Valtonen: Bedrohung aus Russland "macht uns nicht panisch"

Interview

Finnische Außenministerin im Gespräch:Bereitet Ihnen die Grenze zu Russland Sorge, Frau Valtonen?

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Finnland teilt sich mit Russland eine mehr als 1.300 Kilometer lange Grenze. Im Interview erklärt Elina Valtonen, wieso die Finnen trotzdem das glücklichste Land der Welt sind.

Elina Valtonen Nahaufnahme

Nach Auffassung von Elina Valtonen ist die Nato "stärker als sie je gewesen ist". Das sagt die finnische Außenministerin beim Besuch der CSU-Klausur im oberbayerischen Kloster Seeon.

07.01.2026 | 1:21 min

Wie sicher fühlt sich ein Land, das sich mit Russland eine hunderte Kilometer lange Grenze teilt? Im Gespräch mit ZDFheute erklärt die finnische Außenministerin Elina Valtonen, worauf sich ihr Land vorbereitet. Und sie verrät, wieso die Finnen nicht in Panik verfallen.

ZDFheute: Frau Valtonen, die Koalition der Willigen hat der Ukraine am Dienstag weitreichende Unterstützung zugesagt - Frankreich und Großbritannien wollen sogar Truppen entsenden. Ist das auch für Sie denkbar?

Elina Valtonen: Das wichtigste Signal ist, dass wir gemeinsam an einem Tisch sitzen - Europa, die Ukraine und die Vereinigten Staaten. Das ist auch ein Ergebnis dessen, was Bundeskanzler Merz mit den Berlin-Gesprächen kurz vor Weihnachten erreicht hat.

Ich denke nicht, dass Finnland das erste Land ist, das die meisten Truppen entsendet. Aber wir sind offen für alle möglichen Maßnahmen. Zusammen mit den anderen nordischen Ländern sind wir die größten Unterstützer der Ukraine im Verhältnis zu unserem Bruttoinlandsprodukt.

Finnland ist gerade für 1.340 Kilometer Grenze zu Russland zuständig - das ist fast genau so lang wie die Kontaktlinie zwischen Russland und der Ukraine an der Front.

Elina Valtonen, finnische Außenministerin

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07.01.2026 | 2:01 min

ZDFheute: Bleiben wir bei Ihrer Nachbarschaft. Wie sieht es derzeit an der finnisch-russischen Grenze aus?

Valtonen: Wir verspüren keine unmittelbare Bedrohung an unserer Grenze. Es ist interessant zu beobachten, dass dort momentan weniger Truppen sind als in den letzten Jahren und Jahrzehnten insgesamt. Die Truppen wurden in die Ukraine abgezogen. Seit Finnland und Schweden der Nato angehören, hat Russland deutlich seine Präsenz an unserer Grenze verringert.

ZDFheute: Aus Moskau heißt es immer wieder, Helsinki bereite sich auf einen Krieg mit Russland vor. Haben Sie keine Sorge vor einer Eskalation?

Valtonen: In Finnland sind wir schon immer darauf vorbereitet gewesen, dass Russland eines Tages wieder eine Bedrohung darstellen kann. Das war eine Existenzfrage. Aber es macht uns nicht panisch, weil es keine Neuigkeit ist. Deswegen haben wir nie unsere Wehrpflicht abgegeben und immer stark in unsere eigene Verteidigung und Abschreckung investiert. Eben nicht, um Krieg zu führen, sondern um den Krieg zu vermeiden.

Wir machen uns weniger Sorgen um uns, sondern eher um den Zusammenhalt in Europa in den kommenden Jahren. Ob wir uns gemeinsam für die Freiheit einsetzen können und wollen.

Elina Valtonen, finnische Außenministerin

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24.09.2024 | 1:52 min

ZDFheute: Finnland ist erst seit Kurzem Nato-Mitglied, nun bröckelt das Bündnis. Kann sich die Allianz noch auf eine amerikanische Unterstützung verlassen?

Valtonen: Ich würde nicht sagen, dass die Nato bröckelt. Völlig im Gegenteil: Die Nato ist heutzutage stärker, als sie es je gewesen ist. Und das vor allem aus dem Grund, dass wir als Europa nun endlich das anfangen zu leisten, was von uns erwartet wird.

Im Sommer hatten wir uns in Den Haag darauf geeinigt, dass wir 3,5 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts in die harte Verteidigung investieren und weitere 1,5 Prozent in solche Fähigkeiten, die uns dabei unterstützen. Das macht die Nato nicht nur aus der europäischen Perspektive stärker, sondern würde sogar bedeuten, dass die USA ein noch stärkeres Interesse an einer Nato-Beteiligung haben.

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ZDFheute: Finnland scheint es vorzumachen: Die Bevölkerung gilt als krisenfest - während es die Deutschen noch werden wollen. Wie macht man eine Gesellschaft verteidigungsbereit?

Valtonen: Das wird nicht irgendwie indoktriniert, sondern die Leute wissen das. Und das ist natürlich durch unsere Geschichte bedingt: Das letzte Mal mussten wir uns im Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetunion verteidigen. Zum Glück konnten wir unabhängig bleiben.

In Finnland setzen wir ganz stark auf unsere Resilienz. Und das beginnt in den Köpfen der Menschen. Dass man weiß, wofür man sich einsetzt: Freiheit, Demokratie und Gleichstellung von Menschen. Das ist am Ende das, wofür man bereit wäre zu kämpfen. Damit wir so weiterleben können, wie bisher - als glücklichstes Land der Welt.

Das Interview führte Julian Schmidt-Farrent aus dem ZDF-Landesstudio in Bayern.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Valtonen hält die Nato für stärker denn je" am 07.01.2026 um 20:25 Uhr.

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