Video manipuliert, Bild ausgetauscht:Gestohlenes Gemälde hängt nicht in Selenskyjs Büro
von Nils Metzger
Ein gefälschter BBC-Bericht soll ein in Italien gestohlenes Gemälde im Büro des ukrainischen Präsidenten zeigen. Doch das Video ist eine Manipulation. Daran kann man das erkennen.
Diese Szene aus einem Video ist eine Fälschung: In Selenskyjs Büro hängt kein kürzlich in Italien gestohlenes Gemälde.
Im Internet kursiert ein gefälschtes Video, das zeigen soll, dass ein kürzlich in Italien gestohlenes Gemälde im Büro des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aufgetaucht sein soll. An diesen Vorwürfen ist nichts dran, das Video ist manipuliert.
Was wird im gefälschten Video behauptet?
Seit vergangener Woche verbreiten anonyme Accounts in verschiedenen sozialen Medien ein Video, das eine von Selenskyjs regelmäßigen Videoansprachen zeigt, aufgezeichnet in seinem Präsidentenbüro in Kiew.
Das Video behauptet, dass an der Wand rechts neben Selenskyj ein Gemälde des berühmten französischen Malers Paul Cézanne hängen würde. Das Gemälde mit dem deutschen Titel "Stillleben mit Kirschen" (im Französischen "Tasse et Plat de Cerises") wurde Mitte März zusammen mit weiteren Bildern aus einer Sammlung im italienischen Parma gestohlen.
Das gefälschte Video behauptet nun, Selenskyj habe das gestohlene Bild in sein Büro gehängt.
Nach einem erneuten russischen Drohnenangriff auf die südukrainische Hafenstadt Odessa sind mehrere Menschen verletzt worden. Getroffen wurden Wohnhäuser, ein Hotel und der Hafen.
27.04.2026 | 0:35 minWas hängt tatsächlich in Selenskyjs Büro?
Das Video nutzt echte Aufnahmen von Selenskyj, von einer Ansprache am 19. Januar 2026. Dieses Video steht bis heute auf der offiziellen Webseite des ukrainischen Präsidentschaftsbüros.
Oben der Ausschnitt aus dem manipulierten Video, unten das Original aus einem Video des ukrainischen Präsidentschaftsbüros. Hervorgehoben sind das rote BBC-Banner und das manipulierte Gemälde.
Quelle: ZDFheuteCheckDas rechts von Selenskyj zu sehende Gemälde wurde in der manipulierten Version jedoch gegen das Cézanne-Gemälde ausgetauscht. In echt hing dort ein Gemälde des ukrainischen Malers Andrii Chebotaru, das eine Landschaft zeigt. Auch links von Selenskyj ist, leicht verdeckt, ein weiteres Gemälde von Chebotaru zu erkennen. Beide Gemälde sind auch in früheren Videoaufnahmen mit Selenskyj zu erkennen.
Seit den Aufnahmen von Mitte Januar wurde das Büro jedoch leicht umgestaltet; seit Ende Januar ist auf verschiedenen Aufnahmen zu sehen, dass das fragliche Chebotaru-Gemälde nun von einer Wand mit den Logos ukrainischer Militäreinheiten verdeckt wird.
Das Selenskyj-Büro wurde Ende Januar umgestaltet. Wo zuvor das Gemälde zu sehen war, steht nun eine Wand mit Militärabzeichen.
Quelle: Büro des ukrainischen Präsidenten, 29.01.2026Der Diebstahl des Cézanne-Gemäldes fand erst nach dieser Umgestaltung des Selenskyj-Büros statt - das manipulierte Video passt also nicht zu diesem zeitlichen Ablauf.
Was bedeutet der Iran-Krieg für die Lage der Ukraine? Und wie ist das Verhältnis zu den USA und Deutschland? Antworten gibt der ukrainische Präsident im Exklusiv-Interview mit Maybrit Illner.
14.04.2026 | 36:11 minSo wird versucht, das Fake-Video möglichst authentisch wirken zu lassen
Ähnlich wie bei vielen anderen Manipulationskampagnen gibt auch dieses Video vor, ein Nachrichtenbeitrag eines Qualitätsmediums zu sein. In diesem Fall wird ein rotes Banner der britischen BBC und das Logo des Senders gezeigt.
Die vermutlich KI-generierte englische Stimme der Sprecherin erzählt das Video wie einen Nachrichtenbeitrag. Es werden Archivaufnahmen zu den Diebstählen in Italien gezeigt. Außerdem kommt ein echter Experte für gestohlene Kunst zu Wort. Das Experteninterview und die Archivaufnahmen stammen aus einem echten BBC-Nachrichtenbeitrag zum Gemälde-Diebstahl vom 30. März 2026.
Ein Bezug zur Ukraine wurde dort nicht erwähnt. Wer die Gemälde gestohlen haben könnte, und wo sie bis heute verbleiben, ist nicht bekannt.
Diese neue Bildmanipulation reiht sich ein in seit Jahren von prorussischen Akteuren betriebene Kampagnen. Sie versuchen, Selenskyj Verstrickungen in die organisierte Kriminalität oder die Veruntreuung von Geldern anzuhängen. Häufig geht es dabei um Luxusprodukte oder Immobilien. Tatsächlich gab es aber auch echte Korruptionsaffären in Selenskyjs Umfeld.
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