Arktis-Experte: Grönland-Deal "verändert nichts Grundlegendes"

Interview

Arktis-Experte:Grönland-Deal "verändert eigentlich nichts Grundlegendes"

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Wie viel Kontrolle bekommen die USA mit dem Deal in Grönland? Laut Arktis-Experte Michael Paul weniger, als von Trump verkündet. Die Souveränität werde wohl nicht beschnitten.

Trump vor Weltkarte auf der die USA und Dänemark farblich hervorgehoben sind.

Dänemark, Grönland und die USA haben sich im Streit um die Arktis-Insel geeinigt. Laut US-Präsident Trump sollen die USA dauerhaft für Grönlands Sicherheit zuständig sein. ZDFheute live ordnet ein.

19.09.2026 | 19:34 min

Der Deal zwischen den USA, Dänemark und Grönland hat nach Einschätzung von Michael Paul von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) voraussichtlich eine geringere Tragweite als von US-Präsident Donald Trump dargestellt.

Trump zufolge sichern sich die USA mit der Vereinbarung weitreichende Befugnisse und Kontrolle über die Insel. Dänemark und Grönland betonten hingegen die Souveränität Grönlands. Bei ZDFheute live ordnete Arktis-Experte Paul ein, wie viel Kontrolle die USA nun bekommen könnten und welche Rolle der Deal für EU und Nato spielt.

Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte Paul über ...

... die geostrategische Bedeutung des Deals

Durch den Deal "verändert sich eigentlich nichts Grundlegendes, das ist ja das Erstaunliche", sagte Paul. Er freue sich aber, dass es zu einer friedlichen und einvernehmlichen Lösung gekommen sei und der Streit um Grönland beendet scheine.

Boote liegen im Hafen von Nuuk.

Nach langem Streit um die Arktisinsel haben sich die USA, Dänemark und Grönland auf ein Abkommen geeinigt. Dieses soll in der kommenden Woche unterzeichnet werden.

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Dennoch passe die Darstellung von Trump nicht zu der von Dänemark und Grönland, sagte Paul:

Es war immer eine rote Linie für Dänemark und Grönland, sich in ihrer Souveränität beschneiden zu lassen. Wenn Dänemark und Grönland davon sprechen, dass es einvernehmlich ist, gehe ich davon aus, dass die rote Linie nicht überschritten wurde.

Michael Paul, Arktis-Experte

Die Aussagen von Trump könne er daher nicht ganz nachvollziehen, sagte Paul. Trump hatte auf seiner Plattform Truth Social von einer "dauerhaften Kontrolle" nicht nur der Sicherheit, sondern auch "aller anderen Belange in Grönland" geschrieben. Gegner der USA dürften fortan ohne ausdrückliche Genehmigung keine militärischen Stützpunkte auf Grönland errichten, keine Präsenz dort haben und keine sensiblen Investitionen tätigen. 

Arktis-Experte Michael Paul in einem Sakko und Hemd. Der Hintergrund ist verschwommen.
Quelle: ZDF

... forscht zu Sicherheits- und Verteidigungspolitik mit den Schwerpunkten Arktis, Maritime Sicherheit, Nato und Rüstungskontrolle. Er ist Visiting Senior Fellow bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Diese berät politische Entscheidungsträger in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik sowie der internationalen und Europapolitik, darunter Bundestag und Bundesregierung sowie EU, Nato und Vereinte Nationen.


Eine "gute Frage" sei, gegen wen sich Trump auf Grönland überhaupt verteidigen wolle, sagte Paul. Die Aktivitäten von China und Russland jedenfalls seien eher auf Alaska ausgerichtet.

Grönland war aus sicherheitspolitischer Sicht nie so relevant, wie es Trump dargestellt hat.

Michael Paul, Arktis-Experte

... den Nutzen für die USA

Was die USA durch den Deal genau bekommen, könne erst bewertet werden, wenn der konkrete Inhalt des Abkommens bekannt sei, betonte Paul. Bereits der Vertrag von 1951 habe allen Nato-Staaten, also auch den USA, ermöglicht, in Grönland Militärbasen zu eröffnen. Im Kalten Krieg hätten die Amerikaner 17 Militärbasen und darüber hinaus Wetterstationen unterhalten.

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Heute gebe es nur eine Basis mit etwa 200 Militärangehörigen - "eine minimalistische Version dessen, was aus amerikanischer Sicht Sicherheit und Verteidigung beinhalten kann". Er rechne damit, dass die USA nun zwei weitere Militärbasen eröffnen werden, sagte Paul.

Karte: Basis der USA in Grönland

Karte: Basis der USA in Grönland

Quelle: ZDF

Für den von Trump geplanten "Golden Dome", einen Raketenabwehrschirm, der die USA schützt, bräuchte es das Abkommen nicht, sagte der Arktis-Experte. "Das ginge auch mit der vorhandenen Base." Interessant werde der neue Deal jedoch, falls nicht nur Radarsysteme etabliert, sondern auch Abwehrsysteme in Grönland stationiert werden sollen. "Aber das werden wir erst beurteilen können, wenn der konkrete Vertrag vorliegt."

Neben der strategischen Lage der Insel hätten auch immer schon die Bodenschätze eine Rolle gespielt, sagte Paul. Den Amerikanern sei es seit dem 19. Jahrhundert um beides gegangen. Wegen der hohen Umweltauflagen in Grönland sei aber fraglich, inwiefern der kommerzielle Abbau von Rohstoffen dort möglich sein werde. Entsprechende Abkommen würden "sicherlich noch Jahre oder vielleicht ein Jahrzehnt" brauchen.

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... mögliche Folgen für das Verhältnis zur Nato

Mit der Annexion der Insel des Nato-Mitglieds Dänemark hätte Trump eines der Kernprinzipien des Verteidigungsbündnisses gefährdet, sagte Paul. Der Deal bringe im Hinblick darauf nun etwas Ruhe, "insofern ist eine ganze Krise damit beendet worden".

Er sei aber der Meinung, dass eigentlich die Nato als Allianz auf Grönland vertreten sein sollte und nicht allein durch die Amerikaner.

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Mit Blick auf den Arktis-Gipfel der EU in der vergangenen Woche sagte Paul, für das europäische Engagement habe der jetzige Deal "erstmal gar keine Bedeutung". "Europa geht es darum, das Bildungswesen und nachhaltiges Wirtschaften in Grönland zu unterstützen." Hier gebe es noch einen langen Aufholprozess.

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Jessica Zahedi. Die Zusammenfassung ist von Anja Engelke.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 19.09.2026 ab 12:15 Uhr.

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