US-Raketenabwehr:"Golden Dome": So viel Sci-Fi steckt in Trumps Mega-Projekt
von Kevin Schubert, Jochen Spieß
Mit dem Raketenschirm "Golden Dome" will Trump die USA gegen alle Arten von Luftangriffen schützen. Doch Experten halten die unverwundbaren Staaten von Amerika für eine Illusion.
Das Grafikvideo zeigt, wie sich US-Militär und Donald Trump einen Abwehrschirm für die USA vorstellen, unter anderem mit Satelliten-Waffen. Wie realistisch und teuer ist der Plan?
29.01.2026 | 1:16 minDie USA als unverwundbare Staaten von Amerika: Dieses Versprechen will US-Präsident Donald Trump mit seinem "Golden Dome" einlösen. Der Raketenschirm der Zukunft soll alles können: Marschflugkörper und Interkontinentalraketen abfangen, aber auch feindliche Drohnen und Flugzeuge abwehren. Offizieller Kostenpunkt? 175 Milliarden Dollar. Finalisierung? 2029 - wenn Trumps zweite Amtszeit endet.
Was davon ist realistisch? Was ist erst einmal Science-Fiction? Und spielt Grönland tatsächlich eine "wichtige" Rolle, wie Trump behauptet? ZDFheute hat mit Liviu Horovitz, Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik, über das Mega-Projekt gesprochen.
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23.01.2026 | 11:49 minWie soll der "Golden Dome" die USA schützen?
Wie unser Grafikvideo zeigt, ist "Golden Dome" als mehrstufiges Abwehrsystem konzipiert. Dazu gehören bestehende Systeme an Land und zur See, etwa die Systeme Ground-Based Midcourse Defense (GMD) und Terminal High Altitude Area Defense (THAAD) oder Flugabwehrraketen vom Typ Patriot.
Mit den bestehenden Systemen sind die USA bereits führend in der Raketenabwehr. Mit Blick auf Interkontinentalraketen "haben sie aber ein Problem", sagt Sicherheitsexperte Liviu Horovitz. "Die USA planen Sprengköpfe frühestens in der mittleren Phase abzuwehren, wenn sie ihre ballistische Flugbahn erreicht haben."
Diese sogenannte Midcourse-Phase, auf der Interkontinentalraketen den erdnahen Weltraum erreichen, dauert zwar relativ lang. Allerdings können Interkontinentalraketen mit mehreren Sprengköpfen und Täuschkörpern ausgestattet werden, die sich während der mittleren Phase von der Trägerrakete lösen. "Als Verteidiger wissen Sie nicht, von welchem Sprengkopf die Gefahr ausgeht", erklärt Horovitz das Dilemma. "Wenn eine Rakete beispielsweise fünf Täuschkörper trägt, müssen Sie auch die abwehren."
Bei einer Interkontinentalrakete sei das für die USA handhabbar. "Mit der gegebenen Technologie erreicht ein Abfangsystem einen Sprengkopf - optimistisch geschätzt - mit 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit", sagt Horovitz. "Das heißt, um einen Angriff mit hoher Wahrscheinlichkeit abzuwehren, brauchen sie pro Sprengkopf und pro Täuschkörper mindestens drei Abwehrraketen." In unserem Beispiel also 18 - für eine Interkontinentalrakete.
"Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, wäre es technologisch schlauer, die Raketen bereits in der Startphase abzufangen", sagt Horovitz. Dazu brauche es allerdings Abfangsysteme im Weltall. Und genau hier setzen die USA mit der "Golden Dome"-Initiative an. Die Idee: "Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn sind mit Abwehrraketen ausgestattet und können feindliche Raketen bereits in der kurzen Startphase identifizieren, anvisieren und dann abwehren", erklärt der Experte.
Lassen sich die "Golden Dome"-Ziele bis 2029 realisieren?
"Wenn man Donald Trump wortwörtlich nimmt" - also sein Traum der unverwundbaren Staaten von Amerika - "ist das komplett unrealistisch", ordnet Liviu Horovitz ein. Dafür nennt er vor allem drei Gründe.
Technologische Realisierbarkeit
Die Technologie für die Satelliten, die es für "Golden Dome" bräuchte, müsste zumindest teilweise noch entwickelt werden, sagt Horovitz. "Das ist zwar theoretisch möglich, auch davon abhängig, wie viel Geld man investiert und wie viel Glück man mit verschiedenen Entwicklungen hat." Dass die USA schon 2029 alle Systeme entwickelt hätten, hält Horovitz aber für illusorisch.
