Drohnen dringen tief in Luftraum ein:Wie die Ukraine das russische Hinterland ins Visier nimmt
von Christian Mölling, András Rácz
Die Ukraine hat die russischen Städte Tscheljabinsk und Jekaterinburg angegriffen. Noch nie ist es ukrainischen Drohnen gelungen, so tief in Russlands Luftraum einzudringen.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff wurde ein Hochhaus im russischen Jekaterinburg getroffen.
Quelle: ImagoDie Ukraine hat ihren bislang weitreichendsten Drohnenangriff auf russischem Gebiet durchgeführt: Am 24. April trafen Angriffsdrohnen die russischen Städte Tscheljabinsk und Jekaterinburg. Das bedeutet, dass es ukrainischen Drohnen gelang, rund 1.800 Kilometer im russischen Luftraum zurückzulegen, ohne abgefangen zu werden.
Zwar waren die Angriffe von relativ geringem Ausmaß und verursachten nur vernachlässigbaren Schaden, doch ist die psychologische Wirkung erheblich. Außerdem bedeutet dies, dass die Ukraine nun über Drohnen verfügt, die auch bisher unerreichbare Ziele treffen können. Wenn also ihre Produktion hochgefahren wird, wird die Ukraine in der Lage sein, auch die großen Zentren der Rüstungsindustrie im Uralgebiet anzugreifen.
Trotz Repression und Propaganda gibt es in Russland Stimmen, die den Krieg gegen die Ukraine kritisieren. Öffentliche Kritik bleibt selten, nur vereinzelt wird der Unmut hörbar.
22.04.2026 | 1:35 minRussischer Ölhafen Tuapse brennt
Die Ölraffinerie und die Öltanks, die bei den jüngsten Drohnenangriffen am 16. und 26. April in Tuapse getroffen wurden, brennen weiter. Die Raffinerie hat ihren Betrieb vollständig eingestellt. Die kleine Hafenstadt am Schwarzen Meer und ihre Küstenregion leiden unter einer umfassenden Umweltkatastrophe.
Der Himmel ist aufgrund des dunklen Rauchs finster, die Luft ist trotz der Meereswinde voller giftiger Dämpfe. Es fällt buchstäblich schwarzer Regen, da sich Schwefel- und Stickstoffpartikel ansammeln und als Niederschlag zurückfallen. Auch benachbarte Regionen wie Astrachan melden erhebliche Luftverschmutzung und schwarzen Regen. Weite Teile der einst von Touristen überfluteten Küsten sind durch massive Ölverschmutzungen verseucht. Auch die Tierwelt leidet unter einer schweren Katastrophe.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Russland überfordert mit der Umweltkatastrophe
Die Lage ist so ernst, dass selbst die russischen Staatsmedien sie nicht mehr leugnen können. Russland fehlen sowohl die Technologie als auch die Ressourcen, um eine Katastrophe dieses Ausmaßes zu bewältigen, und aufgrund seiner internationalen Isolation kann es auch keine internationale Hilfe anfordern. Die Lage wird sich weiter verschlechtern, bis das gesamte Öl in den angegriffenen Tanks verbrannt ist. Erst danach kann ein systematisches Folgenmanagement beginnen.
Die Ukraine schaffe es, durch innovative unbemannte Waffensysteme zu verhindern, dass Russland weiter Raum gewinnt, erklärt Oberst Markus Reisner bei ZDFheute live.
16.04.2026 | 26:34 minDies ist die erste großflächige Umweltkatastrophe, die direkt durch den Krieg auf russischem Boden verursacht wurde. In der Ukraine führte die Zerstörung des Nowa-Kachowka-Staudamms im Sommer 2023 zu einer schweren Überschwemmung und ruinierte die Landwirtschaft der angrenzenden Regionen - doch die Folgen der Katastrophe von Tuapse könnten ebenfalls noch Jahre andauern.
Mangel an Patriot-Raketen schwächt ukrainische Luftverteidigung
Auch Russland setzte seine groß angelegten Luftangriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur fort. Die Stadt Dnipro wurde acht Tage in Folge von konzentrierten Luftangriffen heimgesucht. Der bislang letzte erfolgte in der Nacht vom 24. auf den 25. April und forderte mindestens sechs zivile Todesopfer sowie fast 50 Verletzte. Im Laufe der Woche wurden auch Odessa und die angrenzende Region mehrfach getroffen, ebenso wie Charkiw und Kiew.
Kiew meldet mehr als 600 russische Drohnen und Raketen, mindestens sieben Tote und Dutzende Verletzte. Besonders schwer getroffen wurde die Stadt Dnipro.
25.04.2026 | 1:08 minRusslands Taktik, die ukrainische Luftabwehr lokal durch große Wellen kombinierter Drohnen-, Raketen- und ballistischer Raketenangriffe zu überwältigen, funktioniert weiterhin effizient.
Während die Ukraine eine konstante Abfangquote von 88 bis 90 Prozent bei Drohnen aufweist, durchdringen die meisten ballistischen Raketen Russlands - die in der Regel in der letzten Angriffswelle abgefeuert werden - mangels einer ausreichenden Anzahl von Patriot-Abfangraketen die bereits geschwächte Luftabwehr.
Minimale Geländegewinne für russische Streitkräfte
Während der Woche dauerten die Stellungsgefechte entlang der gesamten Frontlinie an. Russische Streitkräfte rückten minimal in den Hauptrichtungen Pokrowsk, in Richtung Rodynske sowie in Richtung Nowooleksandriwka vor. In der Operationsrichtung Slowjansk rückten die Russen in Richtung Kalenyky vor.
Die Lage verändert sich dynamisch. In Richtung Sumy eroberten die Russen weitere, kleine Gebiete in Richtung Nowodmytriwka, doch die Frontlinie ist weitgehend stabil, auch aufgrund des zerklüfteten Geländes.
Russland braucht für den Angriffskrieg gegen die Ukraine Front-Nachwuchs. Laut Exil-Journalisten sollen mindestens zwei Prozent aller Studenten einen Vertrag beim Militär unterschreiben.
20.04.2026 | 2:00 minRussland testet die Idee einer Teilmobilisierung
Russische, dem Staat nahestehende Telegram-Kanäle haben begonnen, die Idee einer nächsten Welle der Teilmobilmachung in Umlauf zu bringen. Westliche Analysequellen warnen seit Wochen, dass Russland so hohe Verluste sowie sinkende Rekrutierungszahlen verzeichnet, dass eine neue Mobilisierungswelle notwendig werden könnte, sollte der Kreml das Einsatztempo aufrechterhalten wollen.
Nun ist die Unterstützung der Mobilisierungsidee durch kremlfreundliche Kanäle ein Indikator dafür, dass eine weitere Welle bevorstehen könnte.
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