Hitzestress in Deutschland:Eiswürfel-Boom, Frühere Müllabfuhr und neue Schutzideen
von Sophie-Luise Reinke
Von Eisproduzenten bis Müllabfuhr: Die Hitzewelle verändert den Alltag. Gleichzeitig investieren Städte in Konzepte gegen Hitze und Starkregen.
Eine außergewöhnliche Hitzewelle rollt über Deutschland: das hat nicht nur volle Freibäder und ausverkauftes Eis zur Folge. Die Sonne heizt Städte auf und macht den Alltag für viele unerträglich.
27.06.2026 | 6:33 minWährend die meisten Menschen bei Temperaturen über 40 Grad nach Schatten und Abkühlung suchen, erlebt ein Berliner Unternehmer gerade die stressigste Zeit des Jahres. Denn je heißer es wird, desto mehr wird sein Produkt gebraucht: Eiswürfel. "Die Nachfrage ist explodiert", sagt Eisproduzent Jan Püschel.
Alles, was laufen kann und einen Führerschein hat, ist unterwegs. Alle Autos sind unterwegs. Wir machen Überstunden und mehrere Touren.
Jan Püschel, Eisproduzent
Die Hitzeglocke sorgt weiterhin für heißes Wetter und Gefahr: Straßenbeläge geben nach, viele Menschen suchen nach kühlenden Orten, um die Rekordtemperaturen aushalten zu können.
26.06.2026 | 4:56 minEiswürfel sind gefragt
Die Firma produziert gerade rund um die Uhr. Zumindest an einem der kühlsten Arbeitsplätze in Deutschland. Im Lager sind es Minus 12 Grad – rund 50 Grad Temperaturunterschied zu Draußen. Täglich entstehen etwa zehn Tonnen Eiswürfel. Doch selbst das reicht bei Hitzewellen kaum aus. Eiswürfelproduzent Püschel sagt: "Wir sind zurzeit im völligen Ausnahmezustand."
In Eiswürfel-Not sind die Restaurants, Cafés und Bäckereien. "Eiscafé läuft mega, kalte Getränke laufen gut", berichtet der Berliner Bäcker Mathis Habering. An heißen Tagen brauche seine Backstube das Eis sogar für die Teigherstellung. "In der Bäckerei sind es fast 40 Grad, deswegen brauchen wir Eis, um das Wasser runterzukühlen", sagt der Bäcker.
Aufgrund des Sommerwetters ist die Eiswürfelproduktion bei Lieferanten auf Hochtouren. Zwölf bis 13 Tonnen werden täglich an Bars, Cafés und Gastronomiebetriebe ausgeliefert.
20.06.2026 | 0:27 minHitzeschutz bei der Müllabfuhr
Während die einen von der Hitze profitieren, kämpfen andere Berufsgruppen täglich gegen ihre Folgen. Zum Beispiel die Müllabfuhr in Kiel. Dort beginnt die Schicht an besonders heißen Tagen inzwischen schon vor Sonnenaufgang.
Wenn man bei Temperaturen von 32 bis 34 Grad schwere Tonnen aus Kellern holen muss, dann geht das auf den Kreislauf.
Christian Schmidt, Werkleiter Kieler Abfallwirtschaft
Deshalb wurden die Arbeitszeiten vorverlegt. Die Beschäftigten bekommen außerdem Wasser, Obst, Sonnencreme, Sonnenschutzkleidung und zusätzliche Trinkpausen. Bei den Mitarbeitern kommt das gut an. "Wir fangen eine Stunde früher an und hören eine Stunde früher auf", sagt Müllwerker Fabian Hein. So vermeiden sie die Arbeit in der Mittagssonne. Um 10 Uhr ist dann erstmal Schluss, bis es kühler wird. Trotzdem bleibe die Arbeit laut Müllwerker Hein belastend. "Gerade bei dem Wetter ist es schon sehr hart."
Das Wichtigste sei viel trinken. Wasser stehe jederzeit auf dem Fahrzeug bereit. Müllwerker Damian Frost beschreibt die körperliche Belastung so: "Man merkt das dann doch schon, wenn man zuhause angekommen ist. Dann sagt der Körper: Heute war es ein bisschen anstrengender als sonst", so Hein.
Immer häufiger setzen Trockenheit und Stürme den Wäldern zu. Wie können wir unsere Bäume retten und sie resilienter zum Schutz der Natur machen?
16.07.2026 | 29:44 minSchwammstädte gegen Hitzestress
Besonders in Städten ist die Hitzebelastung extrem hoch. Asphalt und Beton heizen sich stark auf und speichern die Wärme, auch wenn es nachts abkühlt. Deshalb wird nach Wegen gesucht, um sich gegen immer heißere Sommer zu wappnen.
Die Stadt Bochum baut Straßen nach dem sogenannten Schwammstadt-Prinzip um. Regenwasser wird nicht mehr möglichst schnell in die Kanalisation geleitet, sondern gespeichert. Unterirdische Speicherbecken und künftig sogar Steinwolle unter dem Asphalt sollen Wasser aufnehmen und langsam wieder an Bäume und Umgebung abgeben.
Bochum baut ein weltweit einmaliges System zu Regenwasserspeicherung. Unter einer der Hauptstraßen der Stadt wird ein Speicher verbaut, der wie ein Schwamm fungieren soll. Er hilft gegen Hitze und Starkregen.
25.06.2026 | 1:47 minDas Wichtigste ist für uns, Regenwasser aufzufangen, zwischenzuspeichern und dann bei Bedarf wieder einzusetzen.
Birgit Muéll, Leiterin des Bochumer Tiefbauamts
Ein positiver Nebeneffekt sei die Kühlung der Stadt. Durch Verdunstung entstehe "ein wesentlich besseres Klima, das kühler ist, angenehmer ist und dadurch für den Menschen lebenswerter".
Im Juli 2011 versank das dänische Kopenhagen förmlich bei einem Wolkenbruch. 14 Jahre später will die Stadt mehr als 300 Projekte umsetzen, um Überflutungen in Zukunft zu vermeiden.
14.10.2025 | 2:02 minSchwammstädte beugen auch Hochwasser vor
Rund 100 Bäume sollen künftig entlang der umgebauten Straße von dem gespeicherten Wasser profitieren. Gleichzeitig dient das System dem Hochwasserschutz.
Anfangs habe es durchaus Skepsis gegeben, berichtet Projektleiter Thorsten Pacha. "Die Angst von den Kollegen bestand, dass die Straße ständig unter Wasser steht." Inzwischen funktioniere das Konzept so gut, dass Straßen teilweise sogar ohne klassische Gullys gebaut würden.
Versiegelung: Ludwigshafen als mahnendes Beispiel
Wie groß der Handlungsbedarf vielerorts noch ist, zeigt dagegen Ludwigshafen. Die Industriestadt kämpft mit stark versiegelten Flächen. Mit 67 Prozent bebauter Flächen ist sie die am meisten versiegelte Stadt in Deutschland.
Asphalt und Pflaster speichern die Hitze über Stunden. "Versiegelte Flächen heizen sich sehr viel stärker auf als Grünflächen", erklärt Christiane Stolz, Projektkoordinatorin Klimaanpassungskonzept der Stadt. Besonders problematisch seien tropische Nächte, in denen die gespeicherte Wärme kaum entweichen könne. Auch dort sollen künftig Flächen entsiegelt und mehr Bäume gepflanzt werden.
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