Ungarischer Ministerpräsident in Berlin:Merz und Magyar: Freundlich im Ton, Dissens bei Ukraine
von Dominik Rzepka
Bei seinem Treffen mit Kanzler Merz wird der neue ungarische Ministerpräsident Magyar einmal emotional. Trotz freundlicher Töne wird auch Dissens beim Thema Ukraine deutlich.
Antrittsbesuch in Berlin: Pressekonferenz mit Friedrich Merz, CDU, Bundeskanzler und Peter Magyar, Ministerpräsident von Ungarn.
02.06.2026 | 39:31 minSo etwas erlebt man auch nicht alle Tage im Kanzleramt. Da steht Ungarns neuer Ministerpräsident neben Friedrich Merz. Da lobt Peter Magyar den deutschen Bundeskanzler, die guten Beziehungen zu Deutschland, erinnert an die Wendezeit 1989.
Und dann kommt diese eine Frage.
Magyar wird auf den ungarischen Präsidenten Tamas Sulyok angesprochen, der einst unter Magyars Vorgänger Viktor Orban ins Amt kam. Und den Magyar nun aus dem Amt entfernen will, was Sulyok ablehnt.
Magyar wettert gegen Präsidenten
Der Neue in Budapest betont, er habe durch seinen Wahlsieg im April nun ein Mandat dafür. Und dass er es nutzen wolle:
Der ungarische Präsident ist eine Marionette von Viktor Orban. Dieser Mensch hat dabei zugesehen, wie Orban unsere Heimat verkauft hat.
Peter Magyar, ungarischer Ministerpräsident
In Berlin hat Bundeskanzler Merz den neuen ungarischen Ministerpräsidenten Magyar empfangen. Nach einer feierlichen Begrüßung wollen sie über bilaterale und europapolitische Themen sprechen.
02.06.2026 | 0:15 minMagyar erinnert daran, dass er vor seinem Wahlsieg Jahre nicht beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen eingeladen war. Dass dort Lügen verbreitet wurden. Über ihn, seine Kinder, seine Familie. Schlimmer als bei den Kommunisten sei das gewesen. Sulyok habe zu all dem geschwiegen.
Magyar erhebt die Stimme. Gestikuliert mit erhobenem Zeigefinger. Kneift die Augen leicht zusammen. Hier redet sich jemand in Rage. Merz steht daneben und weiß nicht so recht, wie er reagieren soll. Am Ende muss er lachen.
Ungarns neuer Ministerpräsident Peter Magyar war zum Antrittsbesuch bei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die EU hat nun die lange eingefrorenen Gelder für Ungarn wieder freigegeben.
29.05.2026 | 1:43 minUngarn unterstützt deutsche UN-Bewerbung
Man merkt, wie viel Wut in Magyar steckt. Und dass er sein erstes Treffen mit dem deutschen Kanzler in Berlin als Genugtuung empfinden muss.
Merz, der fast einen Kopf größer ist als Magyar, begegnet er mit Respekt. Als der Kanzler auf die Gerüchte um einen möglichen Kanzlertausch angesprochen wird, weicht Magyar aus.
Und er bekräftigt, dass Ungarn Deutschland bei der Abstimmung um einen nicht ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat morgen unterstützen wird. Aber es wird auch Dissens sichtbar zwischen Berlin und Budapest.
Deutschland, Österreich oder Portugal? Das Rennen um den Sitz im UN-Sicherheitsrat geht in die Endphase. Außenminister Wadephul hat in New York Wahlkampf gemacht.
03.05.2026 | 3:50 minDissens bei Ukraine-Politik
Beim Thema Ukraine gehen die Meinungen auseinander. Merz fordert, dass die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine beginnen sollen.
Wir verstehen, dass Budapest zunächst bilaterale Fragen klären will, wie etwa die Rechte der ungarischen Minderheit in der Ukraine.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Das dürfe aber nicht zu Lasten der europäischen Unterstützung gehen "und uns nicht von dem Ziel abbringen, die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine jetzt auch mit dem ersten Kapitel förmlich zu eröffnen", so Merz.
"Ungarn braucht diese Gelder, denn das Land hat ein hohes Haushaltsdefizit", so Kai-Olaf Lang von SWP zur Ankündigung der EU die eingefrorenen Milliarden für Ungarn freizugeben.
29.05.2026 | 6:45 minMagyar will Selenskyj treffen
Die ungarische Minderheit im Westen der Ukraine: Magyar fordert, dass sie auch in der Ukraine Ungarisch sprechen darf. Das sei ein Menschenrecht und für ihn sogar eine Voraussetzung für Beitrittsverhandlungen der Ukraine mit der EU.
Ein Land, das wie die Ukraine Teil der EU werden wolle, müsse seine Forderung akzeptieren. Die derzeitigen Verhandlungen in dieser Frage könnten aber noch diese Woche abgeschlossen werden, sagt Magyar. Schon kommende Woche wolle er sich dann mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen.
Und noch eine rote Linie zeichnet Magyar an diesem Dienstag im Kanzleramt: Ungarn werde weder Waffen noch Soldaten in die Ukraine schicken. Merz sagt, Deutschland werde in seinem Engagement für die Ukraine nicht nachlassen.
Merz nennt Treffen "Neuanfang"
Das klingt zwar nach Dissens. Aber nicht nach Überwerfung. Als Magyars Vorgänger im Amt Anfang des Jahres einen Kredit für die Ukraine in Brüssel hat platzen lassen, warf Merz Orban Illoyalität vor.
Das ungarische Parlament hatte Magyar erst vor wenigen Wochen als neuen Ministerpräsidenten gewählt.
09.05.2026 | 1:41 minHeute nun sagt Merz, das Treffen mit Magyar markiere einen Neuanfang. Denn dessen Wahl sei ein tiefer Einschnitt, Merz nennt Magyar sogar einen Hoffnungsträger.
Wir trauen ihm zu, dass er Ungarn wieder zurück in die Mitte Europas führt.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Wenn sich Merz da nicht zu viel erhofft. Denn zwar bekräftigt Magyar, er wolle Entscheidungen in Europa akzeptieren und nach Kompromissen suchen. Er sagt aber auch, er habe nicht versprechen können, immer gleicher Meinung zu sein. Es klingt, als wolle Magyar überbordende Erwartungen dämpfen.
Dominik Rzepka ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
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