Russland im Hintertreffen:Wie die Ukraine Bodendrohnen gegen Russland einsetzt
von Christian Mölling und András Rácz
Schnelle Innovation und erfolgreiche Einsätze in der Offensive treiben die Pläne der Ukraine an: In der ersten Hälfte des Jahres 2026 will man 25.000 Bodenroboter produzieren.
Die unbemannte Bodenplattform "Gnom" für Überwachung, Aufklärung, Transport von Munition und Versorgung sowie die Evakuierung Verwundeter in einer Werkstatt in der Ukraine.
Quelle: action pressDie Ukraine setzt seit etwa Ende 2023 Bodendrohnen ein. In der Fachsprache werden diese zumeist auf Englisch "unmanned ground systems" genannt und mit "UGS" abgekürzt. Anfangs handelte es sich dabei um sehr einfache, meist radgetriebene Plattformen, die für Versorgungseinsätze genutzt wurden, später auch zur Evakuierung verwundeter Soldaten.
Das weitreichende Potenzial von Bodendrohnen wurde jedoch schnell deutlich - und der vorherrschende Personalmangel in der Ukraine erwies sich als starker Anreiz, die Innovation im Bereich der Bodendrohnen zu beschleunigen.
Eine Ölraffinerie am Schwarzen Meer wurde von einer ukrainischen Drohne getroffen. Der Angriff trifft Russland wirtschaftlich und psychologisch und hat zugleich erhebliche Umweltfolgen.
29.04.2026 | 1:41 minWie der ehemalige Befehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, General Walerij Saluschnyj, bereits 2023 prognostiziert hatte, würde der flächendeckende Einsatz von Robotersystemen es der Ukraine ermöglichen, Russlands weitaus größerer Truppenstärke etwas entgegenzusetzen, indem Soldaten teilweise durch Roboter ersetzt werden.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Ausweitung der Aufgaben von Bodendrohnen seit 2025
Bewaffnete Bodendrohnen werden seit dem vergangenen Jahr im Kampf eingesetzt, meist als Feuerunterstützungsplattformen, die die Arbeit der Infanterie unterstützen. Mitte April 2026 kam es jedoch zu einem dokumentierten Fall, als es der III. Sturmbrigade der Ukraine gelang, Gebiete allein mit Hilfe von Bodenrobotern und Luftdrohnen zu erobern. Die russischen Soldaten, die die Angriffe überlebten, ergaben sich einem der Bodenroboter.
Bei einer Podiumsdiskussion mit Schülern in Marsberg erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass ein EU-Beitritt der Ukraine im Jahr 2027 nicht realistisch sei. Trotzdem fühle sich die Ukraine jetzt schon europäisch an.
27.04.2026 | 1:23 minAnfangsprobleme bei der Konstruktion
Natürlich waren nicht alle Modelle erfolgreich. Anfangs gab es mehrere Konstruktionsmängel, die behoben werden mussten. Zu komplexe Fahrwerke erwiesen sich als anfällig für Ausfälle. Andere Plattformen erwiesen sich auf unebenem Gelände als instabil, einige waren anfällig für elektronische Kriegsführung.
Doch das dezentrale Innovationsumfeld der Ukraine war in der Lage, sich schnell anzupassen und auf die Produktion erfolgreicherer Konstruktionen umzustellen.
Kiew meldet mehr als 600 russische Drohnen und Raketen, mindestens sieben Tote und Dutzende Verletzte. Besonders schwer getroffen wurde die Stadt Dnipro.
25.04.2026 | 1:08 minGroßes Unternehmensumfeld für Bodenroboter
Anfang 2026 verfügt die Ukraine über ein facettenreiches, komplexes Innovationsumfeld für die Entwicklung von Bodenrobotern. Es gibt etwa 200 ukrainische Unternehmen, die Bodenroboter entwickeln und deren Produkte die Testphase bereits durchlaufen haben und in das ukrainische Militär integriert sind. Im November 2025 gab es 67 Einheiten, die Bodenroboter einsetzten. Bis März 2026 stieg die Zahl auf 167.
Schnelles Wachstum gefordert
Und die Produktion gewinnt eindeutig an Fahrt. Laut Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow ist es das Ziel, in der ersten Hälfte des Jahres 2026 25.000 Bodendrohnen verschiedener Typen zu produzieren, um den Kampf der Bodeneinheiten zu unterstützen. Bis Ende 2026 beabsichtigt die Ukraine, 30 Prozent ihrer Frontsoldaten durch Robotersysteme zu ersetzen.
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20.04.2026 | 2:00 minBodendrohnen komplizierter als fliegende Systeme
Ein interessantes Phänomen ist, dass Bodenroboter viel komplexer sind als die meisten Luftdrohnen. Außerdem gelangen sie im Gegensatz zu den Drohnen nur sehr selten hinter die feindlichen Linien. Dies, kombiniert mit ihrem viel höheren Gewicht, macht es für Russland viel schwieriger, einen von ihnen relativ unbeschädigt zu erbeuten. Selbst wenn ein Bodenroboter außer Gefecht gesetzt oder beschädigt wird, können ukrainische Drohnen ihn in den meisten Fällen zerstören, bevor die Russen ihn erbeuten und sicher ins Hinterland bringen können.
Russland im Hintertreffen
Diese Besonderheit erschwert es Russland erheblich, mit den Innovationen der Ukraine im Bereich der Bodenroboter Schritt zu halten: Die Russen verfügen schlichtweg nicht über genügend erbeutete ukrainische Modelle, die sie nachbauen könnten. Zudem erschwert die Komplexität der Bodenrobotersysteme es der durch Sanktionen eingeschränkten russischen Wirtschaft, mit den Entwicklungen der Ukraine Schritt zu halten und die erbeuteten Roboter zu kopieren. Obwohl Russland ebenfalls über mehrere Bodenroboter-Konstruktionen verfügt, sind diese daher weit weniger fortschrittlich als ihre ukrainischen Pendants.
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17.04.2026 | 2:10 minBisherige Grenzen der Systeme
Natürlich haben auch Bodendrohnen ihre Grenzen. Beim derzeitigen Entwicklungsstand sind sie in unwegsamem Gelände schwer zu betreiben. Das Gleiche gilt für dichte Wälder oder sumpfiges Gelände. Bodendrohnen sind im Stadtkampf nur begrenzt einsetzbar, wo Gebäude, Ruinen, enge Räume und andere Hindernisse ihre Bewegung behindern - auf relativ freien Straßen können sie jedoch weiterhin als Feuerunterstützungsplattformen dienen sowie logistische und Evakuierungsaufgaben übernehmen.
Dennoch ist die rasante Entwicklung von Bodendrohnen trotz dieser Einschränkungen geradezu revolutionär. Während die Ukraine vor zwei Jahren nur über wenige rudimentäre, unzuverlässige Modelle verfügte, sind Bodendrohnen seit Anfang 2026 zu wichtigen Komponenten der ukrainischen Streitkräfte geworden, und die Entwicklungsgeschwindigkeit nimmt keineswegs ab - im Gegenteil.
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