Nordkorea ändert Verfassung:Wird Kim Jong Un getötet, soll der Atomschlag kommen
Ein Angriff auf Machthaber Kim Jong Un soll automatisch einen nuklearen Vergeltungsschlag auslösen. Reagiert Nordkorea damit auf das Vorgehen der USA in Iran und Venezuela?
Nordkorea setzt weiter auf nukleare Abschreckung.
11.05.2026 | 22:23 minNordkorea hat seine Verfassung geändert: In dem Fall, dass Machthaber Kim Jong Un bei einem Angriff getötet oder handlungsunfähig wird, muss es einen nuklearen Vergeltungsschlag geben. Das berichtet die britische Zeitung "The Telegraph" unter Berufung auf den südkoreanischen Geheimdienst.
Reagiert damit Nordkorea auf die jüngsten Schläge der USA gegen die Staatsoberhäupter ihrer Feinde - Nicolas Maduro in Venezuela und Ali Chamenei in Iran? Eher nicht, sagt Nordkorea-Experte Eric Ballbach von der Stiftung Wissenschaft und Politik bei ZDFheute live. Der Schritt sei bereits seit 2022 angekündigt worden.
Nordkorea reagiert auf Südkoreas "Kill Chain"-Strategie
Die Gesetzesänderung war dem Experten zufolge eine Reaktion auf die südkoreanische "Kill Chain"-Strategie. Diese sehe vor, die nordkoreanische Führung im Krisenfall auszuschalten. Daher habe Nordkorea 2022 ein Gesetz über "die staatliche Politik der Atomstreitkräfte" erlassen, so Ballbach.
In diesem Gesetz wurde die bis dato defensive Ausrichtung des Nuklearprogramms explizit offensiv umgestaltet.
Eric Ballbach, Nordkorea-Experte
Eine der zentralen Änderungen war damals, dass die Befehlsgewalt zum Einsatz von Nuklearwaffen auch delegiert werden kann, sollte die nordkoreanische Führung angegriffen werden. Mit der nun beschlossenen automatischen nuklearen Antwort sei man nun noch einen Schritt weiter gegangen.
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22.04.2026 | 9:07 minExperte: Nordkorea sichert eigenes Überleben durch Atomwaffen
Sich gegen "Enthauptungsschläge" abzusichern, sei allerdings schon immer Teil der nordkoreanischen Strategie gewesen, sagt Ballbach. Und auch, dass Nordkorea dabei auf nukleare Abschreckung setzt, wundert den Experten nicht:
Nordkorea hat bereits seit einigen Jahren sein eigenes staatliches Überleben direkt an den Besitz von Nuklearwaffen gebunden.
Eric Ballbach
Schon 2019 begann Nordkorea laut Ballbach, seine Außen- und Sicherheitspolitik neu auszurichten, nach dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump, damals in seiner ersten Amtszeit. Damals habe man in Pjöngjang nicht nur mit der weiteren Aufrüstung begonnen, auch die zunehmende Annäherung an Russland ist Teil dieser Neuausrichtung, sagt Ballbach.
Nordkorea beliefert Russland mit Waffen und hat Tausende Soldaten nach Russland verlegt, die gegen die Ukraine kämpfen. Nordkorea verspreche sich davon wiederum finanzielle Unterstützung, aber etwa auch militärisches Know-how, erklärt Ballbach.
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03.03.2026 | 43:44 minExperte: Nordkorea ist heute "weitaus" gefährlicher als 2019
Diese Neuausrichtung habe zur Folge, dass Nordkorea heute "ein weitaus gefährlicherer Akteur" sei als noch 2019, warnt der Experte. Die militärischen Fähigkeiten Nordkoreas seien "massiv ausgeweitet" worden, und das müsse sehr ernst genommen werden. Viele Dialogkanäle seien inzwischen dicht, mit Südkorea oder den USA gebe es kaum noch Gespräche.
"Deswegen bin ich auch sehr skeptisch, wenn wir auf eine Wiederaufnahme dieser Gipfeldiplomatie blicken", sagt Ballbach. 2019 sei das Ziel die Denuklearisierung Nordkoreas gewesen, "auf ein solches Ziel wird sich Nordkorea heute nicht mehr einlassen".
Ballbach sieht in Nordkorea auch längst keine Bedrohung mehr, die sich nur gegen die USA oder den Indopazifik richtet. Als Akteur im Krieg in der Ukraine sowie als drittgrößter staatlicher Cyberakteur gegen Europa sei "Nordkorea (...) für Europa eben keine entfernte Gefahr mehr", so Ballbach.
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