig ändern.
Nach den Wahlniederlagen der Republikaner bei den Zwischenwahlen im Kongress hat US-Präsident Trump angekündigt, die Wahlergebnisse anzuerkennen. Dies äußerte er bei Fox News.
04.11.2026 | 0:20 minTrumps verbliebene Superpower: Das Veto
Wegen deutlich gestiegener Treibstoffpreise ist der Iran-Krieg auch in Regionen der USA unpopulär, die eigentlich eher republikanisch wählen. In einer ersten Reaktion auf die Wahlergebnisse gestand Trump das in einem Gespräch mit dem Sender Fox News ein.
Im gleichen Interview bekräftigte Trump, von seinem mächtigsten verbliebenen Werkzeug nun Gebrauch zu machen: seiner Veto-Kraft. Über die neue demokratische Mehrheit im Kongress sagte er:
Sie werden Sachen rüberschicken, die verrückt sind, und ich werde sie mit einem Veto belegen.
US-Präsident Donald Trump
Gesetze, die der Kongress beschließen will, darf der US-Präsident laut Verfassung zeitlich unbegrenzt blockieren. Überstimmt werden darf das nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern, die die Demokraten nicht besitzen.
Die Republikaner stünden nun vor einer großen Identitätskrise, so Politikwissenschaftler Julian Müller-Kaler. Es bleibe abzuwarten, in welche Richtung sich die Partei entwickelt.
04.11.2026 | 17:19 minRingen um den neuen Verteidigungshaushalt
Weitere Angriffe auf Iran pauschal zu verbieten, wird also schwierig. Was manche Demokraten bereits angekündigt haben: Im Kongress Finanzmittel blockieren zu wollen, die für den Iran-Krieg vorgesehen sind - insbesondere den jährlichen US-Verteidigungshaushalt. Ein solcher Schritt wäre nicht von heute auf morgen möglich, bis zum 3. Januar 2027 sind noch die alten Mehrheitsverhältnisse aktiv.
Das Verteidigungsbudget für 2027 ist bislang nicht beschlossen, im Juli scheiterte eine Abstimmung im Senat. Für die Republikaner wird es nun darauf ankommen, ob sie bis Jahresende rechtzeitig eine überarbeitete Version beschlossen bekommen - andernfalls hätte die neue demokratische Mehrheit ein weiteres Mittel zur Blockade.
Doch auch das wäre politisch kein Selbstläufer. Einerseits würden sich die Demokraten so dem Vorwurf aussetzen, die nationale Sicherheit zu gefährden. Ein umfangreicher Budget-Shutdown der US-Regierung wegen des Iran-Kriegs würde auch eigene Wählergruppen treffen. Viele der jetzt neu gewählten Demokraten vertreten konservative Regionen - linke Antikriegsrhetorik stößt dort teils eher auf Ablehnung.
In den allermeisten europäischen Hauptstädten würde man sich sehr über Trumps Niederlage bei den Midterms freuen, so ZDF-Korrespondent Ulf Röller aus Brüssel.
04.11.2026 | 3:21 minDemokraten könnten Verteidigungsminister Hegseth blockieren
Bei einer Wahlkampfveranstaltung vor drei Tagen sagte der designierte neue demokratische Mehrheitsführer Hakeem Jeffries:
Eine der ersten Sachen, die wir als Mehrheit tun werden, ist, Pete Hegseth vom Hof zu jagen.
Hakeem Jeffries, neuer Fraktionsführer im Repräsentantenhaus
Den umstrittenen US-Verteidigungsminister Hegseth mit Anhörungen und Untersuchungsausschüssen zu beschäftigen oder gar aus dem Amt zu drängen, wird eine weitere strategische Option der Demokraten sein.
Das hat zwar keine direkten Auswirkungen auf die Truppenpräsenz um Iran. Doch wenn der Fokus von Hegseth und seinem direkten Umfeld mehr darauf liegt, den Minister für Befragungen vorzubereiten, könnten für die Ausarbeitung neuer Militärschläge Zeit und Fokus fehlen.
Die Demokraten haben die Wahl in Texas gewonnen. James Talarico gewinnt den Senatssitz, Gina Hinojosa wird Gouverneurin. Der Staat war jahrzehntelang republikanisch.
04.11.2026 | 1:45 minUS-Präsident ist oberster Befehlshaber der Streitkräfte
Letztlich steht das US-Parlament jedoch vor dem Problem, dass die Entscheidungskompetenz in der Außenpolitik in weiten Teilen beim Präsidenten liegt. Das umfasst mit gewissen Einschränkungen auch das Führen von Kriegen. ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen sagte dazu bei ZDFheute live:
In der Außenpolitik ist der Handlungsspielraum des Präsidenten eigentlich nach wie vor sehr uneingeschränkt.
Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington
Der US-Präsident ist oberster Befehlshaber der Streitkräfte und darf sie nach eigenem Ermessen einsetzen. Eingeschränkt wird das durch die sogenannte War Powers Resolution, die vorsieht, dass ein Militäreinsatz spätestens nach 60 Tagen durch den Kongress bestätigt werden muss.
Solch einen großen Sieg der Demokraten habe es selten gegeben, es sei eine klare Niederlage für Präsident Trump und seine Partei, so ZDF-Korrespondent Theveßen.
04.11.2026 | 16:44 minSeit Kriegsbeginn am 28. Februar sind nun schon fast 250 Tage vergangen, ohne dass eine entsprechende Abstimmung eingebracht wurde. Der Krieg läuft weiter. Trumps Administration argumentierte etwa, dass ein zwischenzeitlicher Waffenstillstand im April diese Frist unterbrach. Mehrfach gab es im Pentagon Überlegungen, die Iran-Operation umzubenennen oder ihren operativen Schwerpunkt in der Außendarstellung anzupassen, um damit auch eine neue Genehmigungsfrist zu bekommen. Teils vermied das Verteidigungsministerium ganz, von einem Krieg zu sprechen.
Ungeachtet der Legalität solcher Manöver zeigt das, dass die War Powers Resolution im Iran-Krieg bislang weitgehend zahnlos blieb. Ob die Demokraten mit ihrer neuen Mehrheit nun auf die Einhaltung des Gesetzes pochen und dafür sogar vor Gericht ziehen würden, muss sich noch zeigen. Vorerst könnte Trump den Krieg also ohne größere Einschränkungen fortsetzen.
Mehr zu den US-Zwischenwahlen
Deutsche Reaktionen auf Zwischenwahlen:Wadephul sieht im Ergebnis der Midterms einen "Wandel"
von Dominik Rzepkamit Video53:06US-Midterms in Michigan:Abdul El-Sayed: Neue Hoffnung für die US-Linke?
von Fränzi Meyermit Video1:05- Grafiken
Karten und Grafiken:Midterms in den USA: Die Ergebnisse der Wahlen live
von Luisa Billmayer, Robert Meyer, Marie Ries und Moritz Zajonzmit Video1:32 Machtwechsel bei Midterms in den USA:Texas, Georgia und Co: Wo historische Entscheidungen fielen
von Fränzi Meyer und Tim-Julian Schneidermit Video53:06