Ungarn im Machtwechsel: Nach Orbán wird Magyar neuer Premier

Machtwechsel in Ungarn:Magyar übernimmt das Erbe Orbáns

Christian von Rechenberg, ZDF-Korrespondent in Wien

von Christian von Rechenberg, Wien

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Nach 16 Jahren Orbán-Herrschaft wird Peter Magyar Ungarns neuer Regierungschef. Ungarn-Experte Peter Techet erklärt, was auf Magyar zukommt und ob er den Aufgaben gewachsen ist.

Peter Magyar beantwortet Fragen auf einer Pressekonferenz in Budapest.

Nach 16 Jahren übernimmt Peter Magyar in Ungarn die Regierung von Viktor Orbán .

Quelle: AFP

Peter Magyar hat die Parlamentswahl in Ungarn mit einer Zweidrittelmehrheit gewonnen. Ein Ergebnis, das ihm enormen politischen Spielraum verschafft. Die Erwartungen sind hoch: Viele Ungarn wollen Korruptionsfälle aufgeklärt, rechtsstaatliche Standards wiederhergestellt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen sehen. Der Druck beginnt am Samstag.

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Ein Kabinett zwischen Expertise und Kalkül

Magyar hat sein Kabinett bereits vorgestellt. Die Besetzung zeigt Strategie: Die meisten Minister kommen aus der Privatwirtschaft und bringen technokratisches Know-how mit. Der Ungarn-Experte Peter Techet vom Wiener Institut für den Donauraum und Mitteleuropa, der Ungarns politische Entwicklung seit Jahren beobachtet, sieht darin ein klares Signal.

Magyar hat Fachleute in die neue Regierung eingeladen. Das zeigt, dass er bereit ist, autonome Persönlichkeiten anzunehmen.

Peter Techet, Ungarn-Experte am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa

Porträt von Ungarn-Experte Peter Techet am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa.
Quelle: ZDF

Gleichzeitig bindet Magyar bewusst Personen ein, die einst unter Orbán Staatssekretäre waren. András Kármán etwa, der nun das Finanzministerium übernimmt. Techet wertet das als politisches Kalkül: Magyar signalisiere damit Zugeständnisse an frühere Fidesz-Wähler. Inhaltlich plane er eine umfassende Umstrukturierung.

16 eigenständige Ministerien sollen entstehen, die bisherigen Orbán-"Superministerien" werden aufgelöst. Neue Ressorts für Umwelt, Digitalisierung und Kultur sollen Zuständigkeiten klarer verteilen und den Verwaltungsapparat entflechten.

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Die schwierigste Aufgabe: Recht und Aufarbeitung

Die größte Herausforderung liegt im Bereich Justiz. Die Erwartungshaltung in Ungarn ist enorm. 68 Prozent der Ungarinnen und Ungarn wollten laut einer aktuellen Umfrage Orbán vor Gericht sehen, sogar 12 Prozent der Fidesz-Wähler seien damit einverstanden, so Techet. Sie fordern die Aufdeckung von Korruptionsfällen und Konsequenzen.

"Viele haben in den vergangenen 16 Jahren Unrecht erfahren. Die Stimmung ist, dass jetzt etwas passieren muss", sagt Techet. Selbst Verfahren gegen die Orbán-Familie stehen im Raum.

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Das zentrale Problem: Die Generalstaatsanwaltschaft gilt als Fidesz-nah und blockiere bisher systematisch Ermittlungen in Korruptionsfällen, so Techet. Auch wenn weiterhin strukturelle Probleme im Justizsystem dokumentiert sind, sei Ungarns Richterschaft laut Techet grundsätzlich unabhängig und in der Lage, entsprechende Fälle zu verhandeln.

Doch ohne Anklage kein Verfahren. Magyar muss die Generalstaatsanwaltschaft reformieren, was eine Verfassungsänderung erfordere. Für Techet ist das realistisch:

Er hat die notwendige Mehrheit im Parlament.

Peter Techet, Ungarn-Experte am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa

Porträt von Ungarn-Experte Peter Techet am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa.
Quelle: ZDF

Was macht Viktor Orbán?

Viktor Orbán verlässt die politische Bühne nicht. Er bleibt in Ungarn und kündigte nach seiner Abwahl an, seine Fidesz-Partei als neue nationale, EU-kritische Bewegung aufbauen zu wollen. Sein Fokus liegt auf den ländlichen Regionen, wo Fidesz traditionell dominierte: 2022 gewann die Partei 86 von 88 ländlichen Direktwahlkreisen. Dieses Fundament will Orbán neu aktivieren.

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Techet zweifelt jedoch an Orbáns Schlagkraft, seine Niederlage wäre zu deutlich gewesen. Orbáns Macht gründe vor allem auf Oligarchen, die ihr Fähnchen nun nach dem neuen Wind richten werden. Ansonsten blieben ihm nur seine überwiegend betagten Stammwähler. Von denen aber sind viele unzufrieden über die Niederlage.

In einer Nachricht an die Mitglieder seiner vor der Wahl neu gegründeten Bewegung soll Orbán laut Medienberichten zuletzt Zweifel geäußert haben, ob seine Fidesz-Partei überhaupt in der Lage sei, die gesamte ungarische Rechte neu zu beleben.

Vertrauensvorschuss für Magyar

Magyar steht derweil vor einem schwierigsten Balanceakt: Er muss die Erwartungen einer heterogenen Wählerschaft - von konservativ bis liberal - erfüllen und gleichzeitig seiner Linie treu bleiben. Magyar gilt, ähnlich wie Orbán, als populistisch und national orientiert.

Allerdings, so Techet, steht er unter einer solch vielschichtigen Beobachtung, dass er sich einseitige Politik nicht leisten kann. Zudem zeige auch die Auswahl seiner Minister, dass er es mit einer Rückkehr zu einem demokratischen Rechtsstaat ernst meine.

Peter Techet spricht mit einer Person in weißem Hemd, die der Kamera den Rücken zugewandt hat.
Quelle: ZDF

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von Christian von Rechenberg
mit Video2:15
Peter Magyar schwenkt eine ungarische Flagge bei der Wahlabendveranstaltung der Tisza in Budapest, Ungarn, am 12. April 2026. (Archiv)

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Über dieses Thema berichtete heute in Europa am 08.05.2026 um 16 Uhr.
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