Chinesischer Staatsbesuch in Pjöngjang:Was Xi Jinping in Nordkorea erreichen will
von Miriam Steimer
Chinas Staatschef ist zu Besuch in Nordkorea. Er will in Pjöngjang unter anderem seinen Einfluss sichern. Was sich China von der Reise erhofft - und was nicht auf der Agenda steht.
Chinas Präsident Xi ist zu Besuch in Nordkorea. "Peking hat ein Interesse, dass Nordkorea weiter wirtschaftlich abhängig bleibt von China", sagt ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer.
08.06.2026 | 3:13 minChinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat einen zweitägigen Besuch in Nordkorea begonnen. Es ist die erste Auslandsreise Xis in diesem Jahr. Er will in Pjöngjang wohl vor allem seinen Einfluss auf Nordkorea sicherstellen - in erster Linie als Gegengewicht zu Russland.
Denn seit Putins Angriff auf die Ukraine ist das Verhältnis zwischen Russland und Nordkorea sehr viel enger geworden. Nordkorea unterstützt den Krieg mit Waffen und Soldaten und bekommt dafür Devisen und Technologie. Das bringt Nordkorea in eine komfortablere Ausgangssituation für Verhandlungen mit Peking.
China als Vermittler zwischen Nordkorea und USA?
Es geht Peking auch um eine gute Ausgangsposition, sollte der amerikanische Präsident wieder seine Fühler nach Nordkorea ausstrecken, wie er das während seiner ersten Amtszeit gemacht hat. Da Donald Trump ja gerade erst zu Besuch in Peking war, gibt es Vermutungen, dass Xi sich als Vermittler zwischen Washington und Pjöngjang in Stellung bringen könnte.
Nach rund sieben Jahren reist Chinas Präsident Xi das erste Mal für zwei Tage in sein Nachbarland Nordkorea. Die Regierung in Peking bemüht sich, das Nachbarland, wieder enger an sich zu binden.
08.06.2026 | 0:21 minGrundsätzlich hat Peking Interesse an einem stabilen Nordkorea: als Pufferzone gegen Südkorea, wo ja auch US-Truppen stationiert sind, die China auf keinen Fall in seiner Grenzregion haben will. Außerdem hat Peking Interesse daran, dass Nordkorea weiter wirtschaftlich abhängig bleibt von China, denn ein Großteil von Nordkoreas Exporten geht nach China.
Nordkorea will Tourismus aus China wiederbeleben
Nordkoreas neuer Fünfjahresplan sieht unter anderem die Wiederbelebung des Tourismus vor. Vor Corona waren chinesische Urlauber das Rückgrat der nordkoreanischen Tourismusbranche. Seit März dieses Jahres gibt es wieder Zug- und Flugverbindungen, aber noch kein grünes Licht für Touristen.
Laut Machthaber Kim Jong Un will Nordkorea sein Atomwaffenarsenal stark ausbauen. Die Produktionskapazität habe sich innerhalb der letzten fünf Jahre mehr als verdoppelt.
04.06.2026 | 0:19 minBesonders interessant ist, was wohl nicht auf der To-Do-Liste für dieses Treffen steht: nukleare Abrüstung. Beim letzten Besuch Xis in Pjöngjang war das noch ein großes Thema. Damals beachteten China und Russland auch noch die UN-Sanktionen gegen Nordkorea. Das ist alles vorbei. China selbst baut sein Atomwaffenarsenal schneller auf als jedes andere Land. Laut Studien haben alle Nuklearmächte ihre Arsenale 2025 modernisiert und erweitert, auch Nordkorea.
Kurz vor Xis Besuch hat Kim Jong Un gerade eine neue Anlage zur Urananreicherung besucht und das Ziel unterstrichen, das Atomarsenal "exponentiell" auszubauen. Seine Schwester betonte in einem öffentlichen Statement am Wochenende, Nordkoreas Status als Nuklearmacht sei "unumkehrbare Realität" und nicht verhandelbar. Für Peking hat dieses Thema keine Priorität, weil es ein Eigeninteresse hat an einem politisch und wirtschaftlich stabilen Nordkorea.
Miriam Steimer ist Korrespondentin und als Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.
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