Italien: Lebenslang für Femizid - Neuer Straftatbestand erlassen

Strafrecht verschärft:Trotz Femizid-Gesetz: Debatte in Italien geht weiter

von Valerie Braig, Rom

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Italien hat Femizid erstmals als eigenen Straftatbestand eingeführt. Künftig droht lebenslange Haft. Der Fall einer getöteten 17-Jährigen zeigt: Die Debatte geht weiter.

Giorgia Meloni, die Ministerpräsidentin von Italien, spricht in der Abgeordnetenkammer des Parlaments in Rom.

Italiens Parlament hat am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen im Jahr 2025 für einen neuen Straftatbestand in Bezug auf Femizide gestimmt.

Quelle: dpa

Wird eine Frau aufgrund ihres Geschlechts "aus Hass, Diskriminierung oder als Akt der Kontrolle" getötet, droht nach dem neuen Artikel 577 des italienischen Strafgesetzbuchs lebenslange Haft. Damit definiert Italien Femizid erstmals ausdrücklich als eigenen Straftatbestand. In Deutschland gibt es eine solche Regelung nicht.

Seltene Einigkeit im Parlament

Das Parlament in Rom verabschiedete das Gesetz symbolisch am 25. November 2025 - dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Die Abgeordnetenkammer stimmte ohne Gegenstimme für den neuen Straftatbestand. Eine solche Einigkeit ist im italienischen Parlament selten. In diesem besonderen Fall unterstützten Regierung und Opposition den Vorstoß gemeinsam.

Foto einer jungen Frau wird von einer Frau in der Hand gehalten.

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"Wichtiges Zeichen gegen Barbarei"

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete das Gesetz als "wichtiges Zeichen gegen die Barbarei der Gewalt an Frauen".

Allein im Jahr 2025 wurden in Italien laut Angaben des Innenministeriums mindestens 85 Frauen aufgrund ihres Geschlechts ermordet, meist im familiären oder partnerschaftlichen Umfeld.

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Die Soziologin Chiara Saraceno sieht vor allem gesellschaftliche Ursachen für die Gewalt. "Es ist nicht nachweisbar, dass strengere Strafen oder neue Straftatbestände die Zahl solcher Taten verringern", sagt sie gegenüber ZDFheute.

Entscheidend sei vielmehr eine "große kulturelle Anstrengung", etwa durch Präventionsarbeit und stärkere Unterstützung von Anti-Gewalt-Zentren. Dies fange schon in den Schulen an, wo die italienische Regierung jedoch die Beziehungs- und Sexualerziehung derzeit behindere.

Reform des Sexualstrafrechts vorerst gestoppt

Auch eine weitere Reform zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt sorgt in Italien für Diskussionen. Ein Gesetzentwurf zur Verschärfung des Sexualstrafrechts steckt momentan im Senat fest.

Ursprünglich sollte darin festgeschrieben werden, dass sexuelle Handlungen ohne "freie und aktuelle Zustimmung" als Vergewaltigung gelten. Doch in einer überarbeiteten Fassung wurde der Begriff der Zustimmung wieder gestrichen. Stattdessen ist nun von Handlungen "gegen den Willen der betroffenen Person" die Rede.

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Kritiker sehen darin eine Abschwächung des sogenannten Konsensprinzips. Ende Februar demonstrierten mehrere Tausend Menschen in Rom gegen die Änderung. Auf Plakaten und Bannern standen Slogans wie: "Nur Ja heißt Ja" oder "Ohne Zustimmung ist es immer Vergewaltigung".

Aktueller Fall sorgt für Diskussionen

Die Debatte um Femizide reißt in Italien nicht ab. Am 6. Februar 2026 wurde die 17-jährige Zoe Trinchero in Norditalien von einem 19-Jährigen getötet. Nach bisherigen Ermittlungen soll er die Jugendliche geschlagen, gewürgt und in einen Bach geworfen haben. Laut Angaben der Polizei soll der Täter aus Wut gehandelt haben, nachdem die Jugendliche ihn zurückgewiesen hatte.

Ob der Fall unter den neuen Straftatbestand des Femizids fällt, ist noch unklar. Die feministische Bewegung Non Una Di Meno ("Nicht eine weniger") kritisiert, dass es sich bei der Tötung der Jugendlichen nicht um einen "Wutanfall" des Täters handle, sondern um strukturelle Gewalt gegen Frauen.

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Das Problem der tief verankerten Rollenbilder

Auch die Soziologin Chiara Saraceno sieht hinter Femiziden tief verankerte Rollenbilder. "Es besteht kein Zweifel, dass asymmetrische Geschlechterrollen weiter existieren - auch unter jüngeren Generationen", sagt sie. Viele Männer seien noch immer nicht in der Lage, "die Freiheit von Frauen oder eine Trennung zu akzeptieren". Dahinter stehe oft "eine Schwäche männlicher Identität, die sich in manchen Fällen in Gewalt und Unterdrückung äußert".

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Gesetz mit Signalwirkung

Mit der Einführung des Straftatbestands Femizid hat Italien dennoch eine symbolische Zäsur vollzogen. Zum ersten Mal wird im Strafgesetzbuch ausdrücklich anerkannt, dass Frauenmorde häufig geschlechtsspezifische Gewalt darstellen - und deshalb besonders bestraft werden sollen.

Über dieses Thema berichtete die Sendung heute journal update am 06.03.2026 ab 00:00 Uhr.
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