Sicherheit des russischen Nachbarn:Was kann Deutschland von Finnland lernen, Frau Valtonen?
von Silas Thelen
Russlands Nachbar Finnland setzt auf starken Zivilschutz. Im ZDF erklärt Außenministerin Valtonen, was Deutschland davon lernen kann und warum für sie die Nato stärker denn je ist.
Das Interview mit Finnlands Außenministerin Elina Valtonen im heute journal in voller Länge.
07.05.2026 | 7:15 minAuf etwa 1.340 Kilometern grenzt Finnland an Russland. Die Bedrohung durch den Nachbarn ist präsent - entsprechend ernst nimmt die finnische Regierung den Zivilschutz im Land. Begleitet vom Generalinspekteur der Bundeswehr machte sich heute Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Bild von den Zivilschutzvorbereitungen beim Besuch eines der größten und modernsten Schutzbunker Finnlands.
Was kann Deutschland beim Zivilschutz von den Finnen lernen? "Man braucht eigentlich nur zwei Dinge", erklärt Elina Valtonen, Außenministerin Finnlands, im heute journal des ZDF: "Erstens, dass die Menschen sich wirklich vornehmen, sich nicht nur für ihr Land, sondern für gemeinsame Werte und für Europa einzusetzen. Ich finde, das gibt es in Deutschland."
Zweitens sind das natürlich konkrete Fähigkeiten im militärischen Bereich und auch im Zivilschutz. Finnland bringt da natürlich viele Jahrzehnte Erfahrung mit - und wir teilen sie auch gern.
Elina Valtonen, Außenministerin Finnlands
In Finnland gibt es für fast die gesamte Bevölkerung Plätze in Bunkern. Die Sorge vor dem Nachbarn Russland ist groß.
07.04.2026 | 1:26 minValtonen: Vorsorge gibt den Finnen Sicherheit
Auch in den Köpfen der Finnen scheint der Schutz in Krisensituationen verankert. Mit einem dezidierten Notfallprogramm sollen sich Haushalte im Land in den ersten 72 Stunden einer Krisensituation unabhängig selbst versorgen können, bevor staatliche Mechanismen greifen. "Das gibt den Leuten Sicherheit", erklärt Außenministerin Valtonen.
Das ist vielleicht das Paradoxe, was man in Mitteleuropa nicht versteht.
Elina Valtonen, Außenministerin Finnlands
Die Vorbereitung der ganzen Bevölkerung für den Krisenfall nehme den Menschen im Land Sorgen: "Wir wissen natürlich in Finnland, dass wir für unterschiedlichste Fälle vorbereitet sind." Diese Vorbereitung beginne damit, dass die Menschen sich der Bedrohung bewusst seien.
"Wenn die Menschen in dem Wissen sind, dass immer etwas passieren kann, ist man auch damit einverstanden, dass das Steuergeld in Sicherheit und Verteidigung fließt", so Valtonen. Dieses Bewusstsein stärke auch die Bereitschaft, sich selbst einzusetzen, "wenn es um einen Krisenfall geht".
Bereits im Januar beim Besuch der CSU-Klausur im oberbayerischen Kloster Seeon betont Elina Valtonen die Stärke der Nato.
07.01.2026 | 1:21 minValtonen: Die Nato ist stärker denn je
Im April 2023 trat Finnland der Nato bei - auch als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Dass US-Präsident Donald Trump die Nato zuletzt immer stärker hinterfragt, sieht die Außenministerin nicht als Destabilisierung des Bündnisses, erklärt sie.
Ich finde, die Nato ist jetzt stärker denn je.
Elina Valtonen, Außenministerin Finnlands
Grund dafür sei der Beitritt Finnlands und Schwedens - dadurch habe die Nato insbesondere im Ostseeraum und im Arktisbereich an Kompetenzen gewonnen. Für die Stärke der Nato spreche aktuell ebenfalls, dass die Europäer sich dazu entschieden haben "viel mehr in die eigene Verteidigung zu investieren". Die Beteiligung der USA laufe im militärischen Bereich "ganz normal", so Valtonen:
Da sind die Amerikaner zu 100 Prozent dabei.
Elina Valtonen, Außenministerin Finnlands
"Russland versteht nur Stärke", erklärt die finnische Außenministerin Elina Valtonen 2025 im ZDF-Morgenmagazin.
11.11.2025 | 6:42 minValtonen: Ukrainische Armee ist ein Gewinn für die Nato
Die Ukraine solle laut Valtonen "so schnell wie möglich in die Nato eingegliedert werden (…) - auch aus Eigeninteresse". Die Ukraine sei eine von nur "vier glaubwürdigen Armeen in Europa", so die Außenministerin - neben den Streitkräften der Türkei, Polens und Finnlands.
Dass auch US-Präsident Donald Trump seinen Widerstand gegen den Nato-Beitritt der Ukraine aufgeben könnte, hält Valtonen nicht für ausgeschlossen - schließlich sei er am Ende "ein Verhandler".
Das Interview führte heute journal-Moderator Christian Sievers.
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