Schmuggel, Korruption und Zwangsarbeit:Nordkoreas brutales ökonomisches System
von Bettina Blaß
Das Leben in Nordkorea ist hart - und zwingt viele Einwohner zu unkonventionellen Wegen. Die Schattenwirtschaft des Landes ermöglicht vielen Menschen das Überleben.
Vier Nordkoreanern gelingt die Flucht. Sie berichten exklusiv, wie sie unter der Diktatur gelitten haben. Die Analyse von Satellitenbildern unterstreicht ihre bewegenden Erinnerungen.
03.03.2026 | 42:54 minSchmuggel und Bestechung, das sind zwei Eckpfeiler der Ökonomie in Nordkorea. "Wenn du in diesem System überleben willst, dann musst du Handel treiben", sagt Seon-ju in der ZDFinfo-Dokumentation "Nordkoreas Geheimnisse - Blick in ein verschlossenes Land". "Allein mit Arbeit für den Staat kann man nicht leben."
Seon-ju ist in der Grenzregion zu China aufgewachsen. 2009 fing sie an, Kleidungsstücke über die Grenze ins Land zu schmuggeln. Als ihr siebenjähriger Sohn einen schweren Unfall hatte und keine angemessene medizinische Behandlung in Nordkorea bekommen konnte, ist sie mit ihm geflüchtet. Bis 2019 konnten noch jährlich etwa 1.000 Menschen dem Regime entkommen. Nachdem Nordkorea die Grenzanlagen verstärkt hat, sind es geschätzt nur noch ungefähr 100 pro Jahr.
Gut fünf Monate war Seon-ju mit ihrem Sohn unterwegs, bis sie in Südkorea ankamen. In ihrem neuen Heimatland begann sie zu studieren, ihr Sohn ging zur Schule. Seon-ju hätte sich lieber mit Rattengift selbst getötet, als nach Nordkorea zurückzugehen.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist bei einem Parteikongress Ende Februar erneut als Generalsekretär bestätigt worden. Staatsmedien lobten seine Führung und die nukleare Abschreckung.
23.02.2026 | 0:35 minDer Schwarzmarkt als Überlebensstrategie
Schmuggel ist jedoch nicht der einzige Ausweg aus der Not. Andere Frauen produzieren Lebensmittel und verkaufen sie auf Schwarzmärkten, den Jangmadang.
Die Behörden haben diese Märkte inzwischen legalisiert, denn die Basare sind überlebenswichtig für große Teile der Bevölkerung. Schließlich sind allein zwischen 1994 und 2000 Schätzungen zufolge zwischen 200.000 und mehr als zwei Millionen Menschen in Nordkorea verhungert.
Klimatische Veränderungen haben dramatische Folgen für Millionen, so Karl-Otto Zentel von Care Deutschland - oft unbeachtet von der Welt. Das zeigt der aktuelle Care-Krisenreport, der auch Nordkorea betrachtet.
28.01.2026 | 2:18 minSeit dem Ende des Kalten Krieges sind Hilfslieferungen aus China und Russland ausgeblieben. Wegen Missernten wurden die staatlichen Essensrationen für Bauern und Arbeiter abgeschafft. "Und weil Privateigentum verboten ist, blieb nichts mehr zu essen", sagt Eun-jung, deren Großmutter verhungerte. Eun-jung konnte fliehen und arbeitet heute in Südkorea als Radiomoderatorin.
Sehen Sie die Doku "Nordkoreas Geheimnisse - Blick in ein verschlossenes Land" am 17. März um 21 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Korruption als Schmiermittel des Systems
Damit der Schmuggel und die Schwarzmärkte funktionieren, fließt Schmiergeld. "Selbst Wachposten können nicht nur von ihrem Gehalt leben" sagt Seon-ju. "Jeder Posten hat seinen Bereich. Und wer dort handeln will, muss sie eben bezahlen."
Korruption ist laut Regimebeobachter Greg Scarlatoiu in Nordkorea weit verbreitet. Man müsse auf seine Umgebung achten, politisch umsichtig sein, viele Leute schmieren - die Parteifunktionäre, die Sicherheitsleute, die höheren Beamten, sagt Scarlatoiu.
Halte sie alle bei Laune - so funktioniert Nordkorea heute.
Greg Scarlatoiu, Regimebeobachter
Zwangsarbeit für Devisen
Die dunkelste Seite der nordkoreanischen Wirtschaft ist die systematische Ausbeutung von Häftlingen in Straflagern. Während das Regime bestreitet, dass es sie gibt, schätzen Experten, dass in mindestens 20 Lagern etwa 100.000 Menschen leben, teilweise sind ganze Familien in Sippenhaft.
Nach außen hin präsentiert sich Nordkorea machtvoll: Bei einer Militärparade im Oktober 2025 wurden neueste Waffen vorgestellt. Im Zentrum stand die Interkontinentalrakete, ein weitreichendes nukleares Waffensystem.
11.10.2025 | 0:21 minDort müssen die Insassen Zwangsarbeit verrichten. Sie stellen Güter für den Export her, darunter Perücken, künstliche Wimpern, Fischernetze und Textilien. Zudem müssen die Gefangenen in Minen arbeiten, um Gold, Blei oder Zink abzubauen. Durch den Export nimmt das Regime Devisen, also ausländische Währungen, ein. Die harten Bedingungen in den Lagern bezahlen viele Gefangene mit ihrem Leben, berichten Menschenrechtler.
In einem Gefängnis, das ich zuletzt untersucht habe - Chongori, Nummer 12 -, stirbt jedes Jahr etwa ein Viertel der Häftlinge.
Joanna Hosianak, Menschenrechtlerin
Seit 1942 regieren sie ihr Land mit harter Hand. Das Fundament dieser Dynastie der Gewalt legt Kim Il Sung. Seit 2011 führt sein Enkel, Kim Jong Un das gnadenlose Regime fort.
14.07.2024 | 17:07 minMehr Nachrichten aus Nordkorea
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