Hitzeschutz: Daran hakt es in der deutschen Politik

Ministerium: "Würden gerne mehr tun":Daran hakt der Hitzeschutz in Deutschland

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

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Hitzeschutz ist Ländersache. Das betonte am Montag Umweltminister Carsten Schneider (SPD). Hinter den Kulissen wird aber diskutiert, wie der Bund stärker eingreifen könnte.

Löschroboter

Das aktuelle Extremwetter belastet Menschen und die Natur. In ganz Deutschland halten mehrere Waldbrände die Feuerwehr in Atem, und auch die Infrastruktur kommt an ihre Grenzen.

29.06.2026 | 3:48 min

Zur "Chefsache" will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Hitzewelle in Deutschland nicht machen. Das würde das "Wetter" auch nicht ändern und man wolle zudem keine "Erwartungen wecken, die nicht erfüllt werden", sagte sein Regierungssprecher am Montag in Berlin. Ausgerechnet beim Klima-Thema entdeckt Merz also den Erwartungsmanager in sich.

Bundesländer müssen Strategien erarbeiten

Aktuell auch zurecht: Schließlich sind in Deutschland größtenteils die Bundesländer für den Hitzeschutz zuständig. Der Bund kann nur einen Rahmen vorgeben. So müssen alle Länder eine Klimaanpassungsstrategie mit messbaren Zielen vorlegen. Das können unter anderem mehr Grünflächen in der Innenstadt oder auch Hitzeschutzpläne für Krankenhäuser sein.

Straße

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen bei Hitzewellen wie dieser einen deutlichen Einfluss des Klimawandels. Gerade Großstädte müssen deshalb umdenken, wie das Beispiel Bochum zeigt.

26.06.2026 | 9:32 min

Ein halbes Jahr haben die Länder dafür noch Zeit. Aktuell haben laut Ministerium nur Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Niedersachsen entsprechende Strategien, die, wie gefordert, auch die Kommunen in die Pflicht nehmen.

Hitzeschutz könnte vereinheitlicht werden

Doch ähnlich wie bei der Bildung, entsteht so auch beim Hitzeschutz ein Flickenteppich von vielen unterschiedlichen Maßnahmen. Aus diesem Grund haben sich Union und SPD im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, zumindest zu prüfen, ob man Klimaanpassung als sogenannte Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz aufnehmen könnte.

Das würde bedeuten, dass der Bund dauerhaft in die Finanzierung einsteigen könnte. Aktuell geht das nur durch einzelne Förderprogramme. Zudem hat der Bund den Ländern mit dem Sondervermögen 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Daraus soll, wenn es nach Umweltminister Carsten Schneider (SPD) geht, auch der Hitzeschutz finanziert werden.

Das ist sehr, sehr viel Geld. Und es ist in den Händen der Länder - sie sind frei in der Mittelverausgabung, wofür sie die Prioritäten setzen.

Carsten Schneider (SPD), Bundesumweltminister

Jeder, der es "bis jetzt noch nicht kapiert hat", dass "wir mitten im Klimawandel sind", könne das jetzt erleben, so der Minister.

SGS Wetter

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28.06.2026 | 2:05 min

Umweltministerium würde "gerne mehr tun"

Wenn die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe festgeschrieben wäre, könnten so beispielsweise auch Hitzeschutzpläne vereinheitlicht werden. Der Haken: Die Länder müssten Macht abgeben. Die Umweltminister der Länder drängen dennoch darauf.

Man "würde gerne mehr tun", sagte dazu ein Sprecher des Umweltministeriums am Montag in Berlin. Aktuell liegt der Ball bei den Ministerspräsidenten, die sich im Bundesrat dafür aussprechen müssten. Außerdem wäre im Bundestag eine Zweidrittelmehrheit notwendig.

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Experte: "Hitzetipps" gelten mitunter als Aktionsplan

Beim Hitzeschutz sieht Jonas Gerke, Experte für Klimaanpassung bei der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit, im Vergleich zur Situation vor wenigen Jahren "deutliche Verbesserungen". Dennoch gäbe es einige "strukturelle" Schwachstellen, sagt Gerke zu ZDFheute.

Hitzeaktionsplanung ist in Deutschland bislang keine kommunale Pflichtaufgabe. Es gibt weder eine einheitliche Definition noch verbindliche Mindestinhalte.

Jonas Gerke, Experte für Klimaanpassung

Das führe dazu, dass schon "Hitzetipps" auf einer Stadtwebsite als Aktionsplan gewertet werden, genau wie ein detaillierter Maßnahmenkatalog. Hitzeplanung hänge in Deutschland oft vom "politischen Willen" und "einzelnen engagierten Personen" ab, so der Experte.

Hitze könnte Steuereinnahmen senken

Kaum bekannt ist, dass unter der enormen Hitze nicht nur die Menschen und die Umwelt leiden, auch die Wirtschaft könnte schmelzen. Eine Untersuchung des Versicherungsunternehmens Allianz legt nahe, dass die deutsche Wirtschaft aufgrund von Hitze bis zum Jahr 2030 rund 131 Milliarden US-Dollar (rund 114,8 Milliarden Euro) Verluste machen könnte.

Das liegt zum einen daran, dass ab 30 Grad Celsius die Produktivität der Angestellten signifikant sinkt, zum anderen an den steigenden Energiekosten für die Kühlung. Die Allianz rechnet deshalb mit einem Rückgang der Steuereinnahmen um jährlich etwa 0,7 Prozent.

Das wäre dann ganz sicher "Chefsache".

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Über die Hitzewelle in Deutschland berichteten mehrere Sendungen, darunter heute in Deutschland am 26.06.2026 ab 14:00 Uhr.

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