Rekrutierung an Unis:So lockt Putin Studenten an die Front
von Sebastian Ehm
Weil Russland massive Personalprobleme an der Front hat, geht die Armee jetzt an die Universitäten - lockt mit viel Geld und falschen Versprechungen.
Russland braucht für den Angriffskrieg gegen die Ukraine Front-Nachwuchs. Laut Exil-Journalisten sollen mindestens zwei Prozent aller Studenten einen Vertrag beim Militär unterschreiben.
20.04.2026 | 2:00 minDas Video des russischen Verteidigungsministeriums ist gewohnt aufwendig produziert und zeigt einen jungen Mann beim Gamen. Der Sprecher mahnt, man solle seine Zeit nicht verschwenden, sondern lieber das Vaterland verteidigen. Dann verändert sich sein Gaming-Set zu einer Drohnenkampfmontur, denn: Russland braucht junge Männer für seinen Angriffskrieg.
Der Sprecher des Kreml bestätigte kürzlich auch, dass man neue Einheiten geschaffen habe, die neues Personal erfordern. Dafür geht der Kreml jetzt gezielt an die Universitäten.
Mit Folter, Erniedrigung und Mord zwingt die russische Armee ihre eigenen Leute, den verlustreichen Kampf in der Ukraine zu kämpfen. Das berichtet eine BBC-Doku über einen geflohenen Deserteur.
01.04.2026 | 2:00 minQuote von zwei Prozent
Mindestens zwei Prozent der Studierenden an russischen Hochschulen sollen einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium abschließen. Das berichtet das Portal "Faridaily" unter Berufung auf zwei Quellen, die bei einem Treffen der Rektoren der größten Universitäten mit dem Minister für Wissenschaft und Hochschulbildung, Valerij Falkow, dabei gewesen sein sollen. Falkow soll von den Unis gefordert haben, Zehntausende zu rekrutieren. Offiziell bekannt gemacht wurde diese Quote übrigens nicht.
Eine US-Denkfabrik schätz die Anzahl getöteter, verletzter und vermisster russischer Soldaten auf rund 1,2 Millionen. Moskau geht bei der Rekrutierung immer rigoroser vor.
21.04.2026 | 1:48 minDenn eigentlich darf man in Russland während des Studiums nicht einberufen werden. Doch die Armee versucht wohl Druck auszuüben und geht gezielt die an, für die es im Studium nicht besonders gut läuft. Man drohe ihnen einerseits mit Exmatrikulation, so Menschenrechtler, und verspreche ihnen andererseits, sie nicht an die Front zu schicken, sondern in Drohneneinheiten. Weit weg vom Kampfgeschehen.
Nicht alle können zur Drohneneinheit
Eine Falle, meint Artjom Klyga. Seine Organisation hilft Studenten, die Probleme mit der Einberufung bekommen. Das Ganze sei eine normale Rekrutierung für die Infanterie.
Nur etwa 10 bis 15 Prozent landen bei den Drohnen-Einheiten. Es ist eine Rekrutierung für den Militärdienst. Damit können die Leute später durch separate Befehle der Kommandeure je nach Bedarf versetzt und neu verteilt werden. So sieht das rechtlich und faktisch aus.
Artjom Klyga, Menschenrechtler
Einmal in der Armee, habe man keinerlei Sicherheiten mehr. Viele würden dann eben nicht in den eher ungefährlicheren Drohneneinheiten landen, sondern direkt an der Front bei den Bodentruppen. Dort wo Russland die meisten Soldaten verliert und deswegen auch benötigt.
Neue Angriffe im Iran-Krieg verschärfen die Energiekrise. Die Ukraine rüstet sich für neue Offensiven – und wartet weiter auf EU-Milliarden. Die Analyse mit Oberst Reisner bei ZDFheute live.
19.03.2026 | 32:12 minKeine Garantien
Das Verteidigungsministerium wirbt zudem damit, die Studenten nach einem Jahr wieder zurück an die Uni zu schicken, aber verlassen könne man sich darauf nicht, so Artjom Klyga.
Junge Männer aus Kenia werden mit Job-Versprechen nach Russland gelockt – angeblich als Fahrer mit gutem Verdienst. In Wirklichkeit landen sie an der ukrainischen Front.
09.02.2026 | 3:28 minSeit Putins Teilmobilmachung gelten viele Verträge für die Armee unbefristet. Es sei schwer vorstellbar, dass man die Studenten nach einem Jahr wieder entlassen würde. Vor allem bei dem derzeitigen Personalmangel an der Front. "Sie bieten Garantien an, die gesetzlich nicht existieren," sagt Klyga.
Ein weiteres Lockmittel ist Geld. Über 50.000 Euro gibt an manchen Orten in Russland für eine Vertragsunterschrift. Doch damit endet meinst die staatliche Fürsorge und es beginnt der Horror des Krieges. Ein Krieg, der immer mehr junge russische Männer an die Front bringt.
Sebastian Ehm berichtet als Korrespondent über Russland, Zentralasien und den Kaukasus.
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