"Erleben katastrophale Situation":Rekordhitze in Frankreich: Kein Platz mehr in Leichenhallen
In Frankreich hat die tagelange, erdrückende Hitze offenbar zu vielen Todesfällen geführt. In Paris sind die Leichenhallen überfüllt, Tote werden in benachbarte Regionen gebracht.
Die Hitzewelle in Teilen Westeuropas sorgte auch in Paris für Temperaturen weit über 30 Grad. (Symbolbild)
Quelle: dpaAlle paar Minuten klingelt das Telefon von Zouhaeir Hertelli. Und alle paar Minuten muss der Direktor einer Leichenhalle in Paris auf die gleiche Frage die gleiche Antwort geben: Nein, er hat keinen Platz mehr für einen weiteren Verstorbenen. Die 32 Plätze in seinem Kühlraum sind nach der Hitzewelle in Frankreich ebenso voll wie die von vielen seiner Kollegen.
Wir erleben eine wirklich katastrophale Situation, ich bekomme Hunderte von Anrufen.
Zouhaeir Hertelli, Leichenhallenbetreiber
Nach dem heißesten Tag seit Beginn der Aufzeichnungen in Frankreich am vergangenen Mittwoch und zahlreichen weiteren Tagen mit erdrückend hohen Temperaturen hat die Hitze mittlerweile nachgelassen. Bis eine endgültige Zahl der Hitzetoten vorliegt, könnte es Wochen oder gar Monate dauern. Aber schon jetzt ist klar, dass die hohen Temperaturen zu vielen Todesfällen beigetragen haben.
Den rechten "Rassemblement National" bringt die Hitzewelle in die Bredouille. Nun wollen die Klimawandel-Leugner aus der Defensive kommen, werfen der Regierung schlechtes Krisenmanagement vor.
26.06.2026 | 2:02 minNoch nicht alle Toten erfasst
Die nationale Gesundheitsbehörde Santé publique France hat am Sonntag in einer vorläufigen Schätzung festgestellt, dass vom Mittwoch bis Freitag vergangener Woche 1.200 bis 1.400 Todesopfer gemeldet wurden und damit deutlich mehr als im Durchschnitt von April bis Mai, als es 900 bis 1.000 täglich waren. Diese Zahlen dürften aber noch steigen, weil noch nicht alle Toten erfasst wurden, die zum Beispiel zu Hause gestorben seien oder in Pflegeheimen, in denen Todesfälle noch händisch erfasst werden, heißt es.
85 Prozent der Toten waren über 65 Jahre alt und besonders viele starben laut der Gesundheitsbehörde zu Hause.
Wir haben es mit einem enormen Anstieg der Todesfälle aufgrund der Hitzewelle zu tun.
Zouhaeir Hertelli, Leichenhallenbetreiber
Nach Angaben aus dem Pariser Rathaus wurden zwei vorübergehende Lagerungsplätze für 20 Tote bereitgestellt. Und auch die Krankenhäuser machten Platz für 50 weitere.
Zouhaeir Hertelli, Leiter eines Bestattungsunternehmens: "Wir sind wirklich voll, voll, voll."
Quelle: AP"Die Familien leiden, wir können keine Lösung anbieten"
Hertelli sagt, Kollegen hätten berichtet, sie hätten Leichen bis nach Chartres - 80 Kilometer von Paris entfernt - sowie in anderen Regionen rund um die Hauptstadt bringen müssen. Um mehr Platz zu schaffen, habe er die Behörden um die Erlaubnis gebeten, vorübergehend Kühlcontainer vor seiner Leichenhalle neben dem Pariser Flughafen Orly aufzustellen. Auf die Genehmigung warte er allerdings noch.
"Die Familien leiden", sagte Hertelli. "Wir können ihnen keine Lösung anbieten, weil die Leichenhallen voll sind. Das geht uns sehr nahe, wir fühlen mit ihnen mit, aber wir können nichts tun. Wir stehen wirklich vor einem Problem - einem großen Problem."
In Frankreich ist am Mittwoch den zweiten Tag in Folge der Rekord für den heißesten Tag gebrochen worden. Die landesweit höchste Temperatur verzeichneten zwei Gemeinden im Westen mit 43,8 Grad.
25.06.2026 | 0:21 minBestatterin: Lehren von Hitzewelle 2003 vergessen
Während einer Hitzewelle 2003 waren die hohen Temperaturen für 15.000 Todesfälle verantwortlich gemacht worden. Das hatte damals eine Debatte über die Versorgung älterer Menschen ausgelöst. Doch die Lehren daraus seien wieder vergessen worden, befürchtet die Bestatterin Véronique Bertrand.
Bei den meisten Todesfällen, mit denen wir derzeit zu tun haben, handelte es sich um Menschen, die allein zu Hause lebten, isoliert.
Véronique Bertrand, Bestatterin
"Angesichts der Umstände, unter denen sie aufgefunden wurden, kann es keine andere Schlussfolgerung geben, als dass es sich um hitzebedingte Todesfälle handelte", sagt Bertrand.
"Ich denke, die Menschen müssen unbedingt aufwachen, die Solidarität muss zurückkehren." 2003 sei eine Bewegung losgetreten worden. Menschen hätten mehr nach ihren allein lebenden, älteren Nachbarn gesehen, um sicherzugehen, dass sie genug Wasser trinken und versorgt sind. "Im Laufe der Jahre haben wir vielleicht vergessen, dass so etwas wieder passieren könnte und dass es dann vielleicht sogar noch schlimmer kommen würde."
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