Automatischer Schutzstatus in der EU:Schutz für Ukrainer: Dobrindt für Ende der Regel bei Männern
Ukrainische Flüchtlinge müssen in der EU keinen Asylantrag stellen. Die EU-Länder erwägen ein Ende des Schutzes für Männer im wehrfähigen Alter. Dobrindt spricht sich dafür aus.
Die EU-Innenminister beraten darüber, wie ukrainische Geflüchtete künftig geschützt werden sollen. Bislang bekommen diese in der EU automatisch Schutz und müssen keinen Asylantrag stellen.
04.06.2026 | 0:23 minDeutschland will ukrainischen Männern im wehrpflichtigen Alter die Aufnahme in der EU erschweren. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) machte bei einem EU-Treffen deutlich, einen entsprechenden Vorschlag zum Ausschluss von Männern bestimmter Altersgruppen von der Aufnahmerichtlinie für Geflüchtete aus der Ukraine unterstützen zu wollen.
Es gebe von den Mitgliedstaaten unterschiedliche Diskussionsbeiträge zu dem Thema. "Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir eine Regelung erreichen können, die sich in diese Richtung auch bewegt, wenn auch die Details noch nicht ausdiskutiert worden sind", sagte Dobrindt am Rande eines Treffens der EU-Innenminister in Luxemburg.
Merz forderte von Selenskyj strengere Ausreisebestimmungen
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich bereits vergangenes Jahr deutlich positioniert und vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj strengere Ausreisebestimmungen für junge Männer gefordert.
Ich habe ihn gebeten, dafür zu sorgen, dass diese jungen Männer im Land bleiben, weil sie im Land gebraucht werden und nicht in Deutschland.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Die EU verschärft ihre Asylpolitik. Abgelehnte Asylbewerber sollen künftig zu Rückkehrzentren in Drittstaaten außerhalb der EU gebracht werden.
02.06.2026 | 1:44 minDie sogenannte Massenzustrom-Richtlinie ermöglicht es EU-Staaten, Geflüchteten ohne individuelles Asylverfahren sofortigen Schutz zu gewähren. Damit können die Geflüchteten auch einer Arbeit nachgehen. Diese EU-Regel läuft aktuell bis zum 4. März 2027.
EU-Innenminister diskutieren wohl über zwei Vorschläge
Wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr, liegen bei dem Treffen der EU-Innenminister zwei Vorschläge auf dem Tisch: Eine Verlängerung der geltenden Schutzregelung für alle Ukraine-Flüchtlinge in der aktuellen Fassung um ein weiteres Jahr oder eine Verlängerung, bei der ukrainische Männer im Alter zwischen 23 und 60 Jahren vom vorübergehenden Schutz ausgeschlossen würden.
Die EU-Rückführungsverordnung soll Abschiebungen besser koordinieren. Mitgliedstaaten können dafür "gemeinsam Rückführungszentren mit Drittstaaten vereinbaren." - Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration.
02.06.2026 | 6:22 minSollten die EU-Mitgliedstaaten die zweite Variante bevorzugen und einem entsprechenden Vorschlag zustimmen, der dem Ablauf nach zunächst von der EU-Kommission kommen müsste, würde die neue Regelung aber wohl nur bei neu in die EU kommenden Männern Anwendung finden.
EU-Migrationskommissar offen für Ausschluss ukrainischer Männer
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner zeigte sich offen für die Idee und sagte, er gehe davon aus, dass es dazu eine Art Konsens geben könnte. "Wir müssen ganz genau vor allem den Mitgliedsstaaten zuhören, die besonders betroffen sind." Dazu gehöre neben Deutschland auch Polen, Tschechien und Österreich.
Wir werden dann auf Grundlage dieser Diskussion heute einen Vorschlag als Kommission auch vorlegen, hoffentlich relativ rasch.
Magnus Brunner, EU-Migrationskommissar
Männer zwischen 23 und 60 Jahren unterliegen in der Ukraine weiter einem Ausreiseverbot. Für den Kriegsdienst eingezogen werden aktuell jedoch erst Wehrpflichtige ab 25 Jahren. Nach Daten der EU hielten sich im März knapp 29 Prozent der 4,33 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine, die in den Mitgliedstaaten vorübergehenden Schutz gemäß der Richtlinie erhalten haben, in Deutschland auf, rund 22 Prozent in Polen und 9 Prozent in Tschechien.
Die Ukraine will vollwertiges EU-Mitglied werden und lehnt einen Sonderstatus ohne Stimmrecht ab. Selenskyj fordert die Vollmitgliedschaft. Als großes Hindernis gilt die Korruption im Land.
23.05.2026 | 1:44 minKritik von Grünen und Linken
Die Grünen-Migrationsexpertin Filiz Polat warnte, für die Mitgliedsstaaten würde ein Ausschluss von Männern im wehrpflichtigen Alter zu einem bürokratischen Mehraufwand führen und mit einem unschönen Prüfaufwand bei den Kommunen verbunden sein. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen fügte hinzu, es sei schon jetzt erkennbar, dass die Einschränkungen im temporären Schutz viele betroffene Männer in das reguläre Asylverfahren drängen würden. Dieses würde den ukrainischen Männern dem Vorschlag nach auch weiterhin offen stehen.
Die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Clara Bünger, sagte, ein "Ausschluss von Männern im wehrfähigen Alter wäre nicht nur für die Betroffenen fatal, sondern zugleich ein Angriff auf das Recht auf Kriegsdienstverweigerung". Kriegsdienstverweigerung sei ein Menschenrecht, das in der Ukraine nicht gewährleistet sei. Deshalb müsse diesen Menschen Schutz gewährt werden.
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