Spanien: So schützen sich Menschen vor der extremen Hitze

Extremhitze in Südeuropa:Spanien setzt auf Klimaanlagen und die Siesta

von Brigitte Müller, Madrid

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40 Grad und mehr: auch die an Hitze gewöhnten Südeuropäer kommen an ihre Grenzen. Mit Klimaanlagen, Warnsystemen für den Körper und anderen Arbeitszeiten wollen sie sich schützen.

Menschen stehen in Rom an einem Brunnen und füllen sich Wasser ab.

In weiten Teilen Europas steigen die Temperaturen auf bis zu 40 Grad. In Spanien, Italien und Frankreich gilt Alarmstufe Rot – und auch in Deutschland wächst die Belastung durch die Hitze.

24.06.2026 | 2:19 min

Wer glaubt, Spanierinnen und Spanier würden weniger unter der Hitze leiden als Menschen in Mitteleuropa, der irrt - einen Gewöhnungseffekt gibt es nicht und die Perioden der Extremhitze werden länger. Allerdings gibt es traditionelle und neue Gewohnheiten, damit umzugehen.

Hitze-Warnsysteme für den Körper

In Barcelona und anderen Städten werden in diesem Jahr Thermo-Armbänder an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gartenbauämter verteilt, die piepen, wenn Körper- oder Außentemperatur stark ansteigen. Dann heißt es ab in den Schatten und Wasser trinken, bis der Köper sich erholt hat.

Bevor ich das Armband hatte, wurde mir oft schwindelig und ich bekam Kopfschmerzen. Jetzt ist das besser.

María Teresa Sánchez, Gartenbauangestellte in Parla

Eine Frau schützt sich mit einem Fächer vor der Sonne in Sevilla, Spanien.

Madrid ist vorbereitet: Mit kühlen Ecken in Markthallen, Wasserspielplätzen - und vor allem flexiblen Arbeitszeiten und vier Tagen bezahlter Freistellung, sollte die Hitze am Arbeiten hindern.

19.06.2026 | 2:08 min

Die Arbeitszeiten in der Verwaltung und privaten Unternehmen werden vielerorts im Sommer angepasst. Im Juli und August wird früher angefangen und kürzer gearbeitet - um 15 Uhr ist Schluss, wo es sonst bis in den späten Nachmittag geht.

Die fehlenden Stunden werden in den anderen Monaten nachgeholt. Das gilt für Tätigkeiten in Innenräumen, besonders aber für solche, die im Freien verrichtet werden. Gibt der Wetterdienst Hitzewarnungen der Stufe orange und gelb aus, also von etwas unter oder über 40 Grad, müssen die Arbeitszeiten angepasst werden, um die Gesundheit der Angestellten zu schützen.

Jedes Jahr führen wir eine spezielle Kampagne durch, um die Verpflichtung zum Schutz vor hohen Temperaturen in Unternehmen zu kontrollieren und zu überwachen - vor allem von Arbeiten im Freien, im Bauwesen, in der Landwirtschaft, die am stärksten betroffen sind.

Joaquín Pérez Rey, Staatssekretär für Arbeit

Kühle Innenräume bieten Schutz

Für Touristen und Einheimische werden zudem von Jahr zu Jahr mehr Klimaschutzräume ausgewiesen. Das sind in der Regel öffentliche, klimatisierte Räume, die Zuflucht vor der bleiernen Hitze bieten, ohne das dort konsumiert, also Geld ausgegeben werden muss. Dazu gehören Bibliotheken, Kulturzentren, verschiedene Museen, Rathäuser oder klimatisierte Markthallen, in die einfach ein paar Bänke zum Ausruhen gestellt werden.

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Ein Highlight unter diesen Schutzräumen ist der Madrider Jugendstil-Kulturtempel Círculo de Bellas Artes. Im Ballsaal im zweiten Stock steht eine mehrstöckige Holzkonstruktion mit Liegen, Hängematten, Sesselchen und vielen Pflanzen. Zudem bleibt Platz für eine Art Co-Working im Kühlen, eine Oase im zugepflasterten Herzen der Stadt.

Es lebe die Siesta

Trinkbrunnen, die überall in den Städten verteilt sind, bieten ein bisschen Abkühlung, Sonnensegel über Einkaufsstraßen und einigen Spielplätzen spenden Schatten.

Doch am späten Nachmittag, wenn die Sonne so richtig brennt, verziehen sich die Menschen in Spanien in abgedunkelte Innenräume, selbst die Strände meiden sie. Die oft belächelte Siesta ist im Hochsommer fast unausweichlich, das Leben kehrt erst spät, sehr spät am Abend auf die Straße zurück.

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18.06.2026 | 2:08 min

Mehr Klimaanlagen in Südeuropa

Bei Temperaturen über 40 Grad setzen die Menschen immer mehr auf Klimaanlagen. Laut einer Studie des Immobilienportals Idealista von 2024 sind 41 Prozent der spanischen Wohnungen damit ausgestattet, mit regionalen Unterschieden.

Im andalusischen Sevilla sind Dreiviertel der Wohnungen klimatisiert, in Madrid 65 Prozent und weiter im Nordwesten, wo es eigentlich kühler sein sollte, sind es nur zwischen ein und sechs Prozent der Wohneinheiten. Dort sind die extremen Hitzeperioden besonders belastend für die Bevölkerung.

Hitzeschutz-Vorgaben per Gesetz

Für Arbeitsplätze in Innenräumen gibt es gesetzliche Vorgaben: die Temperaturen müssen zwischen 17 und 27 Grad gehalten werden, bei leichter körperlicher Arbeit dürfen die Höchsttemperaturen 25 Grad nicht überschreiten.

Dies gilt auch für Krankenhäuser, die alle über ein Kühlsystem verfügen, obwohl es dort auch Ausfälle gibt, wie die Krankenpflegegewerkschaft SATSE bemängelt. In Seniorenresidenzen müssen die Temperaturen ebenfalls unter 27 Grad gehalten werden. In der Regel gibt es dort Klimaanlagen, oft gepaart mit Ventilatoren.

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Die Diskussion über Klimaanlagen als Klimakiller wird in Spanien nur leise geführt. Erst langsam beginnen die Städte, versiegelte Flächen zu öffnen, Gebäude im großen Stil zu isolieren oder intelligente Häuser zu bauen - ein Prozess, der noch Jahrzehnte dauern wird. Die Extremhitze ist dagegen schon jetzt Realität und klimatisierte Räume oft die einzige Möglichkeit, ihr zu entkommen.

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Über dieses Thema berichteten unterschiedliche Sendungen, unter anderem die Volle Kanne in dem Beitrag "So erleben die Menschen in Europa die Hitze" am 24. Juni 2026 ab 9 Uhr.

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