Tomahawk-Lieferung an die Ukraine? Was ein Einsatz bedeuten würde

Analyse

Debatte um Marschflugkörper:Tomahawk-Lieferung an Kiew? Was ein Einsatz bedeuten würde

von Christian Mölling, András Rácz

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Die Ukraine wünscht sich die Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern. Ein Einsatz wäre mit Herausforderungen verbunden, könnte aber auch erheblichen Druck auf Moskau ausüben.

Ein Tomahawk-Marschflugkörper absolviert einen kontrollierten Flugtest. (Archivbild)

Werden die USA Marschflugkörper des Typs Tomahawk an die Ukraine liefern? (Archivbild)

Quelle: Imago

Die Diskussion darüber, ob die USA der Ukraine möglicherweise das Tomahawk-Marschflugkörpersystem zur Verfügung stellen könnten, wird immer intensiver.

Welche Herausforderungen mit dem potenziellen Einsatz des Systems einhergehen und welche Vorteile es hätte - ein Überblick.

Herausforderungen

Mangel an Abschussanlagen

Zunächst einmal handelt es sich bei der BGM-109 Tomahawk in erster Linie um ein maritimes Raketensystem. Die Ukraine verfügt jedoch über kein einziges großes Überwasserkampfschiff oder U-Boot, das die Abschussanlage für den Tomahawk tragen könnte.

Daher besteht die einzige Möglichkeit, die Ukraine mit Tomahawks auszustatten, darin, die bodengestützte Version davon zu liefern: das Strategic Mid-range Fires System, allgemein bekannt als Typhon.

Da es sich hierbei jedoch um ein relativ neues System handelt, das in den USA erst seit 2023 im Einsatz ist, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die USA der Ukraine allzu viele solcher Abschussvorrichtungen liefern könnten.



Russische Flugabwehr

Zweitens handelt es sich bei Tomahawk um eine Unterschall-Marschflugrakete. Man sollte daher nicht erwarten, dass es sich um eine Art Wunderwaffe handelt. Tomahawks sind zwar relativ widerstandsfähig gegen Störsignale, aber anfällig für moderne Flugabwehrsysteme - und die russische Luftverteidigung ist seit langem für die Abwehr von Bedrohungen wie Tomahawks optimiert.

Geringe Anzahl

Drittens kann aus logistischen und politischen Gründen praktisch ausgeschlossen werden, dass die USA der Ukraine größere Mengen an Tomahawks liefern würden. Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Ukraine zunächst nur eine kleine, weitgehend symbolische Charge von Tomahawks erhalten wird, um zusätzlichen Druck auf Moskau auszuüben, damit die russische Führung in sinnvolle Verhandlungen über eine nachhaltige Beendigung des Krieges eintritt.

US-Abhängigkeit

Ein wichtiges Detail ist, dass die Ukraine die Tomahawks nur mit aktiver, enger Unterstützung der USA einsetzen kann. Die Vereinigten Staaten werden nicht nur Informationen liefern, sondern höchstwahrscheinlich auch für die eigentliche Zielerfassung sowie für die umfassende Wartung des Systems verantwortlich sein.

Letzteres wird sicherlich so lange der Fall sein, bis die ersten ukrainischen Besatzungen vollständig für den Betrieb des Systems ausgebildet sind.

Vorteile

Reichweite

Einer der wichtigsten Mehrwerte der Tomahawks ist ihre Reichweite. Einige Versionen reichen etwa 2.500 Kilometer weit. Das ist erheblich mehr, als die Reichweite aller anderen Langstreckenwaffen, über die die Ukraine derzeit verfügt. Damit liegen Moskau und St. Petersburg innerhalb der Reichweite der Tomahawks.

Dies wird den Kreml zwingen, seine modernsten Luftabwehrsysteme so zu verlegen, dass sie die wichtigsten infrastrukturellen und militärischen Ziele vor möglichen Tomahawk-Angriffen schützen können.

Präzision

Außerdem ist die Tomahawk eine sehr präzise Waffe, viel präziser als alle Langstreckenwaffen der Ukraine, einschließlich der neuesten, der Flamingo-Marschflugkörper. Die Flamingo hat zwar offiziell eine größere Reichweite von etwa 3.000 Kilometern, aber ihre Navigationssysteme sind weit weniger modern als die der Tomahawk.

Sprengkraft

Drittens trägt die Tomahawk je nach Variante einen konventionellen Sprengkopf von etwa 450 Kilogramm, der um ein Vielfaches größer ist als alle Sprengköpfe, die von den ukrainischen Langstreckendrohnen getragen werden.

Mehr Druck - Keine Kriegsentscheidung

Insgesamt werden die Tomahawks weder den Krieg zugunsten der Ukraine entscheiden, noch werden sie bei geringer Stückzahl in der Lage sein, entscheidende Schläge gegen die wichtigsten militärischen Infrastrukturen Russlands zu führen.

Gleichzeitig können sie jedoch erheblichen politischen und auch gewissen militärischen Druck auf Moskau ausüben, was dem Ziel der Trump-Regierung entspricht, Russland zu sinnvollen Verhandlungen zu zwingen.

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