Eine weitere Herausforderung sei die schiere Anzahl der benötigten Satelliten, sagt Horovitz. "Das System hätte nur wenige Minuten Zeit, um eine Rakete zu erkennen und zu eliminieren." Da potenzielle Angreifer theoretisch von fast überall angreifen könnten - von eigenem Territorium, von U-Booten, aus der Luft - brauche es "vermutlich Zehntausende Satelliten", um weltweit Hunderte oder gar Tausende Raketen zuverlässig und gleichzeitig abzufangen.
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21.01.2026 | 7:50 minGewaltige Kosten
Das Weiße Haus kalkuliert für den "Golden Dome" derzeit 175 Milliarden US-Dollar ein. Das ist zwar eine enorme Summe. Zum Vergleich: Deutschlands gesamter Verteidigungsetat liegt 2026 bei 108 Milliarden Euro.
Doch die 175 Milliarden werden nicht einmal ansatzweise ausreichen, sagen Experten. Davon ausgehend, dass die USA den "Golden Dome" wie geplant umsetzen möchten, rechnet etwa "Bloomberg" mit "astronomischen Kosten" zwischen 844 Milliarden und 1,1 Billionen US-Dollar.
Auch SWP-Experte Liviu Horovitz spricht von "finanzieller Unvereinbarkeit". Da Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn alle drei bis fünf Jahre ausgetauscht werden müssten, kämen gewaltige Wartungskosten auf die USA zu.
Der Vorteil des Angreifers
"Die größte Herausforderung bei den bislang bekannten Technologien ist, dass der Angreifer grundsätzlich einen Vorteil hat", sagt Horovitz. Der Angreifer entscheide, wann er angreife, womit, von wo und in welcher Intensität - was den Verteidiger zwinge, auf alle Szenarien vorbereitet zu sein.
Es ist einfach viel teurer abzuwehren - und viel komplizierter.
Liviu Horovitz, Sicherheitsexperte
Zudem wären Russland und China keine stillen Beobachter, sagt Horovitz. "Wenn die USA aufrüsten, können auch die anderen Großmächte in ihre Angriffsmöglichkeiten investieren - was zu noch höheren Kosten und noch größeren Herausforderungen bei den USA führt."
US-Präsident Donald Trump plant eine neue Raketenabwehr für die USA. Der "Golden Dome" soll in rund drei Jahren fertiggestellt werden und der Abwehr von Raketenangriffen dienen.
21.05.2025 | 0:21 minWas soll der "Golden Dome" den USA dann bringen?
Horovitz geht davon aus, dass die USA längerfristig eine "Light"-Version des "Golden Dome" umsetzen könnten: Eine begrenzte Zahl an Satelliten, die zumindest in manchen Regionen ein Abfangen von Raketen in der Startphase ermöglichen würden.
"Auch damit könnten die strategischen Planer der USA ihrer Regierung mehr Freiheit erkaufen", sagt Horovitz. Das Wissen um die Fähigkeit, zumindest einige Raketen abfangen zu können, eröffne in einem potenziellen Konflikt mit Russland und China möglicherweise mehr Handlungsmöglichkeiten.
Auch gegenüber unberechenbaren Regimen, die sich möglicherweise nicht abschrecken lassen - etwa Nordkorea oder Iran -, biete schon eine Grundversion des "Golden Dome" zusätzliche Sicherheit. "Nordkorea hat ein deutlich kleineres Arsenal, weshalb schon geringere Abwehrfähigkeiten ausreichen", sagt Horovitz.
Spielt Grönland für die Pläne tatsächlich eine "wichtige" Rolle?
Das hat Donald Trump behauptet. Und tatsächlich spielt Grönland für die "Golden Dome"-Pläne eine Rolle, wie eine Karte des militärischen US-Nachrichtendienstes Defense Intelligence Agency zeigt. Dort sind aktuelle und künftige Bedrohungen für das US-Territorium durch Raketen eingezeichnet. Dazu gehören auch U-Boot-gestützte ballistische Raketen, die aus der Barentssee zwischen Norwegen und Russland abgefeuert über Grönland die USA erreichen könnten.
Allerdings müsse Trump Grönland dafür nicht besitzen, sagen Experten wie Horovitz. Die Völkerrechts-Expertin Arne Peters weist bei ZDFheute live daraufhin, dass die USA schon heute auf Grundlage bestehender Abkommen "sehr viel" auf Grönland machen können - darunter "alles, was notwendig ist, um die Verteidigung aufrechtzuerhalten". Der "Golden Dome" sei da "kein grundsätzlich neues Element", sondern höchstens eine "quantitative Ausweitung".
Redaktion: Lukas Wagner
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