Rekordhitze: Forschende sorgen sich um Europas Klima

"European State of the Climate 2025":Sorge um Europas Klima: Rekordhitze von Meer bis Arktis

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Der Klimawandel zeigt sich in Europa immer deutlicher: Laut Forschenden erwärmt sich kein Kontinent schneller - und die Auswirkungen seien schon jetzt gravierend.

Klimabericht: Fast ganz Europa erlebt 2025 Extremwetter

Die Hitzewelle in Nordeuropa 2025 war außergewöhnlich heftig. Über Wochen blieb die Hitze über Skandinavien liegen. Christa Orben erklärt, warum sich diese Wetterlage festgesetzt hat.

29.04.2026 | 0:51 min

In fast allen Gebieten Europas ist es 2025 überdurchschnittlich warm gewesen. Der Kontinent erlebte unter anderem einen enormen Rückgang der Schnee- und Eisbedeckung, Dürren, Hitzewellen, Waldbrände und Meereserwärmung, vieles davon auf Rekordniveau.

Die Meeresoberflächen erlebten sogar die höchsten Durchschnittstemperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen; 70 Prozent der Flüsse führten weniger Wasser als gewöhnlich, wie aus dem Bericht "European State of the Climate 2025" hervorgeht.

Überschwemmung in Almodovar del Río, nachdem der Fluss Guadalquivir über die Ufer getreten ist.

Der EU-Klimawandeldienst Copernicus berichtet von Rekordregen in Teilen Europas und Nordafrikas. Dieser habe im Februar zu schweren Überschwemmungen und Schäden geführt.

10.03.2026 | 0:22 min

Experte: Europa der sich am schnellsten erwärmende Kontinent

Die Übersicht, die vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage, dem EU-Beobachtungsdienst Copernicus und der Weltwetterorganisation WMO herausgegeben wird, warnt vor Folgen für die Gesellschaft und für Ökosysteme in ganz Europa.

Florian Pappenberger, Generaldirektor des Europäischen Wettervorhersage-Zentrums (EZMW), betonte, Europa sei der sich am schnellsten erwärmende Kontinent. Die Auswirkungen seien schon jetzt gravierend. Brände hätten mehr als eine Million Hektar verbrannt, so viel wie nie zuvor. Nie seit Beginn der Aufzeichnungen hätten Deutschland, Spanien, Zypern, Großbritannien und die Niederlande so hohe Waldbrandemissionen erlebt.

1,5-Grad-Ziel vorübergehend nicht zu halten

Der Kontinent heize sich seit den 1980er Jahren doppelt so schnell auf wie die Welt als Ganzes, sagt WMO-Chefin Celeste Saulo. Für sie ist klar:

Der Rekordanstieg der Treibhausgase bedeutet, dass es in den nächsten Jahren praktisch unmöglich sein wird, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Celeste Saulo, WMO-Chefin

Das war ein Ziel der Weltklimakonferenz in Paris. 2024 lag der Wert bereits bei etwa 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau, 2025 waren es 1,48 Grad. Wichtig seien robuste Klimaschutzmaßnahmen, um die Überschreitung so niedrig und so kurz wie möglich zu halten. 

Zugleich biete der Bericht "klare, umsetzbare Erkenntnisse" für die Politik, so Pappenberger. Saulo lobte in dem Zusammenhang europäische Entscheidungsträger. Sie hätten angesichts des Klimawandels bereits "mutige Initiativen" zum Schutz der Artenvielfalt ergriffen. Auch könne die Produktion von klimafreundlicher Solarenergie steigen.

Carsten Schneider (SPD), Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, stellt das Klimaschutzprogramm 2026 der Bundesregierung vor.

Um dem Klimaschutz zusätzliche Impulse zu geben, plant die Bundesregierung nun viele neue Maßnahmen. Und will dafür acht Milliarden Euro bereitstellen.

25.03.2026 | 1:43 min

Schnelle Erwärmung in der Arktis und den Alpen

Der Bericht zeigt einen anhaltenden Trend zur raschen Erwärmung der kältesten Regionen Europas. Darunter sind die Arktis und die Alpen, wo Schnee und Eis entscheidend zur Eindämmung des Klimawandels beitragen, indem sie Sonnenlicht zurück ins All reflektieren. Im Polarkreis sei es teils mehr als 30 Grad warm gewesen.

Die schneebedeckte Fläche war laut dem Bericht 2025 fast ein Drittel kleiner als üblich. Der Eisschild Grönlands verlor so viel Masse wie das Eineinhalbfache der Alpengletscher. Norwegen, Schweden und Finnland erlebten eine dreiwöchige Hitzewelle mit Temperaturen über 30 Grad.

Auf der rechten Seite des Bildes zu sehen ist Host Mirko Drotschmann. Im Hintergrund zu sehen ist dürrer, ausgedrockneter Boden, mittig zu erkennen ist ein Wald in Form der BRD. Inmitten der BRD ist ein Fußabdruck sichtbar.

Vor wenigen Jahren war das Thema "Klima“ noch allgegenwärtig. Vernachlässigt Schwarz-Rot das Thema? Mirko Drotschmann blickt auf die Klimapolitik der Bundesregierung.

12.03.2026 | 8:33 min

Rekordwärme bei Meeresoberflächentemperatur

Die europäische Meeresregion verzeichnete die höchste jemals gemessene jährliche Meeresoberflächentemperatur. Es war das vierte Jahr in Folge mit Rekordwärme. Der Trend beeinträchtigt den Forschern zufolge die biologische Vielfalt im Meer, aber auch das Klima an Land, etwa durch höhere Luftfeuchtigkeit. Unabhängig davon zerstörten Waldbrände allein 2025 rund 10.300 Quadratkilometer, eine Fläche fast doppelt so groß wie der Schwarzwald.

Die Leiterin für strategische Klimaforschung beim EZMW, Samantha Burgess, sprach von einem düsteren Bild. Das Tempo des Klimawandels erfordere dringenderes Handeln:

Angesichts steigender Temperaturen sowie großflächiger Waldbrände und Dürren sind die Beweise eindeutig: Der Klimawandel ist keine Bedrohung der Zukunft, sondern unsere heutige Realität.

Samantha Burgess, Leiterin für strategische Klimaforschung beim EZMW

Quelle: KNA, dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute am 29.04.2026 um 4:00 Uhr in dem Beitrag "Wenn das Wetter 'feststeckt'".

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