Andy Burnham: Wer ist der neue Premierminister von Großbritannien

Designierter Premierminister :Großbritannien: Wer ist Andy Burnham?

Porträt von Hilke Petersen, ZDF-Auslandsstudioleiterin in London

von Hilke Petersen, London

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Im dritten Anlauf erfolgreich: Chef der Labour-Partei wollte Andy Burnham schon 2010 und 2015 werden. Nach seiner Wahl zum Parteichef soll er nun am Montag Premierminister werden.

Andy Burnham

Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, ist neuer Vorsitzender der britischen Regierungspartei Labour. Am Montag soll er von König Charles zum neuen Premier ernannt werden.

17.07.2026 | 0:36 min

"Seid ihr bereit für das hier?", rief Andy Burnham vor Kurzem bei einer programmatischen Rede von der Bühne. Er klinge wie damals, sagte der Labour-Politiker, als er noch als DJ durch das großartige Manchester tourte. Ganz in der Nähe wuchs er auf, neun Jahre war er hier Bürgermeister.

Vor wenigen Wochen kehrte er mit einem Mandat zurück nach London, als Abgeordneter ins Unterhaus. Denn nur so konnte er Premierminister Keir Starmer den Job streitig machen. Als er zur Vereidigung im Parlament erschien, ertönte ein Zwischenruf, offenbar von den Oppositions-Bänken:

Er ist nicht der Messias!

Britischer Abgeordneter

An diesem Freitag nun bestätigte ihn die Labour-Partei als Nachfolger Starmers als Parteichef und leitete damit seine Übernahme der Regierung ein. Kommenden Montag wird König Charles III. Burnham voraussichtlich zum neuen britischen Premierminister ernennen.

Porträt von Andy Burnham.

Andy Burnham will als früherer Bürgermeister von Greater Manchester sein Modell „Manchesterism“ landesweit etablieren.

09.07.2026 | 2:00 min

Was Burnham als Premierminister ändern könnte

Was aber wird Burnham anders machen als Keir Starmer? Dessen Beliebtheit war in nicht einmal zwei Jahren Amtszeit rasant verfallen, bei Wählern und eigenen Labour-Leuten. Burnham kündigt einen radikalen Bruch mit politischen Konventionen an, die im Londoner Regierungsviertel Westminster gepflegt würden.

Ich werde die Dinge anders angehen. Indem ich Macht aus der Zentrale abziehe und sie in die Regionen verlagere, die sie am besten nutzen können.

Andy Burnham

"Devolution" heißt das im Vereinigten Königreich. Seit 1998 gilt das Prinzip der Dezentralisierung für die Nationen Schottland, Wales und Nordirland: Regionale Parlamente regeln dort seither Lebensbereiche wie Gesundheit, Bildung, Wohnungswesen und Kommunalverwaltung. Mehr Selbstbestimmung will Burnham auch in die englische Provinz bringen. Und er kündigt an, "No 10 North" in Manchester zu eröffnen: Eine Art Filiale des Amtssitzes in der Downing Street für den ärmeren Norden Englands.

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Andy Burnham müsse zunächst "Optimismus verbreiten", sagt Gerhard Dannemann, Professor für Englisches Recht. Er sieht ihn auf der "europafreundlichen Seite".

23.06.2026 | 4:49 min

Burnham lobt föderale Struktur Deutschlands

Der neue Labour-Chef pries in der Vergangenheit die föderale Struktur Deutschlands und das im Grundgesetz festgeschriebene Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse im Land. Er schreibt in einem schon 2024 erschienenen Buch:

Das moderne Deutschland gilt als Vorbild für den Aufbau einer Nation.

Andy Burnham im 2024 erschienenen Buch "Head North: A Rallying Cry for a More Equal Britain"

"Die veralteten, provisorischen Regelungen Großbritanniens hingegen haben uns in eine Situation geführt, die von starker Spaltung und Ungleichheit geprägt ist." Die Autoren von "Head North" plädieren für eine niedergeschriebene Verfassung - ähnlich dem Deutschen Grundgesetz. Eine Art Länderkammer schwebt ihnen vor, ein "Senate of the Nations and Regions", der teilweise nach Vorbild des Deutschen Bundesrats funktionieren und das traditionelle "House of Lords" ersetzen könnte.

Rede von Andy Burnham

Eine Rede von Andy Burnham Ende Juni - eingeordnet von ZDF-Korrespondentin Hilke Petersen.

29.06.2026 | 15:36 min

Neuer Labour-Chef setzt auf "Manchesterismus"

Burnham ist nicht zurückhaltend, wenn es um die Auflistung seiner Erfolge als Bürgermeister geht. So wie man es in Manchester gemacht habe, soll es nun überall funktionieren, verspricht er. Das Konzept hat einen Namen: Manchesterismus. Den hat Burnham nicht erfunden, seit dem 19. Jahrhundert gibt es die Idee der Manchester School: Sie setzte sich gegen die Corn Laws, Getreidezölle, zur Wehr, und sie forderte, der Staat solle sich heraushalten aus Wirtschaft und Gesellschaft.

Heute übersetzt Burnham das so: Re-Nationalisierung von öffentlichen Dienstleistungen wie der Wasserversorgung und dem Nahverkehr. Das öffentlich kontrollierte Bus-System im Großraum Manchester, das Bee-Network, gilt als Paradebeispiel für bürgernahe Politik. "Im Fall von Manchester haben die Menschen erkannt: Meine Güte, das hat tatsächlich funktioniert", so Professor Philip McCann.

Wenn Menschen Veränderungen sehen und miterleben, die in die richtige Richtung gehen - dann heißt es: Darüber sollten wir ganz allgemein nachdenken.

Professor Philip McCann, Alliance Manchester Business School

Britain's Prime Minister Keir Starmer speaks to the media outside 10 Downing Street to announce his resignation in London, Monday, June 22, 2026.

Keir Starmer erklärte im Juni seinen Rücktritt nach weiter schlechten Zustimmungswerten.

22.06.2026 | 2:28 min

Burnham hat zugleich Regierungserfahrung in London. Er versah verschiedene Posten in den Kabinetten von Tony Blair und Gordon Brown. Auch weil sich Burnham als Bürgermeister während der Pandemie entschlossen gegen die Regierung in London stellte und für mehr Entschädigung für die Kommunen im Norden stritt, trägt er jedoch den Beinamen "King of the North".

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, unter anderem in der heute Xpress am 17.07.2026 und heute in Europa am 09.07.2026.

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