Ukraine: Bodendrohnen-Entwicklung gewinnt an Fahrt

Analyse

Russland im Hintertreffen:Wie die Ukraine Bodendrohnen gegen Russland einsetzt

von Christian Mölling und András Rácz

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Schnelle Innovation und erfolgreiche Einsätze in der Offensive treiben die Pläne der Ukraine an: In der ersten Hälfte des Jahres 2026 will man 25.000 Bodenroboter produzieren.

Die unbemannte robotische Bodenplattform „Gnom“, entwickelt für Überwachungs- und Aufklärungsaufgaben, den Transport von Munition und Versorgungsgütern sowie die Evakuierung Verwundeter, ist am 19. Januar 2026 in einer Werkstatt in der Ukraine zu sehen.

Die unbemannte Bodenplattform "Gnom" für Überwachung, Aufklärung, Transport von Munition und Versorgung sowie die Evakuierung Verwundeter in einer Werkstatt in der Ukraine.

Quelle: action press

Die Ukraine setzt seit etwa Ende 2023 Bodendrohnen ein. In der Fachsprache werden diese zumeist auf Englisch "unmanned ground systems" genannt und mit "UGS" abgekürzt. Anfangs handelte es sich dabei um sehr einfache, meist radgetriebene Plattformen, die für Versorgungseinsätze genutzt wurden, später auch zur Evakuierung verwundeter Soldaten.

Das weitreichende Potenzial von Bodendrohnen wurde jedoch schnell deutlich - und der vorherrschende Personalmangel in der Ukraine erwies sich als starker Anreiz, die Innovation im Bereich der Bodendrohnen zu beschleunigen.

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Ausweitung der Aufgaben von Bodendrohnen seit 2025

Bewaffnete Bodendrohnen werden seit dem vergangenen Jahr im Kampf eingesetzt, meist als Feuerunterstützungsplattformen, die die Arbeit der Infanterie unterstützen. Mitte April 2026 kam es jedoch zu einem dokumentierten Fall, als es der III. Sturmbrigade der Ukraine gelang, Gebiete allein mit Hilfe von Bodenrobotern und Luftdrohnen zu erobern. Die russischen Soldaten, die die Angriffe überlebten, ergaben sich einem der Bodenroboter.

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Anfangsprobleme bei der Konstruktion

Natürlich waren nicht alle Modelle erfolgreich. Anfangs gab es mehrere Konstruktionsmängel, die behoben werden mussten. Zu komplexe Fahrwerke erwiesen sich als anfällig für Ausfälle. Andere Plattformen erwiesen sich auf unebenem Gelände als instabil, einige waren anfällig für elektronische Kriegsführung.

Doch das dezentrale Innovationsumfeld der Ukraine war in der Lage, sich schnell anzupassen und auf die Produktion erfolgreicherer Konstruktionen umzustellen.

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Großes Unternehmensumfeld für Bodenroboter

Anfang 2026 verfügt die Ukraine über ein facettenreiches, komplexes Innovationsumfeld für die Entwicklung von Bodenrobotern. Es gibt etwa 200 ukrainische Unternehmen, die Bodenroboter entwickeln und deren Produkte die Testphase bereits durchlaufen haben und in das ukrainische Militär integriert sind. Im November 2025 gab es 67 Einheiten, die Bodenroboter einsetzten. Bis März 2026 stieg die Zahl auf 167.

Schnelles Wachstum gefordert

Und die Produktion gewinnt eindeutig an Fahrt. Laut Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow ist es das Ziel, in der ersten Hälfte des Jahres 2026 25.000 Bodendrohnen verschiedener Typen zu produzieren, um den Kampf der Bodeneinheiten zu unterstützen. Bis Ende 2026 beabsichtigt die Ukraine, 30 Prozent ihrer Frontsoldaten durch Robotersysteme zu ersetzen.

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Bodendrohnen komplizierter als fliegende Systeme

Ein interessantes Phänomen ist, dass Bodenroboter viel komplexer sind als die meisten Luftdrohnen. Außerdem gelangen sie im Gegensatz zu den Drohnen nur sehr selten hinter die feindlichen Linien. Dies, kombiniert mit ihrem viel höheren Gewicht, macht es für Russland viel schwieriger, einen von ihnen relativ unbeschädigt zu erbeuten. Selbst wenn ein Bodenroboter außer Gefecht gesetzt oder beschädigt wird, können ukrainische Drohnen ihn in den meisten Fällen zerstören, bevor die Russen ihn erbeuten und sicher ins Hinterland bringen können.

Russland im Hintertreffen

Diese Besonderheit erschwert es Russland erheblich, mit den Innovationen der Ukraine im Bereich der Bodenroboter Schritt zu halten: Die Russen verfügen schlichtweg nicht über genügend erbeutete ukrainische Modelle, die sie nachbauen könnten. Zudem erschwert die Komplexität der Bodenrobotersysteme es der durch Sanktionen eingeschränkten russischen Wirtschaft, mit den Entwicklungen der Ukraine Schritt zu halten und die erbeuteten Roboter zu kopieren. Obwohl Russland ebenfalls über mehrere Bodenroboter-Konstruktionen verfügt, sind diese daher weit weniger fortschrittlich als ihre ukrainischen Pendants.

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Bisherige Grenzen der Systeme

Natürlich haben auch Bodendrohnen ihre Grenzen. Beim derzeitigen Entwicklungsstand sind sie in unwegsamem Gelände schwer zu betreiben. Das Gleiche gilt für dichte Wälder oder sumpfiges Gelände. Bodendrohnen sind im Stadtkampf nur begrenzt einsetzbar, wo Gebäude, Ruinen, enge Räume und andere Hindernisse ihre Bewegung behindern - auf relativ freien Straßen können sie jedoch weiterhin als Feuerunterstützungsplattformen dienen sowie logistische und Evakuierungsaufgaben übernehmen.

Dennoch ist die rasante Entwicklung von Bodendrohnen trotz dieser Einschränkungen geradezu revolutionär. Während die Ukraine vor zwei Jahren nur über wenige rudimentäre, unzuverlässige Modelle verfügte, sind Bodendrohnen seit Anfang 2026 zu wichtigen Komponenten der ukrainischen Streitkräfte geworden, und die Entwicklungsgeschwindigkeit nimmt keineswegs ab - im Gegenteil.

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