Heiß, heißer - Europa:Wie sich Rom und Madrid vor der Sommerhitze schützen
von Matthias Pupat, Anna Warsberg und Barbara Lueg
Eine Hitzewelle hat weite Teile Europas fest im Griff. Städte wie Madrid und Rom steuern mit präventiven Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung entgegen.
Rom kennt sich mit Hitze aus. Die Stadt unterstützt Bewohner und Touristen mit Angeboten wie Trinkbrunnen, Kühl-Räumen für den Rückzug und entsiegelten Flächen, auf denen Parks entstehen.
18.06.2026 | 2:08 minDer Sommer im Süden Europas hat es jetzt schon in sich. Seit Ende Mai gibt es in Italien immer wieder Hitzewellen bei Temperaturen von bis zu 38 Grad. In der Hauptstadt Rom ächzen Touristen und Einheimische, selbst die schattigen Gassen bieten nur wenig Abkühlung.
Weniger Asphalt, mehr Grün
Die Stadtverwaltung hat gemeinsam mit Gesundheitsministerium und Zivilschutz ein umfangreiches Programm mit Präventionsmaßnahmen erstellt. Darin spielt die Umgestaltung der Stadt eine zentrale Rolle.
"Wir müssen Asphalt entfernen, den Grünanteil erhöhen und durch Wasser die Temperaturen senken, gerade in bestimmten Vierteln", sagt Edoardo Zanchini, der Leiter des Klimabüros Rom.
Bereits vor drei Wochen gab es eine Hitzewelle in Westeuropa, von der vor allem Italien und Frankreich betroffen waren. In Frankreich wurde ein neuer Hitzerekord verzeichnet.
29.05.2026 | 1:38 minHotspots des Klimawandels
Italien gilt schon lange als Hotspot des Klimawandels am Mittelmeer. Immer weniger Niederschläge gibt es vor allem im Süden des Landes. Extreme Dürreperioden belasten Landwirtschaft und Tourismus.
"Wir beobachten in Italien einen deutlich stärkeren Temperaturanstieg als in anderen Regionen der Welt und wir gehen davon aus, dass es in Zukunft zu einer fortschreitenden Wüstenbildung kommen wird - das heißt zu immer weniger Niederschlägen im Süden und an der tyrrhenischen Küste", so das finstere Szenario von Klimaforscher Massimo Frezzotti.
Durch den menschengemachten Klimawandel werden Hitzerekorde immer häufiger. Selbst das hitzeerprobte Spanien ist überrascht über den heißen Mai, in Frankreich gilt vielerorts Warnstufe Orange.
26.05.2026 | 1:21 min3.600 Trinkbrunnen allein in Rom
Rom immerhin gehört zu den Städten mit der größten Anzahl an Trinkbrunnen weltweit. 3.600 Stück verteilt über die ganze Stadt. Doch das allein reicht nicht, sagt Edoardo Zanchini, der Leiter des Klimabüros Rom:
Wir arbeiten derzeit an einem Plan für Klimazufluchtsorte in Rom, für Menschen, die keine Klimaanlage haben.
Edoardo Zanchini, Klimabüro Rom
Madrid ist vorbereitet: Mit kühlen Ecken in Markthallen, Wasserspielplätzen – und vor allem flexiblen Arbeitszeiten und vier Tagen bezahlter Freistellung, sollte die Hitze am Arbeiten hindern.
19.06.2026 | 2:08 minSpezielle Armbänder warnen
Ganz ähnlich ist die Ausgangslage in Madrid. Regelmäßig wird es hier inzwischen 40 Grad heiß - und mehr. Doch viele Menschen vergessen das regelmäßige Trinken, unterschätzen die Hitze. Deshalb hat die Stadtverwaltung für besonders betroffene Berufsgruppen spezielle Armbänder eingeführt.
Wenn der Körper überhitzt, gerät der Kreislauf schnell aus dem Gleichgewicht. Bestimmte Medikamente können zusätzlich stärker wirken. Welche Warnzeichen wichtig sind und was hilft.
11.06.2026 | 5:01 minWird die Körpertemperatur etwa zu hoch oder ist die Herzfrequenz außerhalb der Norm, schlägt die Technik Alarm, erläutert María Teresa Sánchez, die im Gartenbauamt arbeitet.
Und wenn es rot wird, musst du anfangen, Wasser zu trinken und dich ein bisschen ausruhen.
María Teresa Sánchez
Bei extremer Hitze kürzere Arbeitszeit
Außerdem gibt es die Möglichkeit, in den extremen Hitzeperioden die Arbeitszeiten zu reduzieren oder anzupassen, um Hitzschlag und Dehydrierung zu vermeiden. Mit Erfolg, erzählt Gema Isabel Torres, Umweltstadträtin aus Parla, einer Gemeinde im Großraum Madrid: "Diese Fälle sind stark zurückgegangen, seitdem wir die Maßnahmen ergriffen haben."
Abseits von den etwas Schatten spendenden Parks ist Madrid extrem dicht bebaut, die Böden versiegelt. 2.200 Wasserbrunnen sollen etwas Abhilfe schaffen. So wie auch die sogenannten Klimaschutzräume - etwa eine Markthalle. Hier kühlt sich Begoña Porta ab: "Die Temperatur hier ist phänomenal. Du kommst aus der Hitze von der Straße hier rein und alles ist gut."
Nur vor der Tür ist eben nicht mehr alles gut. Extreme Temperaturen sind im Sommer in Ländern wie Italien und Spanien längst keine Ausnahme mehr.
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